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Heinz Rudolf Kunze

Ein persönlicher Blick auf "Deutschland"

12.02.2016

Er ist ein überzeugter Rockmusiker, ein rebellischer Geist und ein phantasievoller Romancier. Er liebt Pop, Politik und Poesie. Er versteht sich auf Märchen, Musical und Moritat. Mit "Deutschland" legt er ein neues Album vor, das auch die aktuelle politische Lage des Landes thematisiert.

Heinz Rudolf Kunze kann auf eine 35-jährige Musikerkarriere zurückblicken. Eine Zeit, in der er mittlerweile 35 Alben veröffentlicht hat, inklusive all jener mit seiner Band Räuberzivil, bei der er seit einigen Jahren eine zweite musikalische Heimat gefunden hat und mit der er eher balladesk und entspannt auf den Spuren von Bob Dylan und Randy Newman, von Leonard Cohen und Townes Van Zandt wandelt. Für sein neues Studioalbum "Deutschland" hat sich der Musiker auf seine jüngsten Songtexte besonnen, frei nach dem Motto "die frischesten stehen einem doch am nächsten". Eins vorweg: Es ist ein wahres Prachtwerk an Ideen, Themen und Ausflügen in unterschiedlichste stilistische Gefilde geworden. Von Kindheitserinnerungen über Generationenkonflikte bis hin zu Gedanken übers Altern, Lieder über die Herkunft und die Heimat, über Freundschaft und Liebe, Kunst und Religion, Verlust und Verrat.

Keine Scheu vor politischen Themen

"Das Paradies ist hier", die erste Single, ist zweifellos einer der Songs des Albums mit dem stürmischsten Pop-Appeal, aber zugleich auch einer mit einer klaren Botschaft. Wir dürfen uns die Lebensfreude und die Zuversicht nicht nehmen lassen, auch nicht angesichts der schrecklichen Auswüchse des Terrorismus, die nach den Anschlägen in Paris ein noch größeres Maß an Bedrohung angenommen haben. "Paradies" bildet gewissermaßen den Auftakt zu den politisch konnotierten Songs des Albums, zu dem auch "Jeder bete für sich allein" zählt. "Ich halte es für eines der politischsten Lieder, die es momentan gibt in deutscher Sprache", findet Kunze selbst. Stilistisch dem klassischen Prog-Rock im Fahrwasser von King Crimson und Gentle Giant zuzuordnen, wendet sich Kunze in dem Song gegen die zunehmende Aggressivität, mit der Religionen respektive Religionsführer heutzutage auftreten. Wenn Religion zur Privatsache würde, so seine These, gäbe es auch weniger Konflikte. Auch wenn dieses Plädoyer für die Privatisierung von Religion ein wenig utopisch klingen mag, für reichlich Diskussionsstoff und Reflexion könnte "Jeder bete für sich allein" auf jeden Fall sorgen.

"An der Flüchtlingskrise entscheidet sich die Zukunft Europas"

Das gilt auch für den Titelsong, eines der wohl funkbetontesten Stücke, die Kunze und seine Band Verstärkung jemals aufgenommen haben. "Deutschland" liefert jedenfalls viele Denkanstöße – es ist ein Land, das sich im Gegensatz zu Italien, England und Frankreich schwer tut mit seiner nationalen Identität. Da ist die Bürde der Geschichte, die noch immer schwer zu wiegen scheint, aber es fehlt auch bei anderen Themen an Selbstverständnis. Die Flüchtlingskrise, die Kunze als „die größte Herausforderung“ für unser Land bezeichnet, hat die Situation nicht einfacher gemacht. Einerseits hat die beispiellose Willkommenskultur nahezu weltweit viel Bewunderung hervorgerufen, andererseits sind die fremdenfeindlichen Übergriffe sprunghaft angestiegen. Das Land scheint gespalten. "Man muss für die Ratlosigkeit und Sorge der Menschen Verständnis haben. Das hört dann aber auf, wenn sie Rattenfängern nachlaufen", beurteilt Kunze die derzeitigen Montagsdemonstrationen. "An der Flüchtlingskrise entscheidet sich die Zukunft Europas als handlungsfähiges gemeinsames Konstrukt. Wenn das Deutschland alleine ausbaden soll, dann ist Europa am Ende." Kunze ist selbst als Flüchtlingskind in einem Lager in Deutschland geboren, für ihn war es selbstverständlich Gebot und innere Pflicht, selbst zu helfen. Mit seiner Charity-Initiative "Musik hilft", die Instrumentenspenden für Flüchtlinge sammelt und die mittlerweile vom Deutschen Roten Kreuz unterstützt wird, will er auch der Untätigkeit entgegenwirken, zu der die Flüchtlinge, wo immer sie auch untergebracht sind, genötigt sind. "Deutschland, Deutschland, gemütlich lässt du’s krachen, weil deine Waffen und dein Geld Weltbrände mitentfachen" – es sind Textzeilen wie diese, die "Deutschland" zu einem gesellschaftlich relevanten Song machen, die zu Kontroversen anregen; und Textzeilen wie "Jeder gute Deutsche hat sich an dir gerieben, denn so einfach ist es nicht dieses Land zu lieben" beschreiben pointiert das Lebensgefühl in diesem Land. "Mich wundert es, wie relativ wenige Kollegen sich an solche Themen heranwagen", räumt er ein. "Es gibt ganz viele Sänger, die in politischen Talkshows Stellung beziehen, aber in ihrer eigenen Arbeit solche Themen selten abhandeln. Die meisten haben da doch große Berührungsängste."

Das neue Album "Deutschland" ist ab sofort erhältlich

Heinz Rudolf Kunze, nimmermüder und wandelbarer Kulturschaffender Deutschlands, hat seinem Heimatland ein Album gewidmet, das es verdient hat, weite Kreise zu ziehen. Dabei ist es auch der Künstler selbst, der immer wieder überraschend neue Kreise zieht und sich auf immer wieder neue künstlerische Herausforderungen einlässt.

Heinz Rudolf Kunzes neues Album "Deutschland" inkl. der Single "Das Paradies ist hier" ist ab sofort  als Standard-CD, Premium-Buch-Edition, Doppel-Gatefold-Vinyl, MSD-Edition und als Download.

 

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