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Biographie

Roy Orbison wurde am 23. April 1936 um 15.30 Uhr in Vernon, Texas, geboren. Er war das zweite Kind von Nadine und Orbie Lee, einer Krankenschwester und eines einfachen Arbeiters. Zu seinem sechsten Geburtstag wünschte sich Roy eine Mundharmonika, bekam aber stattdessen eine Gitarre (ein Geschenk, das sich als Segen für die Musikgeschichte erweisen sollte!). Die Brüder seiner Eltern - Orbie Lee und Kenneth Schultz waren die ersten, die ihm den Umgang mit dem Instrument beibrachten. Mit Clois Russell, einem Nachbarn und Arbeitskollegen des Vaters, traf man sich zum gemeinsamen Jammen. Der erste Song, den Roy Orbison spielen konnte, war der Klassiker "You Are My Sunshine". Er lernte sehr schnell, es war schließlich eine gute Möglichkeit, länger aufzubleiben und mit den Erwachsenen Musik zu machen. Die Orbisons zogen 1942 nach Forth Worth um. Dort fanden sie eine Anstellung in den Munitions- und Flugzeugfabriken, die ihre Produktion nach dem Kriegseintritt der USA ausgeweitet hatten. Als 1944 eine Polio-Epidemie ausbrach, wurden Roy und sein älterer Bruder Grady nach Vernon zur Großmutter mütterlicherseits geschickt. Noch im gleichen Jahr schrieb Roy dort seinen ersten Song: "A Vow Of Love".
1945 gewann er einen Wettbewerb des Senders KVWC in Vernon. Er bekam daraufhin seine erste eigene Radiosendung, wo er jeden Samstag die gleichen Songs vortrug. 1946 besuchte eine Medicine Show (eine Art Wanderzirkus, zu dessen Programm auch der Verkauf medizinischer Wundermittel zählte) die Stadt, die zu einem Talentwettbewerb aufrief. Auch hier war Roy erfolgreich: Mit den Songs "Mountain Dew" und "Jole Blon", holte er den ersten Platz und teilte sich die 15 Dollar Siegprämie mit einem Kumpel, der seine Gitarre getragen hatte. Nach Kriegsende traf die Familie Orbison wieder in Vernon zusammen. Von dort zog man Ende 1946 nach Wink im Bundesstaat Texas. 1949 gründete er mit nur 13 Jahren seine erste Band - die Wink Westeners. 1951 war Roy bereits regelmäßig auf Radio KERB in Kermit zu hören. 1953 bekamen die Wink Westeners auf diesem Sender ihre eigene Show, die von ortsansässigen Geschäftsleuten gesponsert wurde. Auch beim "KERB Jamboree", das Samstagnachmittag ausgestrahlt wurde und lokalen Country &Western-Bands ein Podium bot, zählte Roys Band häufig zu den Gästen. Der erste Liveauftritt der Combo fand während einer Schulveranstaltung statt, ihr Repertoire bestand aus den Stücken "Kaw-liga", "Mexican Joe", "Caribbean" oder "Under the Double Eagle". Die Wink Westerners waren aber keine reine Country-Band, sie begannen, Streicherarrangements für Big-Band-Standards wie "In The Mood" oder "Little Brown Jug" und für Popsongs zu schreiben. Im Sommer arbeitete Roy für die Gemeinde, wo er Teer schaufelte oder auf den Ölfeldern als Hilfsarbeiter schuftete. Er war Mitglied in einer Blaskapelle und in einer achtköpfigen A-Capella-Gruppe und versuchte sich ab und zu am Baritonhorn. Sogar für den Sport war in seinem Terminkalender noch Platz, und so wurde Roy 1952 Manager des "Kitten's Football Team", einer Mannschaft der Wink High School. Bei einem der Gigs der Wink Westerners im McCamey Lions Club machte jemand der Band ein gutes Angebot als bezahlte Tanzkapelle. Mit diesem Job konnten die Westerners genau so viel verdienen wie mit einer Woche harter körperlicher Arbeit, also sagten sie zu, obwohl sie nur vier oder fünf Songs im Repertoire hatten. Die Jungs übten so schnell wie möglich neue Stücke