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Biographie

Album: "Synthesis" (2017)
Single: "Imperfection"

"We stand undefined, can't be drawn with a straight line/this will not be our ending, we are alive."
(aus dem Song "Imperfection")

Wenn es um kreative Ideen geht, sind Träume für Evanescence-Sängerin und -Songwriterin Amy Lee von jeher die beste Inspirationsquelle. Und im Falle des sehnsüchtig erwarteten, vierten Studioalbums "Synthesis" (dem ersten seit dem selbst betitelten Longplayer aus dem Jahr 2011), machte sie eine lang gehegte Vision wahr.

Auch wenn "Synthesis" zum Großteil aus bereits erschienen Titeln besteht, so handelt es sich keineswegs um ein simples "Greatest Hits"-Album. Im Tracklisting findet sich eine Auswahl von Stücken aus den bislang erschienenen drei Alben, die allerdings einem "Re-Imagening"-Prozess unterzogen und komplett neu aufgenommen wurden. Hinzu kommen zwei brandneue Songs. "Synthesis" verbindet Amy Lees meisterhaften Gesang und Pianospiel, begleitet von ihrer Band, mit dem Sound eines kompletten Symphonie-Orchesters. Die Arrangements stammen von David Campbell, einem langjährigen musikalischen Partner der Band. Die Synthese komplettiert das vielschichtige "Electronic Music Programming" von Engineer und Co-Produzent Will Hunt (nicht zu verwechseln mit dem Evanescence-Drummer gleichen Namens) und Mixer Damian Taylor (Björk, The Killers, Arcade Fire).

Der Albumtitel kommt nicht von ungefähr: "Synthesis" ist die Kombination von organischen und synthetischen Sounds, von Klassik und Rock, von Alt und Neu. Es ist eine Re-Interpretation der Vergangenheit und ein Ausblick auf die Zukunft, ein erzählerisches Konzept alter Schule, das den Hörer auf eine Reise mitnimmt, hinaus aus der Dunkelheit ins Licht, eine Welt voller Verzweiflung, in der Amy Lee einen Funken Hoffnung entzündet.

"Ich träume immer in sehr großen Dimensionen", sagt Amy Lee über das Projekt. "Die ganze Idee entstammt dem Gedanken, wie cool es wäre, neue Versionen bestehender Songs mit Streichern und Programming zu machen, und diese dann weiter zu entwickeln. Durch die Skills und Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren gemacht haben und die großartigen kreativen Köpfe, die nach und nach zu dem Projekt dazu stießen, wurde die Sache, ähnlich wie ein Schneeball, der zu Tal rollt, sehr schnell immer größer."

Der nächste Schritt in der Evolution ist die "Synthesis Live"-Tour, auf der Evanescence bei jedem Konzert von einer Live-Orchester und Electronic Programming begleitet werden. "Die Aufnahmen stehen in direktem Zusammenhang mit der Erfahrung der Live-Show, die wir den Zuschauern bieten wollen", erklärt Amy. "Ich freue mich wahnsinnig darauf, bei den Konzerten mit meinem Piano mehr eingebunden zu sein und musikalisch gefordert zu werden. Und mich live darauf zu fokussieren, wie im Studio zu singen." Die Bandmitglieder werden nicht nur vom Orchester begleitet, sondern als eine geschlossene Einheit in das vereinte Ensemble eingebettet - die Live-Präsentation wird dadurch zu einem wahrlich theaterhaften Event.

Der erste Track, der vorab aus "Synthesis" veröffentlicht wurde, war eine überraschende Neu-Bearbeitung des größten Evanescence-Hits "Bring Me To Life", der mit einem Grammy ausgezeichnet worden war. Verschwunden ist der Rap-Part des Originals (damals gesungen von 12 Stones-Sänger Paul McCoy), an seine Stelle tritt eine beeindruckende, klassische Interpretation, die die Entwicklung von Amy Lees Stimme vom 20-Jährigen Greenhorn, die auf den ursprünglichen Demo-Aufnahmen zu hören war, hin zur heutigen Weltklasse-Sängerin dokumentiert. "Wir hatten die großartige Gelegenheit, den Song so aufzunehmen, wie er eigentlich gedacht war", sagt sie.

Der Gesang wurde in Will Hunts Spaceway Production Studio im texanischen Fort Worth aufgenommen, die Orchesterparts im Ocean Way in Nashville. "Synthesis" ist jedoch keine abrupte stilistische Abkehr vom bisherigen Evanescence-Sound, es ist ein Aufblühen der ursprünglichen Band-Idee, die sich bereits in Songs wie "My Immortal" (vom Debütalbum "Fallen"), "Lacrymosa" (vom Album "The Open Door", basierend auf Mozarts "Requiem") sowie "My Heart Is Broken" und "The End Of The Dream" (beide vom "Evanescence"-Album) angedeutet hatte. Alle diese Stücke enthalten bereits Arrangements von David Campbell, der nun Partituren für ein komplettes Orchester schrieb.

