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Biographie

Eines schönen Abends im vergangenen November saß Mikky Ekko am Flussufer unweit des Londoner Zuhauses seines Songwriting-Partners Fraser T. Smith. Die beiden tranken Tequila und spielten mit ein paar Akkorden herum, als sich plötzlich fast wie von selbst der Text zu einem ganz besonderen Song ergab. "Time". Es wurde jenes Stück, das Ekkos kommendem Debütalbum schließlich den Titel geben sollte. "Es hat etwas sehr Ehrliches und Simples, darauf bin ich ziemlich stolz", sagt er über die Ballade, bei der seine Stimme lediglich mit Akustik-Gitarre und Streichern begleitet wird. "Ich wollte einen Weg finden, um zu sagen: ?Egal, was auch passiert, ich werde für dich da sein, auch wenn du mich nur für diese Nacht willst."

Der Song ist besonders signifikant für Ekko, erscheint er doch nach dem weltweiten Multiplatin-Erfolg von "Stay", einer Klavierballade, die in einer sehr sensiblen Phase seines Lebens entstanden war. "'Stay' ist sehr schön, aber ich ahnte natürlich nicht, was damit passieren würde, als ich es schrieb", sagt er. "Es geschah sozusagen ?durch mich hindurch'. Ich war lediglich eine Art ?Transportgefäß' dafür. Aber ?Time' habe ich selbst erschaffen." Wir erinnern uns: "Stay" wurde von Superstar Rihanna aufgenommen (im Duett mit Ekko, der auch co-produzierte) und entwickelte sich zu einem der größten Hits des Jahres 2013. Die Single verkaufte sich weltweit mehr als zehn Millionen Mal, peakte auf Platz drei der US Billboard Charts, Platz vier der UK Charts und Platz zwei der deutschen Charts. Darüber hinaus wurde der Song in der Kategorie "Best Pop Duo/Collaboration" für einen Grammy nominiert. Die gemeinsame Performance der beiden bei der offiziellen Verleihungszeremonie 2013 blieb nicht nur Mikky lange in Erinnerung.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der aus Nashville stammende Ekko erst eine Indie-EP und ein paar Single-Tracks veröffentlicht, darunter "Pull Me Down", die er zusammen mit dem berüchtigten Sound-Collagisten und HipHop-Produzenten Clams Casino (A$AP Rocky, The Weeknd) geschrieben und aufgenommen hatte. Der Track bescherte ihm die Aufmerksamkeit von Tastemaker-Medien wie Spin, Pitchfork und Dazed and Confused. Bis dahin war Ekko noch ein vollkommen Unbekannter, dessen offensichtliches Songwriting-Talent und außergewöhnliche Stimme ihm die Möglichkeit beschert hatten, in London und Los Angeles mit einigen A-List Songwritern und Produzenten zu arbeiten, darunter "Stay"-Co-Komponist Justin Parker (Lana Del Rey, Sia), dem eingangs erwähnten Fraser T. Smith (Adele, Sam Smith), Dave Sitek (TV On The Radio, Yeah Yeah Yeahs) und Jim Eliot (Ellie Goulding). Als "Stay" ein weltweiter Hit war, ging alles plötzlich in Überschall-geschwindigkeit. Seine Songs "Place For Us" und "We Remain", die er zusammen mit Ryan Tedder für Christina Aguilera schrieb, erschienen auf dem "Die Tribute von Panem"-Soundtrack. Er schrieb und sang die aktuelle Chris Malinchak-Single "Stranger". Im August wurde er bei den "2014 MTV Video Music Award" mit David Guetta in der Kategorie "Best Video with a Social Message" für den Song "One Voice" nominiert, den sie für die "The World Needs More"-Kampagne der Vereinten Nationen aufgenommen hatten. Darüber hinaus sind seine Talente als Songwriter hoch im Kurs, er arbeitete u.a. im Studio mit Lil Wayne, Gwen Stefani, Zedd, Jessie Ware, Giorgio Moroder, Rudimental, Major Lazer and Lupe Fiasco.

