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Casper

Lang lebe der Tod

01.09.2017

Einfach war es nicht: Beinahe vier Jahre ist es her, dass mit »Hinterland« das bislang letzte Casper-Album erschienen war. Der Nachfolger "Lang lebe der Tod" wurde verschoben, verfeinert und vermutlich auch mal verflucht. Jetzt aber steht fest: Casper hat der vielleicht schwierigsten Phase in seinem Leben ein echtes Großwerk entrissen. Ein Triumph.

Angst – allgegenwärtiges Thema und Inspirationsquelle

Das Schlüsselwort der vergangenen Jahre: Angst. Alle scheinen immerzu Angst zu haben, und so sind natürlich auch nahezu alle gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen dieser Zeit eng mit dem Begriff Angst verknüpft: Angst vor zu vielen Geflüchteten, Angst vor Armut, Angst vor der Digitalisierung, Angst vor dem Alter. Angst vor allem und jedem und davor, dass es nicht immer so sein wird, wie es einmal war.

Das neue und insgesamt vierte Casper-Album, welches am 1. September 2017 erscheint, heißt "Lang lebe der Tod". Und weil die Angst vor dem Sterben die Urangst schlechthin ist, nimmt er die Angst also gleich im Titel auf die Schippe. Dabei hat auch Casper Angst, so wie wir alle. Und zwar vor allem: Angst, dass seine Musik nicht gut genug oder nicht verstanden werden könnte. "Ich frage mich immer, ob mein hoher Anspruch, mit dem ich Musik höre und machen will, einmal scheitern könnte", sagt er. Einen Grund für diese Angst gibt es aktuell keinen, leicht war der Weg dorthin allerdings nicht.

Die Messlatte lag hoch – Album verschoben 

"Lang lebe der Tod" sollte schon einmal erscheinen, vor ziemlich genau einem Jahr. Damals war der Titelsong als erste Single veröffentlicht worden und es war einer der besten Songs dieser Karriere. Ein sequenzergetriebenes Industrial-Rap-Monster, das mit Sizarr, Dagobert und – ein echter Scoop! – Blixa Bargeld genau die richtigen Gäste präsentierte. "Lang lebe der Tod" legte die Latte für das vierte Casper-Album ziemlich hoch und irgendwann stellte er fest: Der Rest ist noch nicht ganz auf dem Niveau.


Zurück ins Studio 

Monatelang hat er sich danach zurückgezogen und gemeinsam mit Markus Ganter, der bereits "Hinterland" produziert hatte, getüftelt und geschrieben, aufgenommen und verworfen, Lines verfeinert und Beats kreiert. Denn eins war klar: Wiederholt werden sollte hier bitte schön gar nichts. Das war zu jeder Zeit die Maxime eines Mannes, der auf seinen bisherigen drei Alben stets neue musikalische Welten kreiert hatte. Inoffizielle Grundregel: Immer wenn die Charts so klingen wie das jeweils letzte Casper-Album, ist er schon wieder ganz woanders.

"Lang lebe der Tod" ist geboren

So ging das mehrere Monate, ehe sich die Dinge im Februar 2017 sortierten und das Album begann, in seiner heutigen Form Gestalt anzunehmen. Mit "Hinterland" hat er das Leben umarmt, den Aufbruch und die Suche. Nun begibt sich Casper in die Dunkelheit und umarmt den Tod, aber natürlich nicht nur das: Der Tod wird bei ihm zu einer Metapher für das Leben, das wir führen. "Lang lebe der Tod" wartet mit zahlreichen musikalischen Überraschungen auf, präsentiert ebenso unerwartete wie sensationelle Feature-Gäste, und vor allem: einen Casper, der sich ein weiteres Mal hinterfragt hat und dabei zu ganz neuen und aufregenden Antworten gekommen ist. Helfende Hände auf diesem Album: Portugal The Man gastieren ebenso wie der alte Freund Ahzumjot auf "Lass sie gehen", Drangsal ist bei der ersten Single "Keine Angst" dabei, abermals Portugal The Man sowie Silkersoft koproduzierten einzelne Passagen und natürlich halfen einige Musiker. 


Kurz & knapp im Überblick

Das Album beginnt, wie es heißt. Geschrieben hat er den Song "Lang lebe der Tod" unter den Eindrücken der jüngsten Anschläge und Amokläufe. "Alles ist erleuchtet" zitiert Warhol und David Foster-Wallace, vereint den alten mit dem neuen Casper, ist ein Instant-Hit mit mächtigen Chören, den man, einmal gehört, nicht mehr vergisst – und endet mit einem markant gesprochenen Outro des kalifornischen Rappers Lil B. Es geht auf diesem Album immer ums Ganze, um Selbstbehauptung, die Schattenseiten des Ruhms, oder – im Wutbürger- und Verschwörungstheoretikersong "Morgellon" – um parallele Existenzen einander verfeindeter Gruppen in den Echokammern des Internets, die voneinander nichts mehr mitbekommen und immer nur das lesen, was sie in ihrer Meinung bestärkt.

Rückblickend lässt sich sagen: Jede Sekunde des Zweifels, des Haderns und der harten Arbeit an diesem Album hat sich gelohnt. Casper hat das Politische im Privaten gefunden und andersrum. Und ohne die dunklen Tage dazwischen hätte er den Zeitgeist vermutlich nicht so genau auf den Punkt erwischt. Eins aber ist ihm wichtig: "Es geht mir nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger Dinge zu denunzieren, sondern ich will diese Orwell-Welt beschreiben, in die wir uns immer mehr bewegen, und sei es mit den Mitteln der Übertreibung."

"Lang lebe der Tod" ist ab sofort erhältlich.

 

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