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Biographie

Ein Interview für eine TV-Station in Reykjavik: ?Willst du ein Rockstar werden?? wird Thorsteinn
Einarsson gefragt. ?Nein?, sagt er entschlossen: ?Ich will eine Legende werden!?
Nicht einmal 13 Jahre war der Island-Österreicher damals alt. Jetzt, sieben Jahre später, ist er auf
dem besten Weg dahin. Okay, vielleicht noch nicht auf dem Weg zur Legende. Das war ja auch nur
ein Zitat, das er sich ?in meiner Arroganz? von Freddie Mercury geliehen hat - klug und effektiv
eingesetzt. Aber was im Kern dahinter steckt, ist Ende 2014 vom Traum zum Plan geworden: ?Ich will
mein Leben damit verbringen, Musik zu machen.? Denn gleich mit der ersten Single ?Leya? konnte
Thorsteinn einen Hit landen. Die nachdenkliche Gitarrenballade über ein drogenkrankes Mädchen
hatte über 400.000 Video-Aufrufe im Internet und rangierte drei Wochen in den Top-Ten der Austro-
Charts.
Bei den Austrian Amadeus Music Awards 2015 wurde Thorsteinn Einarsson, gemeinsam mit Lukas
Hillebrand, Noa Ben-Gur und Alex Pohn, für den Song ?Leya? als Songwriter des Jahres gekürt.
In die Wiege gelegt bekam Thorsteinn das musikalische Talent von seinem Vater, dem Opernsänger
Einar Th. Gudmundsson. Doch es waren nicht Opern, die Thorsteinn als Kind faszinierten. ?Bevor
mein Vater zu singen begann, spielte er in einer Rockband in Island Gitarre?, erzählt er. ?Ich war ein
hyperaktives Kind. Und immer wenn ich aufgedreht war, hat er die Anlage angeworfen, mir weiße
Kopfhörer aufgesetzt und Musik vorgespielt. Das hat mich beruhigt.? Im CD-Player liefen die Beatles
und Coldplay. Am häufigsten aber Queen. Denn die faszinierten den Buben von Anfang an: ?Ich habe
mich angezogen wie Freddie und Konzert-Videos geschaut. Seit ich ,Hungarian Rhapsody: Queen live
in Budapest? das erste Mal sah, wusste ich, ich will Musik machen. Das Band hab ich heute noch. Es
ist total kaputt, weil ich es so oft gespielt habe.?
Als er Queen entdeckte, lebte Thorsteinn mit seiner Familie schon in Salzburg. Denn sein Vater war
zum Gesangsstudium am Mozarteum angenommen worden, als der Junior fünf war. Klassische Musik
war für ihn trotzdem kein Thema. ?Mein einziger Ausflug in die Oper war, als ich einmal in den
Sommerferien als Statist in der ,Zauberflöte? ein Kind von Papageno gespielt habe. Ich habe die
höchste Achtung vor klassischen Musikern. Vor allem vor den Sängern, die ohne Mikrofon über ein
Orchester singen. Aber es ist nicht mein Geschmack. Und mein Papa hat da auch keinen Druck
ausgeübt. Er kaufte mir eine erste kleine Gitarre, als ich noch ein Kleinkind war. Aber ich hatte keinen
Unterricht. Er wollte, dass ich zuerst das Vergnügen daran entdecke. Dass ich eine Liebe dazu
entwickle, war ihm wichtiger als Disziplin.?
Als sich seine Eltern scheiden ließen, zog Thorsteinn mit seiner Mutter zurück nach Island, hatte dort
mit acht Jahren seinen ersten Auftritt bei einer Schulaufführung. Dabei formierte sich auch die erste
Band. Mit zwei Freunden probte der Queen-Fan danach jeden Tag ein paar Stunden, schrieb mit
ihnen bald auch eigene Songs. ?Wir hatten aber nur ein Lied, das halbwegs okay war. In dem ging es
darum, wie wir in einem Baumhaus sitzen, Comic-Hefte lesen und Popcorn essen. Textlich eine
Kinderparty. Aber musikalisch waren da ein paar Wendungen drinnen, die ich heute noch gerne
mag.?
Mit diesem Song (?Wie der heißt, wird ewig ein Geheimnis bleiben?) hatte die Band dann jenen TVAuftritt,
bei dem Thorsteinn Mercurys Legenden-Zitat anbrachte. Ein Engagement, zu dem er nur
kam, weil er eine brenzlige Situation geschickt umkehren konnte. ?Weil es so kalt war, haben wir uns
bei der zweitgrößten TV-Station von Island immer in die Kantine reingeschummelt, denn dort gab es
gratis heißen Kakao. Einmal haben sie mich erwischt, wollten mich rausschmeißen. Ich sagte aber:,Nein, wir haben einen Termin mit dieser Moderatorin, denn wir sind eine Rockband und wollen ins
Fernsehen!? Sie schickten uns zu ihr, und sie sagte natürlich, ihr habt keinen Termin. Ich: ,Na ja, wir
wollen einen ausmachen?. Sie wollte dann ein Demo und hat uns tatsächlich in ihre Show
genommen.?
Auch wenn es dabei - mehr als um den Song - darum ging, dass die frechen Kinder eine gute Story
abgaben, hatte Thorsteinn einen Riesenspaß dabei. Nur, dass man den Bandnamen falsch schrieb,