ein und traten ihren Traumjob an. 1953 folgten die Westeners R.A. Lipscombs Einladung, ihn auf seinen Wahlveranstaltungen zu begleiten. Lipscomb kandidierte für das Präsidentenamt des Lions Club und so spielte die Combo vom 3. bis zum 11. Juli auf der 36. Internationalen Hauptversammlung des Lions Club in Chicago. Roy und seine Musiker waren im Conrad Hilton untergebracht und traten dort in der Lobby auf. Nach seinem High-School-Abschluss im Jahr 1954 schrieb sich Roy für das Herbstsemester im North Texas State College in Denton ein, kam Weihnachten wieder nach Hause und trat mit den Wink Westerners auf der alljährlichen Silvesterparty auf. Wade Lee Moore and Dick Penner waren zwei Freunde, die Roy auf dem College kennen gelernt hatte. Die beiden hatten einen Song geschrieben, den sie den "Ooby Dooby" nannten. Penner organisierte einen Studiotermin in Jim Becks Studio am Stadtrand von Dallas, Texas. Der Studiobesitzer hatte schon Stars wie Lefty Frizzell oder Marty Robbins für Columbia Records entdeckt, also rechneten sich die Jungs einiges aus. Vielleicht stand ja der große Durchbruch bevor? Zwei Songs wurden im Sommer 1955 während der Studio-Session eingespielt: "Ooby Dooby" und "Hey, Miss Fannie", das Roy Orbison und James Morrow wohl im Duett eingesungen haben. Zum erträumten Plattenvertrag bei Columbia kam es allerdings nicht. Man kehrte nach den Aufnahmen nach West Texas zurück. Trotzdem blieben die Wink Westerners als Band aktiv. Wenn sie nicht gerade in ortsansässigen Clubs spielten, dann traten sie in Jal, New Mexico, im "Saturday Night Jamboree" auf und hatten zu dieser Zeit sogar ihren ersten Fernsehauftritt: zusammen mit anderen lokalen Bands konnte man sie in einer Show am Samstagnachmittag auf KMID-TV (einem Sender aus Midland, Texas) bewundern. Im festen Repertoire der Westerners waren mittlerweile auch ein paar Rock'n'Roll-Nummern wie "That's All Right Mama", "Rock Around The Clock" und natürlich der "Ooby Dooby". Die Songs waren ein Riesenerfolg und so bekam die Band auf KMID bald ihre eigene 30-minütige Show. Orbison schrieb sich im Herbst 1955 am Odessa Junior College ein, um Geologie zu studieren. Er wechselte allerdings die Fächer und wandte sich Englisch und Geschichte zu. Die Wink Westerners bezogen damals gemeinsam ein Haus in der Walnut Street in Odessa. Neue Bandmitglieder waren hinzugekommen und man benannte sich in "The Teen Kings" um, weil dieser Name besser zu ihrem neuen Repertoire passte, das deutlich Rock'n'Roll-lastiger geworden war. Die Teen Kings bekamen eine eigene Show auf dem lokalen TV-Sender KOSA-TV in Odessa, die am Samstagnachmittag zwischen 16.30 Uhr und 17 Uhr ausgestrahlt wurde. Damals machten gerade Johnny Cash und Elvis Presley Station in der Stadt und gaben sich bei Roys TV-Show die Ehre. Er nutzte die Gelegenheit und bat Johnny Cash um ein paar Tipps, wie er einen Plattenvertrag ergattern könnte. Cash gab ihm die Telefonnummer von Sam Phillips, der in Memphis das legendäre Sun Records Label betrieb, doch der erste Anruf war ein Reinfall. Phillips sagte nur: "Ich bin der Chef meiner Plattenfirma und nicht Mister Cash" und legte einfach wieder auf. Der erste Vertrag ließ dennoch nicht lange auf sich warten. Der ortsansässige Unternehmer Weldon Rogers und sein Kompagnon Chester C.C. Oliver hatten gerade ihr eigenes Label "Je-Wel" gegründet und wollten Roys Band unbedingt aufnehmen. Roy wollte sich die Chance keinesfalls entgehen lassen und man buchte in Windeseile einen Termin im Norman