Weiter zum Main Content

Biographie

Ihre Existenz verdankt Little Mix zwar der britischen Erfolgs-TV-Sendung "The X Factor", doch es gibt etwas, dass sich nicht künstlich herbeiführen lässt: die Chemie innerhalb einer Band - Jesy, Jade, Leigh-Anne und Perrie haben jede Menge davon. Zwischen den Mitgliedern der ersten Girlband bzw. Band, die jemals "The X Factor" für sich entscheiden konnte, besteht ein einzigartiges Zusammengehörigkeitsgefühl, verursacht durch die gemeinsamen Erfahrungen, die die Mädchen in der TV-Show machten und das nun in ihren Songs in einer sehr modernen Variante des "Girl Power"-Themas zum Ausdruck kommt. Wie z.B. bei ihrer Debütsingle "Wings". Dort heißt es im Text: "diese Flügel sind zum Fliegen da" - und das ist genau das, was die vier Girls in den vergangenen zwölf Monaten getan haben?

Doch es war nicht immer so. "Vor meiner ?The X Factor'-Teilnahme hatte ich noch nie vor irgendjemandem gesungen", erklärt Jesy. "Ich habe in einer Bar gearbeitet und war auch mal Tänzerin. Ich wollte immer Sängerin werden, hatte aber nie das nötige Selbstvertrauen." Leigh-Annes Geschichte liest sich ganz ähnlich. Auch sie wusste schon immer, was tun wollte, doch auch ihr fehlte der Mut, loszuziehen und es zu versuchen. "Es erschien einem immer so weit entfernt zu sein", erinnert sie sich. "Alle meiner Lehrer am College sagten, dass ich keine Chance hätte, an irgendwelchen Schauspielschulen in London angenommen zu werden, weil ich viel zu poppig singen würde und dass ich nicht ?Musical-geeignet' wäre. Das hat mich ziemlich fertig gemacht", erzählt Perrie. Jade spielte zwar Gigs im Nordosten Englands, doch sie hatte schon eine ganze Weile mit dem Musikbusiness abgeschlossen. Als sie der "X Factor"-Ruf ereilte, hatte sie sich bereits für ein Kunststudium eingeschrieben.

Das Selbstwertgefühl war also nicht gerade groß und auch in punkto Karrierechancen sah es nicht allzu rosig aus - doch die Mädchen wussten, was sie wollten, selbst als sie bei "The X Factor" als Solo-Acts den Kürzeren zogen. Doch sie hatten stets das unablässige Gefühl, dass irgendetwas in der Luft lag, dass irgendetwas passieren würde. Als man sie zusammen brachte, um (wie sie zunächst hießen) Rhythmix zu gründen, erkannten die Produzenten in ihnen etwas, dass sie auch gegenseitig in sich sahen. "Wir sind alle ziemliche Spinner, aber jeder auf eine andere Weise", lacht Jesy als Antwort auf die Frage, warum sie denn so gut zusammen passen. "Es ist seltsam - wir scheinen das Verrückte in uns gegenseitig ans Tageslicht zu bringen."
Doch auch wenn den Beteiligten sofort klar war, welche Chemie von der ersten Sekunde an zwischen ihnen herrschte, so verließen sie sich nicht darauf. In der Zeit zwischen dem Bootcamp und den ?Judges Houses'-Runden versammelten sich die Girls in Perries Haus, wo sie ihr eigenes, provisorisches Bootcamp einrichteten. "Als wir das Bootcamp hinter uns hatten, bekamen wir drei Wochen frei. Wir trafen uns und arbeiteten sehr hart. Als wir dann zurück kamen, zeigten wir ihnen, was wir gemacht hatten", erklärt Jade. "Wir haben die ganze Sache selbst in die Hand genommen", fährt Leigh-Anne fort. "Wir trafen uns sofort nach dem Bootcamp bei Perrie, sorgten dafür, dass wir miteinander klar kommen und unsere Stimmen kennen lernten."

Diese vorbehaltlose Leistungsbereitschaft sorgte auch dafür, dass sie es in die "Live Shows" schafften. Ihr Ehrgeiz, alles auf den Punkt genau perfekt abzuliefern, hörte dort aber noch lange nicht auf. "Wir wollten die Songs nicht einfach so singen, wie sie man sie kennt", erklärt Perrie. "Wir haben kleine A Capella-Stellen eingebaut, ein wenig Beat-Boxing gemacht und wir rappten. Wir wollten auffallen." Dann erzählt sie die Geschichte der ersten Live-Performance des Nicki Minaj-Hits "Super Bass", als Leigh-Annes Solo-Rap-Teil um ein Haar nicht stattgefunden hätte: "Leigh-Anne hatte ihren eigenen Rap für ?Super Bass' geschrieben, aber es wurde ihr aus Copyright-Gründen verboten, ihn zu vorzutragen. Ich erinnere mich, wie wir die ganze Nacht da saßen und nicht eher aufhörten, Leute anzurufen, bis wir endlich Erlaubnis bekamen. Wir hätten es sonst überhaupt nicht gemacht. Wir waren so felsenfest davon überzeugt, dass wir das Bestmögliche abliefern wollten."

