Skip to main content

Biographie

Er war der bekannteste Bluesmusiker Deutschlands, der 1947 in München geborene Stefan Diestelmann verließ die Bühne am 27. März 2007 unwiederbringlich, er starb in seiner Wahlheimat Tutzing direkt vor den Toren seiner Geburtsstadt.
Dazwischen allerdings liegt ein bewegtes Leben mit Frust, Ruhm, Knast, Flucht und Rückzug ins Privatleben. Er spielte mit Größen wie Louisiana Red, Memphis Slim oder Alexis Korner, tourte durch Polen oder Ungarn und war er ein Hallenfüller in der DDR. Allein sein Mundharmonika-Inferno "Reichsbahn-Blues" hat in den 80ern eine Heerschar von DDR Teenagern versucht nachzuspielen. Der Staat hingegen warf ihm vor, "so einen wie in >Der Alte und die Kneipe<, den gibt es in der DDR gar nicht" und er bezöge eine bedenkliche Stellung zu Fragen des Lebens in der DDR. Zu seiner Genugtuung wird der Song trotzdem der Hits des Jahres.

Die DDR bestimmt sein Schicksal, erst 1961 mit 12 durch das Engagement der Eltern bei der DEFA spät umgesiedelt kannte er das Leben im Westen und war in der neuen Umgebung schnell "der kleine Klassenfeind" der erkannte wenn im Unterricht Tatsachen durch Propaganda ersetzt wurden. Das machte ihn zum Außenseiter der in der Blues Musik seinen Kummer wiedererkannte. Autodidaktisch lernte er von den Vorbildern auf seiner geschenkten Gitarre zu spielen was er hörte bis er schließlich vom Hobbymusiker zum Top Blueser der Republik aufstieg. Zusammen mit Engerling, Jürgen Kerth und Hansi Biebl gehörte Diestelmann zur Speerspitze der DDR Bluesgarde. Dabei war seine Karriere relativ kurz, denn sein hadern mit der politischen Führung brachte ihn beständig in Konflikt mit Polizei, Partei und Kulturbehörde, die darüber entschied, ob jemand eine Schallplatte aufnehmen durfte oder die Genehmigung für Auftritte erhielt oder nicht. Wegen Staatsverleumdung sperrte ihn die Polizei für zwei Jahre ins Gefängnis, die lokalen Kulturbehörden wiederum belegten Diestelmann in sieben Bezirken mit Auftrittsverbot. Trotz der sehr erfolgreichen LPs "Folk Blues Band" und "Hofmusik" gab es schließlich keine Rundfunkeinsätze mehr und auch ins Fernsehen wurde er nicht mehr eingeladen, so daß Diestelmann 1984 grad' als die Produktion der dritten LP "Folk, Blues & Boogie" abgeschlossen war, nach einem Konzert in Hildesheim nicht mehr in die DDR zurück kehrte. Daraufhin wurde die bereits produzierte LP, die schon in LKWs zur Auslieferung in den Handel verladen war, wieder ausgeladen und vernichtet. Die wenigen Exemplare, die vereinzelt von den beteiligten Arbeitern "gesichert" wurden sind heute gesuchte Sammlerstücke. Die MC hingegen wurde bereits kurze Zeit vorher an den Handel ausgeliefert und so ist das letzte DDR Album Diestelmanns ausschließlich in der Erstauflage der MC erhältlich gewesen.

Nach der "Republikflucht" hat er in der BRD nicht wieder an seine Erfolge der DDR anknüpfen können, aber dennoch zwei bemerkenswerte LPs eingespielt, gleich 1985 das mitreißende "Live" Album, aufgezeichnet in einem kleinen Club in der neuen Heimat München-Giesing und knapp 10 Jahre später das Album "Mylights", nach dem er sich dann ganz aus der Musikszene zurück zog.

Alle fünf Meisterwerke sind zum 25.03.2016 erstmals zusammen als CD in der "Original Album Classics" Box als LP-Replika Nachbildungen erhältlich und setzen dem großem Musiker ein hörbares Denkmal.

Newsletter

DEMO