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Biographie

Dass Kodaline kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums stehen, müssen diejenigen, die es geschrieben und aufgenommen haben, selbst erst noch vollumfänglich realisieren. Denn einen Follow-Up zum letztjährigen Erstling "In A Perfect World", das sich mehr als 350.000 Mal verkauft hatte, wollte das aus Dublin stammende Quartett eigentlich gar nicht so zügig fertigstellen. Um ganz ehrlich zu sein: geplant war daran eigentlich überhaupt nichts. Die Initialzündung war ein Experiment, das die Band dazu veranlasste, ihren Sound ein wenig umzukrempeln. Sie begannen, neue Songs aufzunehmen und konnten einfach nicht mehr damit aufhören. Acht Wochen später war das neue Album "Coming Up For Air" komplett. "Wenn du uns Anfang des Sommers gesagt hättest, dass wir im Herbst unser Album fertig haben würden, hätten wir dir nicht geglaubt", sagt Sänger Steve Garrigan. "Es ist alles so schnell passiert. Viele Songs wurden live im Studio eingespielt."

Kodaline waren eigentlich immer noch auf Tour, um ihr Debütalbum vorzustellen, als sie eine Einladung nach Los Angeles erhielten, um dort eine Woche mit Produzent Jacknife Lee (R.E.M., Bloc Party, Snow Partol, Editors, Taylor Swift etc.) aufzunehmen. Sie zögerten keine Sekunde und sagten zu. "Für uns war das eigentlich keine Albumsession", sagt Gitarrist Mark Prendergast. "Wir wollten eigentlich nur ein wenig Spaß haben und sehen, was passiert. Jacknife ist Ire wie wir und seine Erfolgsgeschichte ist einfach beeindruckend. Wieso hätten wir eine solche Einladung nicht annehmen sollen?"

Was Kodaline nicht erwartet hatten, war, dass sie L.A. mit einer völlig neuen Attitüde hinsichtlich Musikmachen, einem Faible für Synthesizer und einer fertigen Single ("Honest") wieder verlassen würden. "Jacknife hat unsere Augen für verschiedene Arbeitsweisen geöffnet", erklärt Bassist Jason Boland. "Er hat uns eine Lektion in Sachen Experimentieren erteilt. Die Art und Weise, wie er aufnimmt, ist fantastisch. Alles im Studio ist immer eingeschaltet, überall sind Synths und andere Instrumente, wo man hinschaut. Wenn man irgendetwas spielen will, kann man es sich einfach nehmen und loslegen."

"Er fragte uns, ob wir das Gefühl hätten, außerhalb unserer Comfort Zone zu sein", erinnert sich Schlagzeuger Vinny May. "'Ja? Dann seid ihr auf dem richtigen Weg'. Wir hatten uns nicht vorgenommen, elektronische Musik zu machen. Wir hatten immer Synthesizer im Studio, dieses Mal beschlossen wir aber, sie auch zu benutzen. Wir haben unkonventionelle Sounds an Stellen verwendet, bei denen wir uns erst nicht sicher waren, ob sie funktionieren. Als wir uns die Sachen ein paar Tage später noch einmal angehört haben, wurde uns klar, dass sie der Schlüssel zum Song waren."

Zurück in Großbritannien und nach Abschluss der Festival-Saison machten sich die hochmotivierten Iren an die Arbeiten zu dem Album, deren Fertigstellung sie kaum erwarten konnten. Elektronische Elemente spielten dabei eine wesentlich Rolle und gaben den trademarkhaften Kodaline-Refrains und dem -Widescreen Sound zusätzliche Tiefe, eine neue Dimension und Edginess.

Die Sessions fanden in Surrey, Dublin und Longford ("Ein Ort auf dem Land in Irland, wo man nichts anderes machen kann als Musik") statt, unter der Regie von Jim Eliot (Ellie Goulding) und "In A Perfect World"-Produzent Steve Harris. Es folgte eine zweite Jacknife Lee-Woche in Los Angeles. Einige Songs wurden innerhalb weniger Stunden geschrieben und aufgenommen, bei anderen arbeitet man bis zu fünf Tage lang an den "Frickel-Parts".

Wie bereits beim Debütalbum schrieb Steve den Großteil der Texte, aber jedes Bandmitglied beteiligte sich ebenfalls daran. Den Song "Autopilot" begannen Mark und Jason an einem Off-Day in einem Hotelzimmer. "Wir schlugen Tassen und Untertassen aneinander, um einen Rhythmus zu haben und nahmen mit einem Laptop auf", erinnert sich Mark. "Im Studio machten wir dann die richtigen Aufnahmen und kreierten Sounds mit allem, was wir so fanden. Es ist nun einer der Songs, bei dem eine Spraydose verwendet wurde."

Auf dem fast schon schmerzhaft schönen "Unclear" kamen eine Harfe, ein Akkordeon und ein Korb zum Einsatz. Dazu trommelten Kodaline (halb betrunken) mit Permanentmarkern auf Coladosen. Den Refrain sangen alle vier, mehrere Spuren übereinander, um es wie einen Chor klingen zu lassen. "Unclear" verlangte aber nach einer realmusikalischen Lösung, den dann schließlich der "Downs Malvern Choir" lieferte. Als die Band den Backgroundgesang der Schulkinder im Alter zwischen drei und dreizehn Jahren hörte, war sie restlos begeistert.

