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Biographie

Bei der Entstehung ihres dritten Albums "Scars And Stories" ließen sich The Fray von durchaus unerwarteten Dingen inspirieren. "Wir hatten von Seeleuten aus dem 16. Jahrhundert gelesen, die nach Verlassen ihres Heimathafens tagelang die Orientierung behalten - einen Tages jedoch wachen sie auf und merken, dass sie keine Ahnung mehr haben, wo sie sind", erklärt Isaac Slade, Leadsänger und Pianist des aus Denver stammenden Quartetts. "Die Sterne sind nicht zu sehen, der Wind ist abgeflaut und sie treiben vor sich hin. Doch auf gewisse Art und Weise akzeptieren sie die Verwirrung und das Gefühl der Verlorenheit - denn es bedeutet, dass sie weit genug von zu Hause entfernt waren und irgendwo anders ankommen werden."

Auf "Scars And Stories" kanalisieren Slade, Gitarrist und Sänger Joe King, Gitarrist Dave Welsh und Drummer Ben Wysocki nun also ihre ganz persönliche Konfusion in atemberaubende Songs, die merklich düsterer sind als jene ihrer beiden bisherigen Alben "How To Save A Life" (das 2005 Doppelplatin-Status in den USA erreichte und dessen Titelstück auf dem "Grey's Anatomy"-Soundtrack enthalten war) und "The Fray" aus dem Jahre 2009 (das u.a. die Hitsingle "You Found Me" hervorbrachte).

"Wir spürten, dass wir keinen Schimmer mehr hatten, in welche Richtung wir uns bewegten oder was mit uns passieren würde", erinnert sich Slade. "Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem es für uns normaler war, in Singapur aufzutreten als in einem Vorort von Denver. Das ist einerseits natürlich aufregend, andererseits aber auch sehr nervenaufreibend". Kombiniert man das Chaos des Berühmtseins mit den ganz persönlichen Problemen (die von Slade als "beinahe verheerend" beschrieben werden) so ist es kaum verwunderlich, dass auf "Scars And Stories" eine wesentlich größere Spannung herrscht als auf den Vorgängern.

Doch trotz all der Turbulenzen konnten sich The Fray auch diesmal auf ihr feines Pop-Näschen verlassen, das ihre Art von Stadion-fähiger Rockmusik letzten Endes so unwiderstehlich macht. Bestes Beispiel: die Energie geladene, eingängige Single "Heartbeat". "Der Song entstand in einer Phase meines Lebens, in der ich versuchte, allem offen gegenüber zu sein, was mir das Leben auch beschert", erklärt Slade. "Ich reiste mit einem Kumpel durch Südafrika und Ruanda, und anfangs war es sehr schwer, angesichts des vielen Leids nicht die Augen zu verschließen. Doch letzten Endes traf ich so viele und inspirierende Menschen, dass die Ideen für Melodien und Texte nur so meinen Kopf fluteten".

Derselbe stürmische Geist bestimmt auch die anderen Songs des Albums. Auf "48 To Go" verlegt die Band etwa einen folkigen Klangteppich und erzählt vom "glorreichen Leben" auf Tour, dem Uptempo-Beat von "Turn Me On" folgt das unüberhörbar sexy "Here We Are". Und auf "Rainy Zurich" veredelt King sein hinreißend filigranes Klavierspiel mit elegantem Storytelling und beschert dem Hörer eine gleichsam euphorische wie sanfte Ballade.


Dennoch herrscht auf "Scars And Stories" ein durchgängig düsterer, intensiver Unterton. Der Abschlusstrack "Be Still" erreicht mit seinem gedämpften Gesang und den sparsamen Piano-Akkorden nahezu hymnische Grazie. Auf "The Wind" begleitet ein sanfter Drumbeat Slades Erzählung von einem Seemann, der auf See verloren geht. "Wenn es ums Songwriting geht, dann bin ich eher der Paul-Simon-Typ, der alles immer und immer wieder überdenkt", sagt er. "?The Wind' entstand allerdings ganz schnell und locker, bringt aber dennoch das Gefühl des Verloren-und-dennoch-voller-Hoffnung-seins auf den Punkt".

Ein weiterer Standout-Track auf "Scars And Stories" ist das drängende, allmählich anschwellende "Run For Your Life", dessen schimmernde Gitarrensounds Welchs bemerkenswerten Reifeprozess als Musiker dokumentieren. "Die Gitarren sind auf diesem Album präsenter denn je zuvor", erklärt Slade. "Es entstand fast so etwas wie ein Dialog zwischen Dave und mir, der sich durch die gesamte Platte zieht." Ebenfalls auffällig auf "Run For Your Life" sind die Percussion-Effekte, auf die die Band bei Studio-Experimenten stieß. "Als wir den Song aufnahmen, klaffte in der Mitte irgendwie ein Riesenloch", erinnert sich Slade. "Ich ging eine Weile raus und als ich zurück kam, waren alle am Ausflippen wegen dieses Drumsounds, den Ben und unsere Produzenten mit dem Oldschool-Tape-Delay hinbekommen hatten. Dieses neue, pochende Herz brachte den Song dann ziemlich auf Trab."