Petty Studio in Clovis, New Mexico. Roy und die Teen Kings nahmen dort zwei Songs auf. Das Clovers-Cover "Trying to Get to You" und den "Ooby Dooby". Die Single wurde zwei Wochen später, am 19. März 1956, veröffentlicht. Am selben Tag spielte Roy die Songs Cecil "Poppa" Hollifield, einem bekannten Plattenhändler aus Odessa, Texas vor. Hollifield gefiel die Single, die er am Telefon einem seiner Kontaktmänner in Memphis präsentierte. Der Mann am anderen Ende der Leitung bat um eine Kopie der Single. Wie es der Zufall wollte, handelte es sich bei besagtem Gesprächspartner um Sam Phillips und schon ein paar Tage später erhielt Roy einen Anruf von "Poppa", der ihm eröffnete, dass die Teen Kings für Sun Records drei Stücke einspielen sollten. Die Band kam am 26. März 1956 in Memphis an, am nächsten Tag waren neue Aufnahmen von "Ooby Dooby", "Trying to Get to You" and "Go Go Go (Down the Line)" im Kasten. Roy und die Teen-Kings untereichneten einen Booking- und Management-Vertrag bei Bob Neal, dem Inhaber von Starts Inc. und starteten sofort einen Tournee-Probelauf. Sie spielten in Autokinos und Lichtspielhäusern in den Pausen zwischen den Vorführungen. Aber sie sammelten auch Erfahrung in den Shows von Top-Stars wie Carl Perkins, Johnny Cash, Warren Smith, Sonny Burgess, Faron Young, Johnny Horton und Jerry Lee Lewis. "Ooby Dooby" kam im Juni 1956 in die Charts, allerdings floppten die nächsten "Sun"-Singles. Die Teen Kings lösten sich auf und Roy, dessen Talent als Songwriter immer mehr zur Geltung kam, spielte die weiteren Songs mit Studiomusikern ein. Er blieb bis 1958 bei "Sun" unter Vertrag. Bob Neal bot Roy einen Auftritt in der Show der Everly Brothers in Hammond, Indiana, an. Das war im März 1958 und die Everlys erkundigten sich bei dieser Gelegenheit, ob Roy einen Song für ihre nächste Single beisteuern könnte. Er sang ihnen seine neueste Komposition "Claudette" vor und notierte den Text auf dem Deckel eines Schuhkartons. Wesley Rose vom Musikverlag Acuff Rose nahm Roy bald darauf unter Vertrag und sorgte auch dafür, dass er bei RCA Victor gesignt wurde, wo es kurzzeitig zu einer Zusammenarbeit mit Chet Atkins kam.Die Everly Brothers veröffentlichten "Claudette" im März 1958 als B-Seite ihrer Single "All I Have To Do Is Dream". Die A-Seite wurde ein Nummer-Eins-Hit, "Claudette" schaffte es auf Platz 30 der Charts. Roys Songs waren mittlerweile bei vielen Rock'n'Roll- und Country-Stars begehrte Fremdkompositionen, Buddy Holly, Jerry Lee Lewis, Rick Nelson, Warren Smith, Johnny Cash und viele andere hatten sich seine Songwriting-Dienste gesichert. 1959 lief Orbisons Vertrag bei RCA aus, doch kurz darauf hatte Roy mit dem neu gegründeten Label Monument Records einen neuen Arbeitgeber. Roy kehrte nach Texas zurück und tat sich mit Joe Melson zusammen. Nach einem holprigen Start veröffentlichten die beiden 1959 den Song "Uptown". Er wurde zum bis dato größten Erfolg Orbisons seit dem "Ooby Dooby" und schaffte es auf einen guten Mittelfeldplatz der Charts. Der Orbison-Sound hatte sich verändert: statt die traditionelle Fiddle zu verwenden, setzte Roy nun auf Streicherarrangements. In Nashville hatte man so etwas noch nicht oft gehört. Roys dritte Single für Monument war "Only The Lonely", der Song, mit dem Roy erstmalig bewies, welch enormes Potential in seiner unvergleichlichen Stimme steckte. Das Stück schaffte es auf Platz 2 der Billboard Charts und wurde Nummer Eins in Großbritannien. Mit "Only The Lonely" hatte Orbison die Messlatte