"Die Songs leben auch nach den Studioaufnahmen weiter", sagt Amy Lee, "es war ein sehr befriedigendes Gefühl, sie sich wieder vorzunehmen und sie nun als 35-Jährige aufzunehmen, anstatt als 20-Jährige (einige davon). Die Möglichkeit zu haben, einige der Elemente, die wir über die Jahre hinweg im Rahmen der Live-Shows weiter entwickelt haben, einzubauen und zu zeigen, dass auch ich reifer geworden bin, das war eine wunderbare Gelegenheit. Das Ziel war es allerdings nicht nur, jede dieser Versionen besser zu machen, sondern auch den Kern dessen, was die ursprünglichen Aufnahmen so großartig gemacht hat, zu erhalten. Es war eine große persönliche Herausforderung."

Nachdem die Trademark-haften verzerrten Grunge-Gitarren und das akustische Schlagzeug durch ein Orchester und verschiedene, getriggerte Programming-Effekte ersetzt wurden, steht mehr denn je Amy Lees fantastische Stimme im Zentrum - eine der einprägsamsten und unverwechselbarsten des Rockgenres. "Die Intimität der Vocals auf diesem Album hat etwas sehr Schönes", findet sie. "Die Arrangements lassen Raum für größere Emotionen. Ich hatte Angst, meinen Gesang allzu sehr nach vorne zu stellen, ich habe ihn eigentlich gerne weiter hinten im Mix. Ich war noch ein Teenager, als wir anfingen, und ich war sehr unsicher. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich gut genug war, aber jetzt fühle ich mich sehr wohl mit meiner Stimme. Ich wollte sehen, wie intim und ?up-in-your-ear' man den Gesang machen kann. Es ist eine Herausforderung, sich nicht hinter allem zu verstecken, aber ich begrüße das. Ich freue mich sehr darauf, das Album live zu spielen."

Auch der Rest der Band - die Gitarristin Jen Majura, Gitarrist Troy McLawhorn, Bassist Tim McCord und Drummer Will Hunt - mussten ihre Fähigkeiten in die Produktion einbringen. So widmete sich Majura dem Theremin, McLawhorn und McCord experimentierten mit verschiedenen Sounds und Hunt triggerte mit Hilfe eines elektronischen Drumkits eine Reihe von synthetisch erzeugten Sounds.

"Es wäre kein Evanescence-Album ohne meine großartige Band", erklärt Lee. "Sie sind alle extrem versierte, talentierte und aufgeschlossene Musiker. Deshalb wurde es ihnen selbst überlassen, wie sie sich in diesem neuen musikalischen Umfeld einrichten und zu Hause fühlen. Was kann dein Instrument, von dem du vorher keine Ahnung hattest?"

"Synthesis" ist allerdings nicht nur ein Update der Vergangenheit, es bietet auch eine ganze Reihe von Optionen für die Zukunft. Das Album enthält drei neue Zwischen-Instrumentaltracks und einige neue Songs, wie z.B. das bislang unveröffentlichte "Hi Lo", das ursprünglich vor zehn Jahren entstanden war und für Synthesis mit der Violinistin Lindsey Stirling aufgenommen wurde - als erste Zusammenarbeit zwischen Amy Lee und Produzent Will Hunt. Ein musikalisch richtungsweisender Song ist die neue Single "Imperfection", die den Evanescence-Sound mit Funk/HipHop und EDM-Elementen anreichert.

"Für mich ist ?Imperfection' der wichtigste Song des neuen Albums", so die Sängerin. "Ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten, den Text fertig zu stellen, denn er muss schließlich der Arbeit eines ganzen Lebens gerecht werden. Ich war mir nicht sicher, ob das, was ich sagen will und wie ich es sagen will, gut genug ist. Als es schließlich aus mir heraus sprudelte, war es aber nicht mehr zu leugnen. Ich hatte keine Wahl. Es ist die Bitte, um dein Leben zu kämpfen, hier zu bleiben und nicht die Angst siegen zu lassen - ich muss mir das jeden Tag selbst sagen. Niemand ist perfekt. Wir sind alle nicht perfekt, und es sind genau diese ?Unperfektheiten', die uns zu dem machen, was wir sind. Und wir sollten sie annehmen, denn in diesen Unterschieden steckt so viel Schönes."

Mit "Synthesis" führen Evanescence eine thematische Linie fort, die sich durch ihr gesamtes, bisheriges Werk zieht. "Selbst in unseren dunkelsten Momenten, wenn wir einfach nur noch feststellen: ?Es tut weh', gibt es immer noch Hoffnung. Es geht darum, die Niederlage nicht zu akzeptieren. Gib niemals auf, hör nie auf, um dein Leben zu kämpfen."

Oder wie sie in "Imperfection" singt: "Don't you dare surrender/I'm still right beside you/And I could never replace your perfect imperfection".

"Synthesis" ist für Amy Lee und Evanescene der Schritt zurück in die Zukunft. Auf eine Art und Weise, wie nur sie es vollbringen konnten.

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