"Coming Up For Air" ist ein ehrgeiziges Album. Man kann das in der Bandbreite und der Emotionalität von Steves großartigem Gesang hören, in den Songs, die an den überraschendsten Stellen mit Hooklines aufwarten und in den schwer zu benennenden Sounds, die manchmal fast unbemerkt im Hintergrund, manchmal im Zentrum der Geschehens stattfinden. Es ist die Blaupause eines Albums, das keinem Muster folgen will. Kein Zweifel: dies ist eine Band, die sich fest vorgenommen hat, sich nicht zu wiederholen und dabei eine fast schon obsessive Aufmerksamkeit für Details entwickelt hat.

Die Abenteuerlust, die von "Coming Up For Air" ausgeht, hat ihren Ursprung u.a. in der Tatsache, dass das Album nicht geplant war. Nichts war in Stein gemeißelt. Jeder Song gab seine eigene Richtung vor. Als "Play The Game" nach Gospelgesang verlangte, holte man sich Christina Matovu ins Studio. Als zur endgültigen Perfektion des wunderbaren, von Akustikgitarren getragenen "Better" Streicher fehlten, wurde ein Prager Orchester engagiert.

Dieses ist u.a. bei der künftigen Feuerzeug-in-die-Höhe-Pärchen-Hymne "The One" zu hören, das als zweite Single ausgekoppelt werden wird. Ursprünglich wurde der Song für die Hochzeit des Kodaline-Toningeneurs Phil Magee geschrieben, der aus demselben Dubliner Vorort stammt wie die Band. "Ich Idiot habe das Songschreiben natürlich immer wieder aufgeschoben, bis zum Abend vor der Hochzeit", gesteht Steve. "Das Lied dann am folgenden Tag gleich singen zu müssen, hat mir mehr Angst gemacht als alles zuvor in meinem Leben. Es war noch viel, viel nervenaufreibender, als vor einer riesigen Menge Zuschauer bei einem Festival zu stehen. Wir tranken natürlich alle ein paar Bierchen vorher, um die Spannung etwas rauszunehmen, klar."

Eigentlich sollte "The One" danach nie wieder zur Aufführung kommen, doch eines Abends in Toronto ermöglichte die Band einem Fan, auf die Bühne zu kommen und um die Hand seiner Freundin anzuhalten. Extra für diesen Anlass wurde der Song wieder aus der Schublade geholt und einstudiert. Als Fan-Mitschnitte der Performance auf YouTube die Runde machten, wurde schnell klar, dass das Quartett den Song aufnehmen musste. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass "The One" in den kommenden Jahren als Soundtrack zu zahllosen Brauttänzen zum Einsatz kommen wird.

Auf wenn sich bei Kodaline in den vergangenen Monaten so einiges verändert hat, einige Dinge sind so geblieben, wie sie immer waren: die innige Freundschaft der vier Mitglieder, die emotionale Kraft ihrer Musik und die Verbindung mit ihren Fans. Und bevor sie noch einen Schritt aus Irland heraus gemacht hatten, war die Band bereits international bekannt: das Video zu "All I Want", dem Titelsong ihre Debüt-EP wurde zu einem YouTube-Hit.

Es folgten Einsätze in TV-Serien und Filmen, zunächst war "All I Want" bei "Grey's Anatomy" zu hören, später dann im Kino-Erfolg "The Fault In Our Stars" ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") - John Greene, der Autor des Bestsellers, ist ein großer Fan der Band. Auch andere Songs des Albums "In A Perfect World" fanden und finden sich auf Soundtracks wieder, wie z.B. "Pray", das im Trailer des Daniel Radcliffe-Films "Horns" zu hören war. "Perfect World" und "Brand New Day" sind Woche für Woche in der britischen Doku-Reige "Gogglebox" (Channel 4) vertreten. In Deutschland findet sich "High Hopes" auf dem Soundtrack des deutschen Nummer-eins-Kinofilms "Fack ju Göhte".

Das Debütalbum "In A Perfect World", das im Juni 2013 erschien, platzierte sich in den Top 3 der UK Charts und stand neun Wochen an der Spitze der irischen Hitliste. Auch in Europa (Top Ten in der Schweiz und den Niederlanden), Australien (Top 30) und den USA gelang der Band mit "In A Perfect World" der Chartentry.

Der Follow-Up "Coming Up For Air" ist vom Sound her zwar ein Schritt in eine neue Richtung, doch im Kern steht die Fähigkeit der Band, mit ihren Fans sofort eine Verbindung aufzubauen, die Gefühle ihrer Songs mitzuteilen und den Hörer in ihre Welt eintauchen zu lassen. Es ist ein smartes, raffiniertes Album einer Band, die gerade erst entdeckt, wozu sie im Stande ist.

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