sehr hoch gelegt. Es war fraglich, ob er dieses Level mit seinen weiteren Veröffentlichungen halten konnte. Die Folgesingles "Blue Angel" und "I'm Hurtin" knüpften zwar nicht an den Erfolg von "Only The Lonely" an, aber schon mit "Running Scared" kam der nächste Riesenhit: der Song wurde Nummer Eins in den USA. Orbisons Erfolg lässt sich dadurch erklären, dass er einen ganz eigenen, nie da gewesenen Stil kreiert hatte. Die Struktur und der Sound seiner Kompositionen waren absolut innovativ. Außerdem stand Fred Forster von Monument immer hinter ihm. Er war bereit, in Roy zu investieren, auch wenn es keine Erfolgsgarantie gab. Seine Devise lautete: Qualität statt Quantität und Fred wagte es, auf Songs setzen, die den akzeptierten Normen des Marktes nicht entsprachen. Das Wagnis machte sich bezahlt: Alle Songs, die Roy in den nächsten vier Jahren veröffentlichte - "Crying", "Candy Man", "Dream Baby", "Working for the Man", "Leah", "In Dreams", "Pretty Paper", "Blue Bayou", "Mean Woman Blues " und "It's Over" landeten in den Top 40 der US-Charts. Roy Orbison wurde einer der meist verkauften US-Sänger und damit ein echter Weltstar. Im Mai 1963, "In Dreams" hatte es gerade auf die Nummer 6 der UK-Charts geschafft, ging Wesley Rose auf das Angebot ein, Roy während der Beatles-Tournee durch England im Vorprogramm auftreten zu lassen. Die Tickets waren an einem Nachmittag ausverkauft. Beim ersten Gig musste Roy 14 Zugaben spielen, bevor die Beatles die Bühne betreten konnten. Roy Orbison war einer der wenigen Künstler, die ihren Status halten und ihre Popularität sogar vergrößern konnten, als die englischen Bands während der so genannten British Invasion den US-Markt eroberten. Er verstand sein Handwerk besser als die meisten, variierte Struktur, Inhalt, Tempo oder Rhythmus seiner Songs. Oft änderte er seine Stücke noch während der Aufnahmen und verpasste ihnen im Studio den entscheidenden kommerziellen Touch. "Oh Pretty Woman" wurde am 1. August 1964 aufgenommen. Der Song, den Roy mit seinem neuen Kompositions-Partner Bill Dees geschrieben hatte, wurde sein größter Hit und einer der erfolgreichsten der Musikgeschichte: noch im Erscheinungsjahr wurde er sieben Millionen Mal verkauft und wurde im Laufe der Zeit ein weltweiter #1 Hit ! Orbison ging 1964 auf eine große Australien-Tournee, wo ihn die Beach Boys als Vorgruppe begleiteten. Im Folgejahr übernahmen die Stones diesen Job. Außerdem folgten ausgedehnte Tourneen durch Europa und Asien. Nachdem Orbisons Vertrag mit Monument endete, zeigten mehrere große Plattenfirmen Interesse an dem Künstler. Den Zuschlag erhielt schließlich MGM, die eine Million Dollar für seine Unterschrift geboten hatten. "Ride Away", Roys erste Single, die er für seine neue Firma einspielte, war zwar ein Erfolg, aber sollte auch für die nächsten 10 Jahre sein größter Hit bleiben. So wurde der Wechsel der Plattenfirma zu einem der großen Wendepunkte in der Karriere des Künstlers, die einen finsteren Lebensabschnitt einläuten sollte. 1966 verunglückte Orbisons Frau Claudette, die er neun Jahre zuvor geheiratet hatte, bei einem Motorradunfall tödlich. Doch es kam noch schlimmer, denn nur zwei Jahre später starben zwei seiner drei Kinder, als sein Haus in Hendersonville niederbrannte (Roy verkaufte das Grundstück später an seinen besten Freund Johnny Cash. Auch dessen Anwesen sollte später bis auf die Grundmauern abbrennen.). Lange Zeit war Orbison außer Stande Songs zu komponieren, versuchte aber, die Schicksalsschläge zu verarbeiten und ging weiter auf Tournee. 