"'Stay' hat die Art und Weise geprägt, wie ich mich selbst als Künstler sehe und was ich mir selbst zutraue", sagt Ekko. "Ich verspürte den Drang, wieder ganz von vorne anzufangen und die besten Songs zu schreiben, die ich schreiben kann. Ich habe das Gefühl, dass mein Songwriting, mein Stil und meine Perspektive wesentlich fokussierter sind als je zuvor." Diese Ahnung bestätigt sich auf "Time" - eine facettenreiche Sammlung von Topshelf-R&B-inspirierter Alternative-Pop, bei der Ekkos gefühlvolle Stimme stets im Mittelpunkt steht. Die Musik behält zwar den Indie-Spirit seiner frühen Songs "Pull Me Down", "Kids" und "Disappear", seine Ambition, Lieder zu schreiben, die für jedermann zugänglich sind, gerät dabei jedoch zu keiner Zeit ins Hintertreffen. "Ich fühle mich nicht als Teil der Popwelt", sagt er. "Ich hab wirklich hart dafür gearbeitet, dass die Musik nicht genau so klingt wie die von allen anderen. Aber mein Gespür für Pop (wenn man das Wort einmal aus Mangel an Alternativen verwenden möchte) erlaubt es mir, etwas zu erschaffen, mit dem viele Menschen etwas anfangen können. Ich kann andererseits aber all das beibehalten, was mir wichtig ist."

Unter den Songs auf "Time" finden sich Ekkos Kollaborationen mit Ryan Tedder, Benny Blance, Jeff Bhasker, Stargate, Boots Ottestad und Dennis Herring, aber auch seine früheren Arbeiten mit Clams Casino, Dave Sitek, Elof Loelv, Nick Ruth und "meinen Brits" (O-Ton Mikky Ekko) Parker, Eliot und Smith. "Diese drei Typen sind großartig darin, Akkorde zu finden, die mich als Künstler zu Tränen rühren", erklärt er. "Sobald ich dieses sehnsuchtsvolle und bewegende Gefühl verspüre, weiß ich, dass ich etwas herausholen kann. Sie sind im Prinzip wie Psychotherapeuten. Ich gehe zu ihnen und spreche über meine Probleme und Sie stellen sicher, dass die Melodie gut ist. Wir geben uns große Mühe, um kreative Wege zu finden, uns gegenseitig weiter zu pushen, weit über das hinaus, was die meisten Menschen als Grenzen des modernen Songwritings bezeichnen würden."

Die Single "Smile" fängt jenen Moment ein, "wenn man ein Teenager ist und man zum ersten Mal etwas verliert und man keinen Schimmer hat, wie man damit umgehen soll", erklärt Mikky Ekko. "Normalerweise schreibe ich nur Songs, um mich selbst zu trösten." Er schrieb "Comatose" in der Zeit, als er erfuhr, dass Rihanna "Stay" aufnehmen wollte. "Ich hatte die Hoffnung, ich könnte ihr einen anderen Song geben und Justin und ich machten dann dieses Lied", sagt er. "Es handelt davon, einen Weg zurück zu einem bestimmten Moment zu finden. Während ?Stay' sehr ?in the moment' war, handelt ?Comatose' davon, einem Spiegelbild hinterher zu rennen, einen Traum zu jagen, im Traum des Komas zu sein und zu versuchen, den Weg ans Licht wieder zu finden." Am anderen Ende des Spektrums steht "Watch Me Rise", das Ekko zusammen mit Stargate und Benny Blanco schrieb. "Mit dem Song will ich den Leuten sagen: ?Ich mache genau das, was ich verdammt noch mal will und es kümmert mich nicht, was ihr darüber denkt'. Es ist ein gewagter Song. Eigentlich mache ich solche Lieder nicht, denn es hat oft etwas mit Angeberei zu tun, und das ist nicht so mein Ding. Aber wenn ich mit diesen Typen arbeite, dann mache ich keine Gefangenen. Der Song soll dokumentieren, wie ich anfange, mir ein Standbein in einer Welt aufzubauen, zu der ich mich nicht unbedingt zugehörig fühle. Aber ich muss mich dorthin begeben, damit ich Bescheid weiß - ungefähr nach dem Motto: ?Kenne deinen Feind'."

