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Biographie

Es gibt einen Moment auf dem neuen Album von Miles Kane, der die aktuelle Gefühlslage des Sängers ziemlich gut auf den Punkt bringt: "When Johnny and The Silver Beatles had your volume high, I feel better than that", singt er in dem Song "Better Than That". Für einen Jungen aus Liverpool ist das zweifellos ein ziemlich starkes Statement, aber jeder, der Miles Kane kennt, weiß: er würde es nie wagen, sich mit den Fab Four zu vergleichen. Vielmehr steht "Better Than That" für die Vitalität und das Selbstbewusstsein, die sich durch das gesamte Album ziehen - ein Werk, das auf faszinierende Art und Weise von der unauslöschlichen Liebe seines Schöpfers zu seinem Handwerk geprägt ist.

Der neue Sound des Albums - eine unwiderstehliche Fusion aus Merseybeat und Glamrock - entstand unter aktiver Beteiligung einiger hochkarätiger Songwriter-Kollegen wie Paul Weller, Andy Partridge (XTC), Kid Harpoon und Lightning Seeds-Mastermind Ian Broudie, der den gesamten Longplayer auch produzierte. Der Follow-Up zum Debütalbum "Colour Of The Trap", das 2011 erschien, wurde in London, Liverpool und Wales aufgenommen. Vorausgegangen war eine intensive, 18-monatige Phase, in der Kane ohne Pause ausverkaufte und ziemlich wilde Konzerte und Festival-Auftritte gab. Mit dem neuen Album profiliert er sich nun als einer der dynamischsten Künstler unserer Zeit - und rechtfertigte einmal mehr das Vertrauen, dass seine Freunde und Fans in ihn gesetzt hatten.

Mit "Colour Of The Trap" hatte der großartige, aber weithin übersehene Sänger, endlich die Gelegenheit erhalten, seine Stimme voll zur Entfaltung zu bringen. Auf dem neuen Album kann man denselben Sänger nun in einer Lebensphase beobachten, in der er sich selbst ständig zu kneifen scheint, um tatsächlich zu begreifen, dass so viele seiner Träume wahr geworden sind. Seine neuen Songs "Give Up", "Taking Over" und "Don't Forget Who You Are" sind im besten Sinne ansteckend - als wenn Miles sagen würde: "Das ist mein Vibe, meine Party. Kommt und macht mit."

"Für mich war es das Wichtigste, dass an den Songs des neuen Albums kein Gramm Fett zu viel ist", erklärt der Sänger und Gitarrist, "sie sollten ?schlank' klingen. Die generelle Vorgabe war - bevor ich mich überhaupt für diesen Rock'n'Roll- und Glamrock-Vibe entschied - dass die Platte unglaublich ?direkt' klingen soll." Gemeinsam mit Broudie ist ihm das zu 100% gelungen. Die Verpflichtung des Gründungsmitglieds einer weiteren legendären Liverpooler Band als Produzent war der entscheidende Schritt: Broudie spricht die gleiche Sprache. Dies führte dazu, dass der gesamte Aufnahmeprozess von Instinkt geprägt war, ein kurzes Zunicken hier, ein Zwinkern dort - anstatt der sonst üblichen langen Ausführungen über die künstlerischen Ziele eines Musikers. Und diese Telepathie ist in jedem Takt zu spüren.

"Ich kannte Broudie schon seit Jahren", fährt Miles fort, "ich sah ihn immer wieder hier in Liverpool, habe mich aber nie richtig mit ihm unterhalten. Aber als es schließlich tatsächlich dazu kam, sagte er: ?Hey, ich habe den Nachmittag frei, lass uns doch ein wenig zusammen spielen'. Man kennst das ja, diese Art von ?ich zeig dir meins, wenn du mir deins zeigst'. Und gleich beim ersten Treffen kam ein Song dabei heraus - und zwar ?Taking Over'. Den hatten wir innerhalb eines Nachmittags fertig."

In eine vergleichbare Euphorie verfällt Miles, wenn er die Sessions mit Andy Partridge bescheibt - noch eine legendäre Figur für so viele aufstrebende Songwriter. "Mein damaliger Labelchef schlug vor, dass wir uns treffen sollten und einfach mal schauen, was sich daraus ergibt. Es dauerte eine ganze Weile, weil ich sehr oft unterwegs war, aber ich hatte bereits ein paar Demos von neuen Songs aufgenommen und zu Beginn des vergangenen Jahres ein paar Tage frei, also fuhr ich runter nach Swindon, um Andy zu treffen. Wir hatten uns im Vorfeld bereits recht lange am Telefon unterhalten und er hat sofort verstanden, wohin ich will."

