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Biographie

Lucy Rose kann Dummköpfe nur schwer ertragen. Eine Tatsache, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn es um die bevorstehende Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Work It Out" via Columbia Records geht. Kein Zweifel: Lucy Rose meint es ernst.

"Diese Platte wird hoffentlich ein paar Dinge klar stellen. Wer ich bin. Was ich mache. Es ist ziemlich direkt. Ich liebe es. Ich bitte niemanden darum, mich und meine Musik zu verstehen, aber ich möchte, dass die Leute richtig zuhören", erklärt sie.

Mental abgehärtet, ausgestattet mit einem starken Willen und wieselflink, wenn es darum geht, im richtigen Moment zuzugreifen - das sind die Eigenschaften, die die 25-jährige Sängerin und Songwriterin auszeichnet. Vor drei Jahren veröffentlichte sie mit "Like I Used To" ihr Debütalbum. Zuvor war sie die stimmliche "Geheimwaffe" der Londoner Band Bombay Bicycle Club und eine enge Verbündete ihrer Labelkollegen Manic Street Preachers und Peace. Bei ihren Live-Shows wurde sie gefeiert, auf YouTube wimmelte es nur so von Coverversionen ihrer Songs und ihre Musik wurde mit Adjektiven wie "zerbrechlich", "behutsam" und "wunderschön" beschrieben. Ihr Debütalbum schoss auf Anhieb in die Top 15 der UK Charts, war allerdings lediglich eine erste Einführung, ein einleitender Absatz in der Geschichte der beginnenden, glanzvollen Karriere dieser jungen Frau.

Auf "Work It Out" entwirft Lucy Rose nun einen mutigen, neuen Kontext für ihre großartige Stimme. Nach wie vor präsent bleibt dabei die akustische Gitarre, doch die Tage der Folk-Elemente und der Schüchternheit sind gezählt. Es gibt nur noch Lucy Rose. Das Label wollte sie (wie im Musikbusiness üblich) mit verschiedenen Songwritern zusammenbringen, doch nach einigen Fehlversuchen beschloss sie, auf das Angebot generell zu verzichten. Co-Songwriting ist nicht ihre Sache. "Ich kann nicht einfach jemanden treffen, High-Fiven und sagen: ?Hey, lass uns einen Pophit schreiben!'. Ich schreibe Songs ganz egoistisch nur für mich und das ist auch genau das, was ich am liebsten mache. Es sind meine Songs und nicht die von irgendjemand anderem", erklärt sie.

Während dieser Text hier geschrieben (und anschließend übersetzt) wird, beschallt der BBC-Sender Radio 1 das Vereinte Königreich bereits flächendeckend mit ihrer neuen Single "Our Eyes". Der Song macht sich ganz hervorragend im Radio. Radio-DJ Annie Mac outete sich sowohl als Fan der Künstlerin (und das nicht zum ersten Mal) und als auch des Stückes, viele weitere folgten ihrem Beispiel. Vor kurzem hostete sie (an der Seite von Dirigent John Kennedy) ihre eigene Sendung beim Sender XFM, wo sie ihre Lieblingslieder vorstellte.

"Our Eyes" ist ein Song, der überrascht. Lucy Rose erfindet sich damit nicht komplett neu, doch sie bewegt sich diesmal weit außerhalb jener Sphären, die mit den oben genannten Adjektiven beschrieben werden könnten. Sie erweitert ihren ursprünglichen Sound um Farbe, Spritzigkeit und Struktur und einen Tupfer Sommerlichkeit. Sie lenkt ihn in neue Bahnen, ohne jedoch die alten komplett hinter sich zu lassen.
Die Hälfte der Songs auf "Work It Out" entstanden ursprünglich auf einem iPad, HipHop-Fan Lucy (das ist sie wirklich) entwarf einen Großteil des neuen Materials mit der 10-Pfund-App "Beatmaker 2" (9,99? im deutschen App-Store). "Das war eine kontinuierliche Entwicklung, doch nach der Veröffentlichung meines ersten Albums wuchs mein Selbstbewusstsein, und das hat mich wirklich verändert", sagt sie. "Die meisten Stücke des ersten Albums wurden geschrieben, als niemand zuhörte. Diesmal reiste ich aber viel herum, ich sah viele verschiedene Orte und ich trat jeden Abend woanders auf. Ich machte ständig neue Erfahrungen, nahm neue Dinge in mich auf. Die Essenz daraus ist nun das neue Album."

