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Biographie

Ob vor den Kulissen der imposanten Gebirgszüge von Yorkshire oder in der Abgelegenheit der texanischen Wüste: The Chevin sind eine Band, die mit den Wundern der Natur in Einklang steht. Die Band wuchs mit dem phänomenalen Blick auf das endlose Moorland zwischen York und Leeds auf, dessen ganze Pracht von einem Hügel oberhalb ihrer Heimatstadt Otley aus zu sehen ist - von der mystischen Erhebung aus, deren Namen sie als Band angenommen haben. Instinktiv war es ihnen so wohl vorherbestimmt, das Naturwunder in ihrer Musik nachzubilden.

"Otley liegt in einem Tal in Wharfdale und der Hügel auf der einen Seite des Tals nennt sich ?The Chevin'", erklärt Sänger und Songwriter Coyle Girelli. "Mir gefällt die Romantik darin, uns nach etwas zu benennen, das so heimisch und persönlich ist und zugleich das Gefühl heraufbeschwört, am Rande einer Bergkuppe oder einer Klippe zu stehen und in die Ferne zu schauen. Wenn du auf die Hügel steigst, kannst du auf der einen Seite bis nach York sehen und auf der anderen Seite siehst du nichts als Natur soweit das Auge reicht. Wenn du schreibst ohne dich selbst zu verstellen, dann wirst du unmittelbar von deiner Umgebung beeinflusst und da wir in einer Gegend mit so einer weitreichenden Landschaft aufgewachsen sind, vermitteln wir ganz natürlich auch diese Art von Gefühl."

Während sich Coyle als Nirvana-, Oasis- und Beatles-begeisterter Teenager in der kleinen Marktstadt Otley herumtrieb, immer im Schatten des Chevin, lief der Soundtrack zu seinem Leben ununterbrochen in seinem Kopf ab. "Beim Spielen sang ich mir ständig selbst etwas vor, zu allem, was ich tat, gab es die passende Musik. Vermutlich ergab sich die Richtung für mich so ganz natürlich. Seit ich denken kann, schrieb ich immer Melodien und Texte, ohne es zu merken. Als ich Nirvana hörte, spürte ich zum ersten Mal den Wunsch, in einer Band zu sein. Mein allererstes Album war ?In Utero' und ich erinnere mich, wie ich es immer wieder hörte. Nirvana haben vielen Teenagern etwas bedeutet, aber zu mir haben sie ganz persönlich gesprochen. Ich war schon vorher von anderer Musik begeistert gewesen, aber das war das erste Mal, dass mich etwas so tief berührte. Danach kaufte ich ?Nevermind' und ich war wie besessen. Ich wollte unbedingt in einer Band spielen, weil ich wirklich tief in die Musik eingetaucht war und angefangen hatte, die Songs und Texte zu analysieren."

Überraschenderweise entpuppte sich Otley als fruchtbarer Boden für angehende Rockgrößen mit einer Vorliebe für die 90er. Im Alter von 12 begannen Coyle und sein Schulfreund, Gitarrist Mat Steel, zu schreiben und in einer ganzen Reihe von Bands zu spielen. Schließlich schafften sie es so, in der äußerst lebendigen Musikszene von Leeds Fuß zu fassen. Aber erst Anfang 2010, als Coyle, Mat und ihr Stammbassist Jon Langford zufällig auf den ebenfalls aus Otley stammenden Schlagzeuger Mal Taylor trafen, hatte Coyle das Gefühl, dass die Band bereit war. Bereit dazu, die Songs für das Album aufzunehmen, das er schon ewig für den großen Moment vorbereitet hatte. Große Rocksongs mit der Kraft und dem Knistern der frühen U2, von The Killers und Coldplay, vermischt mit dem Eigensinn von Band Of Horses oder Arcade Fire. Schnelle, beschwingte Nummern wie ?Champion' oder ?Blue Eyes', die die heiße Wüstenluft zerschneiden können; klaviergetragene Loblieder an die Wunder der Natur wie ?Beautiful World'; mitreißende Rocksongs wie ?Drive' (hier phantasiert ein leidender Coyle vom physischen und emotionalen Aufprall); Synthesizer-dominierte Discohits wie ?Colours' und Klagelieder über verworrene Beziehungen wie ?Dirty Little Secret' und ?Love Is Just A Game' (über schmutzige Affären und jugendliche Promiskuität). Songs, die von Stil und Substanz zeugen, mal aufsässig, mal sich-geschlagen-gebend - das Spiegelbild von Coyles Geisteszustand zu dieser Zeit.

"Die letzten paar Jahre haben einige Trennungen mit sich gebracht und einige enge Freunde und Familienmitglieder sind verstorben", sagt Coyle. "Die gesamte Zeit, in der das Album entstand, war voll von Verlusten. ?So Long Summer' ist toll als letztes Stück auf dem Album, da es alles sehr gut auf den Punkt bringt. Was den Text betrifft, fasst der Song das ganze Album zusammen - melodisch ist es ziemlich fröhlich, aber der Unterton ist durchgehend traurig. Diese Songs waren für mich persönlich sehr heilsam, und ich hoffe, dass sie es auch für andere Menschen sind."

Für die Demoaufnahmen des gesamten Albums (mit denen die Band so zufrieden war, dass sie viele der Keyboard-Originalaufnahmen für das fertige Album verwendete) ging es in Coyles Heimstudio. Statt auf der Bühne, konzentrierte sich die Band darauf, ihre Songs im Proberaum zu perfektionieren. Man entschied sich für die immer beliebter werdende Option der Selbstfinanzierung des Debütalbums und wandte sich im Frühjahr 2011 schließlich an den Produzenten Noah Shain aus Los Angeles, der für sie ein Studio suchen sollte, das so dramatisch und abgelegen war, wie es ihre Herkunft und ihre Musik erforderten.