Ihr Selbstbewusstsein wuchs mit jeder Woche und Little Mix (wie sie nun hießen) schafften es bis ins Finale, bevor sie einen unglaublichen Abend vor 10.000 Zuschauern in der Wembley Arena mit ihrem Sieg krönten und mit einer wunderbaren Version von "Cannonball" (dem Damien Rice-Song, nicht dem Breeders-Klassiker) den ersten Nummer-Eins-Hit ihrer Karriere landeten. Natürlich hatten die Mädchen ihre ganz eigene Vision des Songs. "Wir wollten am Anfang einen A Capella-Teil haben und einen stärkeren Beat, damit der Song mehr nach uns klingt", sagt Jade. "Es ist eher ein ?Sieger-Song' als eine richtige Little Mix-Single."

Ihnen war klar: die "richtige", alles entscheidende erste Single, mit der sich die Band in punkto Sound und Stil positionieren würde, müsste perfekt sein. "Nach dem ?X Factor'-Sieg hatten wir an Weihnachten zwei Wochen frei, da chillten wir, danach ging es direkt ins Studio und wir wussten, dass wir unsere erste Single finden mussten. Das hat eine ganze Weile gedauert. Wir gingen zu so vielen Produzenten und es kam tatsächlich der Moment, als wir dachten: ?vielleicht werden wir sie nie finden'. Wir hatten ein klares Bild vor Augen, was wir wollten." Was ihnen vorschwebte, war der (in UK) sprichwörtliche, unerreichbare "Mond am Stil". Oder in Jesys Worten: "so etwas wie ?Super Bass', gemischt mit etwas Spice Girls, TLC und Missy Elliott, alles zusammen in den Mixer." Wie durch ein Wunder gelang ihnen mit der Hilfe des Produktions-Duos TMS und dem Songwriter Iain James mit "Wings" genau DAS. Eine süchtig machende Mischung aus schmetternden Bläsern, Dubstep-Sounds und Marching-Band-Beats. "Man kann den Song wirklich in keinem Genre zuordnen", bemerkt Leigh-Anne korrekterweise. "Es ist ein Mix aus allem und deshalb bin ich auch so begeistert von dem Album, denn es ist ein Zusammenspiel vieler verschiedener Einflüsse. Bei unserem Sound wird niemandem langweilig."

Fest entschlossen, die gleiche Formel nicht zu wiederholen, war ihre Follow-Up-Single "DNA" keine Ballade mit Chorgesang? na gut, irgendwie schon, aber nicht so, wie man es erwartet hätte. Das Liebeslied beginnt mit funkelnden Synths, geht dann aber schnell in ein Midtempo-Monster von einem Song über, mit heftigen Beats und durchaus finsterem Text: "my heart won't beat again if I can't feel love in my veins". Und gerade, wenn man sich der unheimlichen Brillanz der Middle Eight hingeben möchte, überraschen Little Mix mit der vielschichtigen Stimmgewalt eines Chorgesangsparts - und schufen damit einen der unerwartetsten genialen Momente der jüngeren Popgeschichte.

Auf dem Album, an dessen Entstehung nahezu die gesamte britische Pop-Elite mitwirkte (u.a. Xenomania, Nicola Roberts, Future Cut, Biff Stannard, Steve Mac), findet sich u.a. auch das lebensbejahende "Change Your Life", das den Hörer ermutigt, seinen Überzeugungen treu zu bleiben und seinen Instinkten zu vertrauen. Dem Album gelingt es, die Persönlichkeiten aller Mädchen abzubilden, und gleichzeitig zu zeigen, was sie als Gruppe so besonders macht.

"Alle unsere Songs haben eine Bedeutung. Wir sind nie ins Studio gegangen und haben uns gedacht: "ach ja, das wird schon irgendwie reichen". Wir wollten ein Album machen, das ausschließlich aus Singles besteht", erklärt Jesy. "Wir streben nach Langfrsitigkeit", sagt Leigh-Anne. "Uns soll es so lange wie möglich geben, deshalb haben wir mit dem Album Zeit gelassen."

Artikel zu Little Mix


Newsletter