1966 hatte er sogar eine Rolle in dem MGM-Streifen "The Fastest Guitar Alive". MGM war damals eine erfolgreiche Firma, doch das sollte sich ändern, als es Probleme mit der Filmsparte des Unternehmens gab. Bei Monument hatte sich noch alles um Roy und seine Songs gedreht, bei MGM war er nur einer von vielen Superstars im Programm. Man setzte auf Quantität statt Qualität und der Zwang, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Singles und LPs zu produzieren, machte sich bei Roy negativ bemerkbar. Im August 1968 gab es seit langem wieder gute Nachrichten für Roy. Er lernte im englischen Leeds Barbara Anne Marie Wilhonnen Jacobs, eine junge Frau aus Deutschland, kennen. Barbara Anne zog Ende 1968 in die USA und am 25. Mai 1969 gaben sich die beiden in Nashville das Ja-Wort. Sie bauten sich, nur zwei Blocks von Roys alter Heimat entfernt, ein neues Haus am Old Hickory Lake in Hendersonville, Tennesse. Ende 1973 endete der Vertrag mit MGM, im Folgejahr unterzeichnete Roy einen Ein-Jahres-Vertrag bei Mercury Records. Niemand nahm diesen Wechsel groß zur Kenntnis, aber Roy hatte sein Handwerk nicht verlernt. Er war immer noch gut genug für, wie er sagen würde, "einen Charthit irgendwo auf der Welt". Und er hatte Recht. Sein "Penny Arcade" toppte wochenlang die Charts in Australien, "Too Soon To Know" war Nummer 3 in England. Mercury war aber nur eine Zwischenstation. Roy heuerte Anfang 1976 erneut bei Monument an, wo er versuchte, seiner Karriere mit Tourneen durch den Fernen Osten, Australien, Asien und Europa neuen Schwung zu geben. Diesen Anstrengungen und auch seiner schweren Nikotinsucht musste er schließlich Tribut zollen: Am 18 Januar 1978 wurde er im St. Thomas Hospital in Nashville am offenen Herzen operiert, stand aber unglaublicher Weise schon drei Wochen nach der OP wieder auf der Bühne. Während Roy in Europa, vor allem in England, über eine große Fangemeinde verfügte, hatte man ihn in seiner Heimat fast vergessen. Doch das änderte sich in den späten Siebzigern, als populäre Künstler mit Songs aus seiner Feder Riesenhits landeten. Linda Ronstadts Cover von Roys "Blue Bayou" verkaufte fast acht Millionen Einheiten, Van Halen waren mit "Oh Pretty Woman" erfolgreich und auch Don McLeans Version von "Crying" sorgte dafür, dass man sich wieder an die Qualitäten von Orbisons Stücken erinnerte. Unterschiedliche Faktoren leiteten Roys zweite Karriere in den USA ein. Er erhielt gemeinsam mit Emmylou Harris einen Grammy für die Titel "That Lovin' You Feelin' Again" und "Wild Hearts Run out of Time" aus dem Soundtrack zu dem Film "Insignificance", er veröffentlichte mit seinen alten Kollegen vom "Sun"-Label ein neues Album ("The Class Of '55") und spielte für das Silver Eagle-Label aus Kanada seine größten Hits noch einmal ein. Außerdem wurde sein Song "In Dreams" für den Blockbuster "Blue Velvet" verwendet, der heute wie damals als Kultfilm gilt. Roy Orbison war wieder ein großer Name im Showbiz und die entsprechenden Lorbeeren ließen nicht lange auf sich warten. Am 21. Januar 1987 wurde Roy in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Bruce Springsteen hielt die Laudatio, in der er sagte: "1975, als ich ?Born To Run' aufnahm, wollte ich eine Platte mit Bob Dylan-Texten und Phil Spector-Sound machen. Doch mehr als alles andere wollte ich so singen wie Roy Orbison." Kurz nach der Ehrung unterschrieb Roy bei Virgin Records, die als erste Veröffentlichung unter dem Titel "In