Ekkos Glaube an die Gestaltungskraft der Musik manifestierte sich bereits in jungen Jahren. Er wurde als John Stephen Sudduth in Shreveport, Louisiana, als Sohn eines Betriebsleiters einer Teerfabrik geboren, der später Priester wurde. Er wuchs in der Kirche auf, die er als "einen Ort der Ehrfurcht" empfand. "Manchmal saß ich im Altarraum und sang eine ganze Weile für mich selbst vor mich hin", erinnert er sich. Ekko zog mit seiner Familie in den Bundestaaten Georgia und Mississippi umher und landete schließlich in Elvis Presleys Geburtsort Tupelo, wo er die Highschool besuchte und im Chor sang. Während seiner Kindheit und Jugend hörte er (dank seiner Mutter) Klassik und (dank seines Vaters) klassische Rockmusik, als Teenager begann er damit, Soulsänger wie Stevie Wonder und Smokey Robinson zu imitieren. Gedanken über eine etwaige Karriere in der Entertainment-Branche machte er sich allerdings nicht, etwas Derartiges erschien schlicht unerreichbar. "Ich dachte darüber nach, wie man als Kind aus Mississippi über alles nachdenkt, was so unglaublich weit weg ist vom Kind eines Kleinstadt-Pfarrers in Mississippi", sagt er. "Es ist wie ein Traum, dem man blind hinterherjagt, wenn man in eine große Stadt kommt."

Nach dem Abschluss der Highschool zog Ekko tatsächlich in eine große Stadt: Nashville. Dort schrieb er sich an einem Community College in einen Musikbusiness-Kurs ein, während er gleichzeitig als Frontmann seiner Band nach Auftrittsmöglichkeiten suchte. Der Plan: die Leute mit seiner Stimme beeindrucken. Er begann auch damit, Songs zu schreiben, die er a cappella, lediglich begleitet von rhythmischem Stampfen und Klatschen, aufnahm. In Nashville traf er die Produzenten Tim Lauer und Dan Hansen, mit denen er die EP "Strange Fruit" aufnahm, die sie 2009 selbst veröffentlichten. Seine Musik und seine charismatischen Auftritte ließen ein Musikmanagement auf ihn aufmerksam werden, das Ekko den Tipp gab, von weiteren Live-Auftritten abzusehen und erst einmal seine Musik in die richtige Spur zu bringen. Als Labels und Publisher die Songs hörten, die er mit Eliot, Smith, und Parker geschrieben hatte, darunter auch "Stay" und "Smile", begann eine Jagd nach seiner Unterschrift, die RCA im April 2012 für sich entscheiden konnte. Einige Monate später, im Oktober, wurde sein Song "Feels Like The End" im Saisonfinale von "Grey's Anatomy" verwendet. Weitere Stücke fanden den Weg in TV-Serien wie "Orange Is The New Black", "Homeland" und "Pretty Little Liars".

Nun ist die Veröffentlichung von "Time" endlich in Sichtweite. "Das Album ist von den Sounds her ziemlich eklektisch, doch textlich gibt es Momente, die geprägt sind von Liebe und von Ängsten - Dinge, mit denen viele Menschen täglich konfrontiert sind", sagt er. "Mir ist es einfach wichtig, aufrichtig bei all diesen Dingen zu sein. Ich glaube, ich bin nach ?Stay' sehr viel ehrlicher bei meinen Texten geworden, denn mir wurde klar, wie wichtig das ist. Sei einfach authentisch. Die Menschen wollen spüren, dass etwas echt ist."

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