Die Entscheidung, einige Dinge zu verändern, fiel, als Lucy bei einem Sommer-Festival zwischen zwei Indie-Gitarrenbands auftreten musste. Als sie gerade dabei war, ihre Akustik-Gitarre neu zu besaiten, erbebte das Zelt unter der Wucht der Band vor ihr. So entschloss sie sich, auf dem zweiten Album etwas anderes auszuprobieren. "Mir wurde klar, dass Pop nicht das war, wofür ich es gehalten hatte. Seit wann war 'Popularität' etwas Schlechtes? Ich wollte E-Gitarren auf dem Album, mehr Tempo und Vitalität. Ich freue mich so sehr darauf, die Sachen endlich zu veröffentlichen. Ich hoffe aber nicht, dass ich diejenigen, die mich bis jetzt auf dieser Reise begleitet haben, damit vor den Kopf stoße! Das würde ich auf keinen Fall wollen."

Es ist ein Schritt, den sie nicht auf die leichte Schulter nimmt. Lucy Rose pflegt ein engeres Verhältnis zu ihren Fans als manch einer ihrer Kollegen, sie beantwortet ihre Briefe und Twitter-Nachrichten und sie bleibt bis lange nach ihren Auftritten in den Hallen, um denjenigen die Gelegenheit zu geben, sie zu treffen, denen ihre Musik am meisten bedeutet. Einige Besucher ihrer prestigeträchtigen Headliner Show im Londoner Shepherd's Bush Empire 2013 waren nicht wenig überrascht, als sie mit Lucy in der gleichen U-Bahn nach Hause fuhren. Sie erzählen der Sängerin, dass ihre Musik ihnen über schmerzliche Verluste hinweg- und durch die härtesten Zeiten des Erwachsenwerdens hindurchhalf. Wenn einer ihrer Fans nach der Show das Bedürfnis hat, sie zu umarmen, steht sie zur Verfügung. Sie ist sich schmerzlich darüber bewusst, dass der neue Sound einige der Hardcore-Fans enttäuschen wird und nahm es auf sich, alle YouTube-Kommentare unter dem Video zu ihrer Comeback-Single durchzulesen.

"Jemand schrieb, dass mich meine Plattenfirma ziemlich schlecht beraten habe", erinnert sie sich. "Mir ist klar, dass es nicht jedem gefallen kann, wenn man sich verändert, aber alle meine Lieblingsmusiker wie z.B. Joni Mitchell, verändern sich die ganze Zeit. Ich möchte, dass die Leute wissen, dass alles von mir kommt. Ich will mich weiterentwickeln, ich will, dass es aufregend bleibt. Ich will nicht immer wieder und wieder die gleiche Musik machen. Und es ist ja auch nicht so, dass ich jetzt rappen würde. Es ist hundert Prozent ich, das wird man spüren, das verspreche ich."

Die iPad-Demos wurden in den Londoner Snap Studios aufgenommen und bearbeitet. "Es war das erste Mal, dass ich in einem richtigen Tonstudio gearbeitet habe", schmunzelt sie. Anders als bei ihrem Debüt, das jeden guten Song enthalten hatte, den sie bis zum damaligen Zeitpunkt geschrieben hatte, musste sie diesmal aus ein paar Dutzend Liedern auswählen. "Es war eine der kreativsten Zeiten in meinem Leben. Ich habe schon ein paar ganz neue Songs geschrieben, die nicht auf 'Work It Out' sein werden, aber ich spiele sie wahrscheinlich live. Das ist die Nagelprobe."

Rückblickend fällt ihr Urteil über die Aufnahmesession so aus: "Meine Lieblingsplatten sind Lo-Fi-Produktionen mit viel Charakter, die nicht auf Hochglanz poliert sind. Das Unperfekte macht die Sachen doch erst interessant."

Allzu viele unperfekte Dinge wird man auf "Work It Out" allerdings beim besten Willen nicht finden. Vielmehr hört man Musik, die im positiven Einklang mit dem Charakter der jungen Lady aus Warwickshire steht. Oder Metaphorisch gesagt: Lucy Rose hält sich nicht unter dem Tisch versteckt. Ganz im Gegenteil: sie steht oben drauf und schreit ihre Songs heraus. "For You", "Like An Arrow", "Till The End", alle Lieder des Albums legen die Latte sehr hoch und positionieren Lucy in einer ganz neuen Liga.

Aber um ganz ehrlich zu sein: eigentlich hat sich Lucy Rose kein bisschen verändert. Sie hat ein paar Gänge höher geschaltet, ist etwas nach links ausgewichen und verpasste der ganzen Sache eine Vitaminspritze in den Arm. Ihr neues Abenteuer beginnt hier und jetzt.

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