Dreams-Greatest Hits" eine LP mit Re-Releases seiner Klassiker auf den Markt brachten. Bei Virgin arbeitete Roy jetzt mit neuen Kollegen, unter anderem mit Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra. Die Vorbereitungen für ein neues Album liefen auf Hochtouren und die Erwartungen waren hoch. Im Laufe von Roys Karriere waren einige TV-Specials wie "Roy Orbison at the Los Angeles Country Club" oder "Live in Birmingham, Alabama" produziert worden. Roy fand, dass es an der Zeit war, diese Reihe fortzuführen und so entstand "Roy Orbison and Friends - A Black and White Night Live". Der Event wurde in L.A., im legendären Cocoanut Grove des Ambassador Hotels aufgezeichnet und wurde zu einem der größten Erfolge in Orbisons Karriere. Superstars wie Bruce Springsteen, Elvis Costello, k.d. Lang, Tom Waits, Bonnie Raitt, Jennifer Warnes, T-Bone Burnette, Jackson Browne, oder J. D. Souther, unterstützt von Elvis Presleys TCB Band mit James Burton an der Gitarre, machen diese Show zu einem unvergesslichen Erlebnis. "Roy Orbison and Friends" wurde im Januar 1988 auf Cinemax Cable TV ausgestrahlt und erschien anschließend auf Video. Einen weiteren Grammy brachte Roy Orbison sein Duett mit der Sängerin k.d.Lang ein, mit der er gemeinsam seinen Hit "Crying" neu einspielte. Auch sollte sich die Zusammenarbeit mit Jeff Lynne als sehr erfolgreich erweisen. Jeff hatte gerade George Harrisons Album "Cloud Nine" produziert und kümmerte sich zeitgleich um die neuen Songs von Roy und Tom Petty. Aus diesen Projekten gingen die Traveling Wilburys hervor, eine der Supergroups der Achtziger. Die Band bestand aus Roy, George Harrison, Jeff Lynne, Tom Petty und Bob Dylan, veröffentlichte ihr Debüt im Oktober und schaffte es sofort in die Top 10. Roys neue Solo-LP war inzwischen fertig geworden und sollte im Januar 1989 veröffentlicht werden. Vor der Veröffentlichung gab er Mitte November als Hauptact ein Konzert beim Diamond Awards Festival in Antwerpen. Die Show wurde mitgefilmt und Roy sang Playback zu einem brandneuen Song: "You Got It". Er hatte seine Band, aber auch seinen Look komplett erneuert - Roy Orbison trug jetzt einen Pferdeschwanz! Nach seiner Rückkehr in die USA spielte er in Highland Height, Ohio seine letzte Show. Große Europa- und US-Tourneen waren für das Jahr 1990 geplant, doch es sollte anders kommen. Auf einer kleinen Shoppingtour in Nashville, wo Orbison sich mit Ersatzteilen für seine Modellflugzeuge eindecken wollte, klagte er während des Nachmittags über Schmerzen in der Brust. Kurz vor Mitternacht brach er im Haus seiner Mutter tot zusammen. Mit 52 Jahren hatte er noch einmal die Spitze der Charts erreicht, einen Erfolg, den er nur kurze Zeit genießen konnte. Das posthum veröffentlichte Album "Mystery Girl" wurde zum größten Erfolg seiner Karriere. Zwei Auskopplungen wurden Hits: "You Got It" schaffte es in die US-Top-Ten und Bonos "She's A Mystery To Me" kletterte in Großbritannien bis auf Platz 30. 1992 erschien unter dem Titel "King Of Hearts" eine Zusammenstellung bis dato unveröffentlichter Aufnahmen, und 1996 erschien das Album "The Very Best of Roy Orbison", das die Karriere des Sängers von ihren Anfänge bis zu den letzten Lebensjahren dokumentierte. Bis zuletzt pflegte Roys Frau Barbara das musikalische Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes. 1998, zehn Jahre nach Roys Tod, nahm seine Witwe stellvertretend einen Grammy für das Lebenswerk ihres Mannes entgegen.

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