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Biographie

Wenn wirklich gute Dinge Zeit brauchen, um zu reifen, dann erwartet uns Großes. Selten hat ein Musiker, der es nach ganz oben geschafft hat, so lange geschwiegen wie Michael Patrick Kelly. In einer Zeit, wo man sich nur eine Auszeit gönnen darf, wenn man einen Burn-out auszukurieren hat, um dann schnellstmöglich wieder zu liefern, hat sich jemand die große Unverschämtheit geleistet, wirklich auszusteigen aus dem Rattenrennen. Und dies nicht für ein Wochenende Zen-Seminar oder drei Monate Weltreise, sondern für Jahre - auf der Suche nach dem, was der Mensch und was Menschlichkeit ist. Jetzt ist er wieder da, und man sollte sich anhören, was er mitgebracht hat.
Unter seinem Spitznamen "Paddy" hat Michael Patrick Kelly bereits eine Weltkarriere hinter sich. Seit er 10 Tage (!) alt ist, stand er auf der Bühne mit einer der erfolgreichsten Bands der 90er Jahre. Eine Band, die polarisiert hat wie wenig andere: Man liebte oder verachtete sie. Schaut man heute auf ihr Oeuvre und ihre Auftritte zurück, fragt man sich erstaunt, was ihren Verächtern eigentlich das Recht gegeben hat, im Namen der Coolness die Kellies abzulehnen: Dass sie mit langen Haaren rumliefen anstatt rasiert? Dass sie Musik mit der Hand machten, als man dachte, der Computer könne das besser? Dass sie 12 Kinder waren, anstatt zwei? Dass sie in einem Hausboot wohnten anstatt in einem Reiheneckhaus? Wer sich heute ohne Vorurteile, die Konzerte von damals ansieht, wird 9 außergewöhnliche Stimmen und erstklassige Songs hören. Und eine Chemie auf der Bühne, die deswegen so lebendig ist, weil hier nicht gecastet wurde, sondern die Familie, die man sich ja bekanntlich nicht aussucht, so wie sie zusammengewürfelt ist, loslegt.
Paddy, der immer als zentraler Songwriter und "Musicman" der Familie galt, wurden Verehrung und Verachtung irgendwann zu viel, zum Dschungel, der ihm den Blick auf sich selbst verstellte. Er ist aus dem Business ausgestiegen und hat sich und den Sinn in der Stille gesucht, in einem Rückzug aus der Welt in ein Kloster. 6 Jahre hat er als Mönch gelebt, studiert, gearbeitet, gebetet und meditiert. Und selbst als diese Zeit vorbei war, hat er noch zwei Jahre gewartet, hingehört auf die neuen Zeiten und erst dann angefangen, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen.

Michael Patrick Kellys neues Album heißt "iD" (für Identität) - ein klares Signal zu einem Zeitpunkt, der treffender nicht sein könnte. Die neuen Songs zeigen wie durch ein Kaleidoskop die vielseitige und doch geballte Identität eines außergewöhnlichen Künstlers, und lassen zweifellos einen neuen Zenit seines musikalischen Werdegangs erahnen.

Von mehr als 40 geschriebenen Songs sind 14 auf der Platte gelandet. Aufgenommen in London in einer Zeit, in der alles, was außerhalb des Studios passierte absurd schien. Trump, Brexit, Terror - die Welt spielte verrückt und schien ihre Identität, ihre iD, an das Chaos zu verlieren. Das Album "iD" ist von diesem Zeitgeist geprägt, verfällt aber weder in Verzweiflung noch in Zynismus. Im Gegenteil: Man hört den Durchbruch von Lebenswille und Orientierung.

Termine

24.11.2017
22:00 Uhr
TV
NDR
Tietjen und Bommes

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