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Zugezogen Maskulin

Vom Aufwachsen in einer Provinz

08.09.2017

Der Treibstoff der meisten Zeitmaschinen ist Schnaps. Es reichen ein paar Gläser und schon surrt ein solches Gerät aus den Wolken und trägt uns an die längst verschütteten Orte in unserer Erinnerung. Manchmal reicht aber auch nur ein Wort, ein Geruch, ein Blick, um alles, was man erfolgreich verdrängt oder vergessen hatte, wieder an die Oberfläche zu spülen: Der Geruch von Sonnencreme und Meer, wenn man zu sechst am Ostseestrand anrückt, um die Badetaschen der westdeutschen Touristen auszuräubern, Silberketten, Picaldi-Jeans, die reichen Töchter aus Krefeld und Kaiserslautern vor Augen. Ein schiefer, abschätzender Blick, wenn man neu in die Wohnung des lokalen Speedtickers kommt, der Vater ist ein U-Bootsoldat, der schweigend vor einer Flasche Springer Urvater in der Küche sitzt, der Sohn versorgt das ganze friesische Dorf und so hat sich dort eine Zweckgemeinschaft gebildet, ein Krabbeneimer gefüllt mit Außenseitern, wo der Schwächere auf dem Boden festgestampft wird. 

Abseits von Baggersee-Romantik

Zugezogen Maskulin erzählen auf "Uwe & Heiko", ihrer zweiten Auskopplung aus dem Album "Alle Gegen Alle" ein dunkles und wahres Märchen über das Aufwachsen in einer Provinz, ganz abseits von Landlust und Baggersee-Romantik. Sie erzählen von alten Freunden, denen man sich beim Elternbesuch zunickt, von einer gegenseitigen Entfremdung, aber auch von einer Verbindung, die sich nicht auflösen lässt, egal, wie sehr man strampelt und schreit, von einem Gift, dass für immer durch die Adern pumpt.

 

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