Selbst in seinen subtilen Momenten erlebt "Scars And Stories" einen Höhenflug - ein Phänomen, das Slade z.T. auf die Wiederentdeckung von Rocklegenden wie AC/DC und Led Zeppelin durch einige der Bandmitglieder zurückführt. Auch bei der Art und Weise, wie sich Bruce Springsteen und U2 vor den Massen an Zuschauern präsentieren, die zu ihren Konzerten pilgern, beeindruckten die Musiker. "Als ich Springsteen und U2 spielen sah, fiel mir auf, dass selbst die letzte Reihe auf- und absprang - selbst bei den obskursten B-Seiten", erinnert sich Slade. "Diese Jungs sind einfach ?Meister des Stadions', und ich wollte herausfinden, wie man ein solches Level an Energie erzeugen kann." Die gesamte Vorbereitungsphase zu "Scars And Stories" war geprägt von ?Classic Rock'. "Ich hatte eine Phase von fünf oder sechs Monaten, in denen ich jede Menge AC/DC-Songs hörte", sagt er. "Selbst die stillen, kleinen Akustiksongs auf dem neuen Album - sie alle hatten zu Beginn ein gewisses Rock-Hymnen-Feeling."

Im Studio konnten The Fray auf die kompetente Unterstützung von Brendan O'Brien zählen (der Rockproduzent Nummer Eins, der bereits mit Größen wie Springsteen, Pearl Jam und Neil Young, Rage Against The Machine, Incubus und Stone Temple Pilots arbeitete). "Wir lieben die Platten, die er gemacht hat und wir sind mit vielen davon aufgewachsen, es war für uns also eine großartige Kombination", erklärt Slade. Die Band fuhr im Frühling 2011 nach Nashville, um im Blackbird Studio die Arbeiten an "Scars And Stories" zu beginnen. Schnell hatte sich das Quartett an die Dynamik des O'Brien'schen Aufnahmeprozesses gewöhnt. "Er arbeitet sehr effizient, man hat nicht die Möglichkeit, viel auszuschmücken. Es geht ihm in erster Linie darum, eine Eigendynamik aufzubauen und sich so schnell zu bewegen, dass man seine eigenen Instinkte nicht in Frage stellt", sagt Slade. "Das hatte zur Folge, dass wir als Musiker enorm reifen konnten. Davor tendierten wir eher dazu, uns immer ein zweites und drittes Mal zu hinterfragen."

Aber auch der Ort Nashville trug seinen Teil zur dunklen Stimmung des Albums bei. "Es herrscht dort irgendwie ein ungutes Verhältnis zwischen dem Himmel und der Erde", erklärt Slade. "Jedes Mal, wenn es regnet, werden die Menschen nervös, weil sie sich an die Flut erinnern und die ganzen Zerstörungen, die sie angerichtet hat". Eines Nachmittags, als die Band im Blackbird arbeitete, zog ein Sturm über der Stadt zusammen, komplett mit Blitz und Hagel, so dass die Aufnahmen unterbrochen werden mussten. "Wir machten eine Pause und gingen ein Weile hinaus, um die Schönheit und den Schrecken in uns aufzusaugen", erinnert sich Slade. "Ich glaube, diese Stürme haben sich danach mit uns ins Studio geschlichen."

Die Bereitschaft, sowohl die Schönheit als auch den Schrecken zuzulassen, bedeutet einen signifikanten Schritt für The Fray. Die Band hatte sich 2002 formiert, nachdem sich die Highschool-Freunde Slade und King in einem Gitarrenladen über den Weg gelaufen waren. Die Aufnahmen zu "Scars And Stories" bescherte ihnen den größten Fortschritt in ihrer bisherigen Karriere, sowohl in textlicher als auch musikalischer Hinsicht. "Auf unserem ersten Album hatten wir kein Vertrauen in uns selbst", sagt er. "Beim zweiten Album wurden wir zwar lockerer, aber wir waren trotzdem noch gehemmt. Doch diesmal machten wir Nägel mit Köpfen". Während der neue Mut teilweise durch die harten Zeiten befeuert wurde, die die einzelnen Bandmitglieder durchlebten, ermutigt Slade auch die Ausdauer, die die Band an den Tag legt. "Es bricht einem das Herz, wenn man zusehen muss, wie einige Dinge in unseren Leben einfach so in sich zusammenfallen, auf der anderen Seite steckt auch etwas sehr Kraftvolles in dem Gefühl, nichts mehr zu verlieren zu haben", sagt er. "Wir haben so viel durchgemacht und stehen immer noch aufrecht, und das standhafter als je zuvor."

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