"Ich wollte einen Platz im Wald finden, oder irgendwo, wo wir fern von jeder Ablenkung oder äußeren Einflüssen dreieinhalb Wochen verbringen konnten", sagt Coyle. "Er fand diesen Ort in der Wüste von El Paso im Süden von Texas. Die Geschichte der Ranch ist ziemlich abgefahren, sie liegt direkt an der mexikanischen Grenze und hat eine Vergangenheit im Waffen- und Drogenhandel, aber jetzt verdienen sie dort ihr Geld mit dem Anbau von Pekannüssen, das sie dann wieder in unglaubliche Vintage-Ausrüstung stecken. Aus dem alten Ranchgebäude haben sie ein Studio gemacht und dort gibt es alles, was man sich wünschen kann. Alte Gitarren, Mandolinen, Mini-Klaviere, einfach alles. Wir konnten uns dort komplett verlieren, mitten in der Wüste, fast einen Monat lang. Die Erfahrung war ganz schön bewusstseinsverändernd, auf verschiedene Arten, vielleicht hat sie sogar unseren Sound ein wenig erweitert. Wenn du die Tür aufmachtest, konntest du nichts als Wüste sehen. Es war total krank. Als wir ein wenig freie Zeit hatten, kam der Besitzer der Ranch rüber und brachte uns dazu, Waffen in der Wüste abzufeuern, damit wir uns wie echte Texaner fühlen."

Zwischen den Schüssen auf Kakteen gelang es The Chevin, dreizehn Songs aufzunehmen. Unablässig arbeiteten sie daran, den perfekten Peter-Gabriel-Schlagzeug-Sound für den Song ?Dirty Little Secret' zu finden. Außerdem lockten sie Musiker des Philharmonie-Orchesters von El Paso auf ihre Ranch um Streicher zum bombastischen Popstück ?Champion' hinzuzufügen, das so immer neue Ausmaße annahm und im Oktober als Titelsong auf ihrer ersten EP erschien.

Mit Borderland ist The Chevin ein sehr sattes, ambitioniertes Album gelungen, das zu einem Revival von durchproduzierter Rockmusik führen könnte. "Vom Klang her ist es sehr vielschichtig", erklärt Coyle. "Und das ist etwas, das im Laufe des letzten Jahres wieder mehr und mehr zum Trend geworden ist, und das ist gut. Vielleicht ist es die Reaktion darauf, dass es so einfach geworden ist, Musik auf dem Computer im Schlafzimmer zu machen. Es ist toll, dass in letzter Zeit so viel Musik erschienen ist, bei der man hören kann, dass sie im Studio aufgenommen wurde und dass Bestandteile live eingespielt wurden, und dass echte Gedanken in den Sound eingeflossen sind und nicht nur Software."

Und das Album erhielt die verdiente Aufmerksamkeit. Das Label Fierce Panda hörte es, bot der Band einen Plattenvertrag an und veröffentlichte zunächst die euphorisch gefeierte ?Champion EP'; Stateside Showcase Gigs in den USA hörten es und stellten der Band ein amerikanisches Team zur Seite, The Airborne Toxic Event hörten es und nahmen The Chevin mit auf eine vierwöchige Tour durch Großbritannien; The Pigeon Detectives hörten es und boten ihnen eine Europatour mit 16 Konzerten Anfang 2012 im gemeinsamen Tourbus an. Und White Lies hörten es, fingen The Chevin Ende 2011 bei deren eigener UK-Tour ab und luden sie ein, als Vorband bei ihrer Winter-Stadiontour dabei zu sein - mit einem krönenden Abschluss in der Wembley Arena: "Eine unglaubliche Erfahrung. Es war krass. Als wir auf der Bühne standen und die Arena ziemlich gut gefüllt war, wurde die Show zu einem meiner Lieblingsauftritte aller Zeiten. Als Support-Band ist es schon toll, aber als Hauptact ist es sicherlich noch besser. Das steht auf jeden Fall noch auf unserer Liste".

Und so konnten The Chevin noch vor ihrem sensationellen Auftritt beim SXSW-Festival 2012 sehen, was die Zukunft für sie bereithielt. Was noch zu tun blieb, war ihr Debütalbum fertigzustellen und einen letzten Track hinzuzufügen: das schimmernde, kraftvolle, von Orgeln dominierte Herz- und Titelstück ?Borderland', ein an Arcade Fire erinnerndes Epos, das sie zwar erst Anfang 2012 in Shains Studio in LA aufgenommen haben, das aber dennoch den Geist der Zeit in El Paso in sich trägt, in der Coyle seinen inneren Springsteen/Morricone entdeckte.

"Das Studio liegt tatsächlich genau an der Grenze zwischen den USA und Mexiko", sagt er. "Wenn du fünf Minuten gehst, stößt du auf den großen schwarzen Zaun, den Cheney vor ein paar Jahren hat bauen lassen. Der Song lässt sich auf unterschiedliche Weisen deuten. Als ich ihn schrieb, ging es ein wenig um den Krieg an der Grenze, den fast schon moralischen Krieg, der dort und an vielen anderen Grenzen der Welt ausgetragen wird, aber unterbewusst ging es auch darum, eine Lebensphase hinter sich zu lassen und wieder aufzuerstehen".

Nach der Single ?Champion' wird das Album ?Borderland' im Oktober auf den Markt kommen und The Chevin werden eine weitere Grenze durchbrechen: die zwischen lokalen Helden und globalen Superstars.

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