störte ihn. Squeeze, hieß die Gruppe in der Vision des Trios. Aber das isländische TV machte ?Skvis?
daraus. Ein Jahr mussten die Newcomer damit weiterleben. Bis Thorsteinn Einarsson mit 14 wieder
nach Österreich ging. Sein Vater war inzwischen in Wien an der Volksoper, der Filius wollte etwas
Neues ausprobieren, zog zu ihm in die Donaumetropole. ?Das war nicht leicht, denn in der Schule
war ich ein Außenseiter. Ich kam neu in eine Klasse, wo schon jeder jeden kannte und sich alle
Freundesgruppen gebildet hatten.?
So zog sich Thorsteinn in der Freizeit häufig ins das kleine Heimstudio des Vaters zurück und schrieb
Songs. Trotzdem blieb das Leben in Wien schwierig. Leichter wurde es erst wieder, als die zweite
Frau seines Vaters in Salzburg einen Job als Radiomoderatorin bekam, und die eine Hälfte der
Patchwork-Familie in die Festspielstadt zog. Denn dort begann Thorsteinn eine Lehre als Koch: ?Ich
war im Sommer in Island gewesen, wo mein Stiefvater Koch ist. Außerdem hatte ich den Film
,Ratatouille? mit der kochenden Ratte gesehen und wollte das sofort machen. Denn Musiker zu
werden, war damals nicht realistisch. Außerdem braucht man einen Rettungsschirm, eine
Ausbildung, auf die man zurückgreifen kann, wenn das nicht klappt.?
Gegen Ende der Lehre, die Thorsteinn im renommierten Restaurant des Hotels Brandstätter
absolvierte, meldete ihn ein Freund bei der ORF-Casting-Show ?Die große Chance? an. ?Es war fünf
Uhr früh, wir waren eine Nacht lang unterwegs gewesen und - sagen wir - nicht nüchtern. Mein
Freund sagte, morgen melde ich dich an. Ich: ,Ja, mach nur!? Mir war alles egal, ich wollte nur ins
Bett. Am nächsten Tag hat er mich unter einem französischen Namen als höchst begehrter
Triangelspieler für die Vorauswahl eingeschrieben.?
Drei Wochen später trat Thorsteinn in Linz zum ersten Casting an, kam - trotz 39 Grad Fieber - in die
Show. Schlussendlich wurde er Vierter. Dritter oder Zweiter, sagt er, wäre auch nett gewesen. Nur
siegen wollte er nie. Denn das hätte ihm einen viel zu großen Druck für das Debüt-Album gemacht.
Das schreibt er jetzt zusammen mit Lukas Hillebrand mit all der Zeit, die er dafür braucht. Denn hohe
Ansprüche an die eigenen Songs hat er schon zum Start der Karriere: ?Ich will Texte schreiben, die
etwas Tiefgang haben. So etwas wie, Ich liebe dich, du bist so schön? ist definitiv nicht mein Stil.?
Dafür geht Thorsteinn schon auch mal mühsame Wege. Um ?Leya? zu schreiben, setze er sich zwei
Tage lang auf Null-Diät. ?Lukas und ich hatten das Grundgerüst des Songs. Da war schnell klar, dass
es dabei um ein Mädchen in Not gehen muss. Also habe ich gegoogelt und las, dass es für Süchtige zu
90 Prozent so ist, wie wenn du Hunger hast und nichts zu essen kriegst. Ich dachte, ich will in dem
Charakter sein, wie ein Schauspieler eine Verbindung zu der Figur von Leya finden. Also habe ich
sofort angefangen, nichts mehr zu essen. Zwei Tage später - ich war schon so unendlich hungrig -
habe ich im Zug zurück nach Salzburg in 15 Minuten diesen Text geschrieben.? Die Belohnung: Drei
?Curry Chicken?-Sandwiches aus dem Bordrestaurant.Der Musiker, der stolz darauf ist, ?sowohl in Island als auch in Österreich eine Heimat zu haben?, ist
aber auch nach wie vor von dem mystischen Flair seiner Geburts-Insel beeinflusst: ?Man wird dort
sehr nachdenklich. Auch im Sommer. Da kann man nicht schlafen, weil es die ganze Nacht hell ist,
liegt wach rum, wälzt Gedanken und ist eine halbe Stunde nur im Kopf. Da tauchen natürlich auch
Fragen wie, Was kommt nach dem Tod?? auf.?
Im Winter, in einer Nacht, in der das Polarlicht besonders schön schimmerte, entstand Thorsteinns
zweite Single ?Aurora?. Dabei vergleicht er die farbenprächtigen Himmelsschleier mit einem One-
Night-Stand: ?Polarlichter sind in der Nacht so schön und am Tag wieder weg ? wie manche Frauen.?
Allein diese beiden Songs, sagt Thorsteinn, zeigen schon, wohin er mit seiner Musik will. Auf jeden
Fall handgemacht muss sie sein. Und darüber hinaus etwas vermitteln, das auch noch nachklingt,
wenn der letzte Ton schon verhallt ist. Etwas, das zum Denken anregt und aufgreift, dass ?es da
draußen auch Menschen gibt, die es nicht ganz so gut haben?. Das Wichtigste ist ihm aber: ?Ich will
die Leute mit meinen Songs für drei oder vier Minuten berühren, ihnen Vergnügen bringen und sie
glücklich machen.?

Artikel zu Thorsteinn Einarsson


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