"Ich dachte, er lebt irgendwo im Nirgendwo, denn er hatte mir vorher erzählt, dass sein Studio im Garten sei", erinnert sich Miles. "Ich stellte ihn mir als Farmer vor, der in einem Haus inmitten eines großen Feldes wohnt. Als ich ankam, sah ich allerdings, dass es ein kleines Reihenhaus ist, und im Schuppen im Garten nimmt er seine Musik auf. Und dort machten wir uns dann also ans Werk. Ich fuhr dann ca. alle zwei Wochen mit dem Zug zu ihm, wohnte in einem kleinen Bed & Breakfast, und wir schrieben und schrieben. Er ist ein Genie. Er zeigte mir Akkorde, auf die ich nie gekommen wäre, oder neue Methoden, Lieder zu schreiben. Bei jedem Treffen machten wir einen weiteren Song. Durch ihn habe ich Sachen gemacht, die ich vorher noch nie gemacht hatte - viele Septimen. Andy LIEBT Septimen."

"Während Ian und ich das Album vor den Sessions arrangierten, hörten wir viel The Sweet", erzählt Miles, "der Song ?Ballroom Blitz' ist unglaublich und die ganze Glam-Zeit hatte einen großen Einfluss auf mich. Als wir dann die Glamrock-hafte Strophe und den Beatles-esken Refrain bei ?Taking Over' beisammen hatten, schauten wir uns an und wussten beide: ?Das ist unsere Art Blaupause', diese Voll-auf-die-Zwölfauf-Herangehensweise. Und wir blieben dieser Vision treu. Broudie hat echt Feuer - er will das genau so wie ich."

Die Weller-Connection kam zu Stande, als sich die beiden bei einer Radioshow trafen. "Ich traf ihn bei einem Weihnachtskonzert von XFM auf und Paul war auch da", erinnert sich Miles. "Ich hatte in Interviews oft den französischen Sänger Jaques Dutronc erwähnt und Paul kam mit diesem Buch zu mir und sagte: ?Du magst diesen Typen doch, stimmt's?'. Kurze Zeit später erzählte ich in einem Interview, dass ich gerne mit ihm arbeiten würde, und er sagte irgendwo, dass er gerne mit mir arbeiten würde, und so kam das schließlich zu Stande. Ich ging dann also zu seinem Studio irgendwo außerhalb von Woking und es war genau so unmittelbar wie mit Andy. Er ermutigt einen und er arbeitet sehr hart, er macht nicht lange rum und kommt zur Sache. Ich mag das Gefühl, wenn ich ein bisschen unter Druck stehe, und Paul ist dafür großartig. Das gibt dir einen ziemlichen Kick."

Miles wäre aber nicht Miles, wenn es da nicht doch noch einen Rest Selbstzweifel gäbe. Wie er im Rahmen der Interviews zu "Colour Of The Trap" erwähnte (und was auch seine Freunde bestätigen würden), scheint er das unterschwellige Gefühl von Unsicherheit geradezu zu brauchen. "Manchmal frage ich mich, ob das einfach ein Element meiner Persönlichkeit ist und ich mich deshalb immer wieder so anstrengen muss", schmunzelt er. "'Don't Forget Who You Are' ist aber definitiv ein selbstbewussteres Album. Es ist eine Platte, die viel besser weiß, was sie ist als die erste. Ich denke, sie manifestiert, wie ich mich selbst sehe, wohin ich mich entwickle, wer ich bin und warum ich das alles mache. Aber wenn ich mir bei allem immer todsicher wäre, dann wäre das irgendwie nicht ich selbst."

Todsicher oder nicht, Miles ist starklar. Er ist bereit, an den Erfolg von "Colour Of The Trap" anzuknüpfen und seinen Fans die schmissige Pop-Brillanz von "Don't Forget Who You Are" zu präsentieren. Gab es einen Moment, an dem ihm klar war, dass seine Zeit nun gekommen ist? Miles ist von Natur ganz bestimmt kein Angeber (dazu ist es viel zu vorsichtig), doch nach einer kurzen Pause gibt er zu: "Als wir letztes Jahr im Forum spielten, sprang das ganze Publikum auf und ab und die Halle ging richtig ab. Da dachte ich: ?Okay, das mache ich gerade wirklich, ich bin auf dem richtigen Weg."

Das ist er ganz bestimmt. "Don't be looking at the scenery", singt er auf "Taking Over", "you should be heading up the road." Er hat seine eigene Warnung beherzigt: er steht am Beginn des nächstes Abschnitts seiner Reise. Das ist der Vibe von Miles Kane. Komm und mach mit.

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