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Biographie

Prolog
An der Freude des Menschen am Schönen haben stets Geist und Sinne in gleichem Maße teil, und solange Menschen fähig sind, sich mitten in den Drangsalen und Gefährdungen ihres Lebens solcher Dinge zu freuen: eines Farbenspieles in der Natur oder im gemalten Bilde, eines Anrufes in den Stimmen der Stürme und des Meeres oder einer von Menschen gemachten Musik, solange ihnen hinter der Oberfläche der Interessen und Nöte die Welt als Ganzes sichtbar oder fühlbar werden kann, worin vom Kopfdrehen einer spielenden jungen Katze bis zum Variationenspiel einer Sonate, vom rührenden Blick eines Hundes bis zur Tragödie eines Dichters ein Zusammenhang, ein tausendfältiger Reichtum an Beziehungen, Entsprechungen, Analogien und Spiegelungen besteht, aus deren ewig fließender Sprache den Hörern Freude und Weisheit, Spaß und Rührung zuteil wird - solange wird der Mensch seiner Fragwürdigkeiten immer wieder Herr werden und seinem Dasein immer wieder Sinn zuschreiben können, denn der "Sinn" ist ja eben jene Einheit des Vielfältigen, oder doch jene Fähigkeit des Geistes, den Wirrwarr der Welt als Einheit und Harmonie zu ahnen.

Hermann Hesse
Aus Glück

"...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..."
Nach sechs Jahren intensiver Beschäftigung mit der Poesie Rainer Maria Rilkes, überaus erfolgreichen CDs, einer unvergesslichen Tournee durch Deutschland und dem "Ritterschlag", dem Internationalen Buchpreis CORINE 2004 für das beste Hörbuch, war es so weit. Wir waren bereit, uns einer neuen Aufgabe zu widmen. Leicht fiel es uns nicht, "unseren" lieb gewonnenen Rilke zu "verlassen" und eine neue Herausforderung anzunehmen. Schön war die Zeit, in der uns Rilkes Gedichte durch den Tag begleiteten, stellte doch die Arbeit am Rilke Projekt im privaten und beruflichen Leben für uns neue Weichen. Wer sollte also unser "neuer" Dichter sein? Wer, nicht vergleichbar und doch von dieser packenden Intensität? Wer, gleichermaßen berührend und doch eine andere Sprache sprechend? Wer, musikalisch so inspirierend, dass daraus ein neues einzigartiges Projekt entstehen könnte? Die Antwort war schnell gefunden: Hermann Hesse.

"Tat twam asi - Das bist Du"
Die Jugendjahre, die Zeiten der Sinnsuche und Orientierung, sind fest verbunden mit Hesses Werk. Siddhartha, Demian, Narziß und Goldmund, Der Steppenwolf wurden Kraftquellen, gaben Rückendeckung. Hesses gelebtes Weltbürgertum, seine Authentizität, sein übernationales Denken zeigten wie ein Lichtstrahl auf eine neue, bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Sichtweise des Lebens. Hesse beobachtete die Welt und ihre Erscheinungen mit scharfem Verstand, hinterfragte bestehende Strukturen des Miteinanders der Gesellschaft und forderte somit auf, die eigenen Sinne zu schärfen, hinter die Kulissen zu schauen, Sinn und Geschmack für das Verbindende zu entwickeln - kurzum, er ermunterte, die "Eigenart" zu entdecken und zu kultivieren, seinen eigenen Platz im Gefüge zu finden und sich doch als verantwortlicher Teil eines Ganzen zu begreifen. In einer Zeit geprägt von Oberflächlichkeit, Überinformation und Konsumseligkeit sicher ein Weg, der lohnt, wiederentdeckt zu werden.

"...Und wo sich Wort und Ton gesellt..."
Wir legten sodann fest, wohin die musikalische Reise gehen sollte. Stilistisch verlangte die klare, manchmal strenge schnörkellose Sprache Hesses akzentuierte, sparsame Arrangements. Gleichzeitig findet man in seinem Werk diese einzigartige Verbindung von östlicher Spiritualität und abendländischer Aktivität. Die Idee war also, die Verbindung von Orient und Okzident hörbar zu machen, ohne den Worten Hesses den Raum für ihre Entfaltung zu nehmen. Die Kombination von klassischem Streichorchester und Elementen aus der Musik anderer Kulturen mit ihrer Klangvielfalt sollte somit ein wichtiger Bestandteil bei der Umsetzung werden. Die Zeitlosigkeit und Aktualität seines Gedankenguts, das Völkerverbindende, der Mensch in all seinen Facetten jenseits von Herkunft und Religion waren zentraler Ausgangspunkt in der Auswahl der Texte und der Arbeit an der Musik.

"...Wo Lied erklingt, Kunst sich entfaltet..."
Wir hatten mit dem Rilke Projekt viel Erfahrung sammeln können und doch stellten wir fest, dass wir mit der Arbeit am Hesse Projekt unerwartete Dimensionen hinsichtlich des Zeitaufwandes und der Logistik kennen lernen sollten. Wir korrespondierten über Monate mit Künstlern aus Deutschland, den USA, England, Polen, Indien, Nepal, Australien, Österreich und der Schweiz, reisten mit Kamerateam und Fotograf quer durch Deutschland und in die Schweiz, von Studio zu Studio, wo die Aufnahmen mit den verschiedenen Interpreten und Musikern stattfanden, und setzten so Steinchen für Steinchen zusammen, um das Bild, das uns vorschwebte, zu realisieren.

Ani Choying Drolma, deren überirdischen Gesang wir zufällig in der TV-Sendung "Kulturzeit" hörten, und die wir auf wundersame Weise drei Tage später im Studio aufnahmen, bildete den Anfang einer spannenden, manchmal bis an die Grenzen der Belastbarkeit gehenden, aber immer "Wunder-vollen" Produktion. Es war für uns eine große Freude mitzuerleben, mit welchem Respekt und welcher Sorgfalt und Sensibilität die Interpreten/innen sich den Texten Hesses näherten. Das Vertrauen, das wir von allen Mitwirkenden erfahren durften, und die Unterstützung aller am Projekt Beteiligten machten für uns die Produktion, die insgesamt zwei Jahre dauern sollte, zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Das Ergebnis ist nun hörbar.

In der Hoffnung, Sie verzaubern zu können
herzlich
Angelica Fleer und Richard Schönherz

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