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Biographie

Biografie 2019 "From Out Of Nowhere"
Jeff Lynne ist von den Songs des neuen Albums "From Out Of Nowhere" inspiriert und vitalisiert wie nie zuvor. Und das will bei jemandem, der seit mehr als fünf Jahrzehnten im Geschäft ist und dabei einige der erfolgreichsten und populärsten Songs seiner Ära schuf, wirklich etwas heißen. Eine Karriere, in der er 2017 in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen wurde und in der fünfzig Millionen verkaufte Alben weltweit zu Buche stehen. Darin enthalten sind noch nicht einmal die Arbeiten als Produzent und gefragter Kollaborationspartner für einige der legendärsten und wichtigsten Künstler der Moderne - darunter Namen wie George Harrison, Paul McCartney, Brian Wilson, Tom Petty und Roy Orbison. Oh, und nicht zu vergessen die Gründung der Supergroup aller Supergroups: die Traveling Wilburys mit Harrison, Petty, Orbison und Bob Dylan.

Mit "From Out Of Nowhere" erreicht Jeff Lynne einen neuen Höhepunkt seines kreativen Schaffens der vergangenen Jahre. 2015 hatte er zur großen Freude seiner Millionen Fans auf der ganzen Welt mit dem Album "Alone In The Universe" eine 14-jährige Pause beendet und war ins Tour-Business zurückgekehrt. "'Aus dem Nichts' - genau daher kamen die Songs", strahlt er angesichts der neuen Musik und legt einmal mehr jene Freude an den Tag, mit der er seit seiner Rückkehr ins Musikbusiness zu Werke geht. Wie beim Vorgänger "Alone In The Universe" zeigt sich Lynne auch auf "From Out Of Nowhere" in Topform: ob in seiner Rolle als Songwriter, Musiker oder Produzent. Erneut gelingt es ihm, im Rahmen seines legendären Signature Sounds neue Facetten aufzutun, sein überall auf der Welt heiß geliebtes musikalisches Erbe fortzuführen und dennoch klanglich neue Wege zu beschreiten. Abermals spielt er fast jede Note selbst - von den Gitarren und Bässen über Klavier, Schlagzeug und Keyboards bis hin zum Vibraphon, außerdem singt er alle Lead- und mehrstimmigen Harmonie-Vocals. Steve Jay, der Lynne als Engineer bei den Aufnahmen zur Seite stand, steuerte einige Percussion-Parts bei.

Das Album wird von einer neuen, wenn man so möchte, "elektrischen" Energie-Quelle gespeist. Es ist die Energie, die durch seine Rückkehr ins Tourleben freigesetzt wurde. Seine erste Konzertreise seit 1985 führte ihn u.a. nach Großbritannien, Europa und Nordamerika, wo er überall von euphorischen Fans empfangen und gefeiert wurde. "Das Publikum war fantastisch", erklärt er. "Es gibt einem ein unglaubliches Gefühl, nachdem man es einmal aufgegeben hatte und man dann irgendwann feststellt, dass man es wiederhaben kann. Es ist großartig, wenn man auf die Bühne geht die Reaktionen der Leute mitbekommt. Einfach nur toll."

Das Hochgefühl, wieder auf Konzertbühnen zu stehen, ist ganz besonders in zwei Songs spürbar. Der Rocksong "One More Time" (Pianist Richard Tandy brilliert hier in bestem Little-Richard-Modus) handelt davon, "wieder zusammen auf Tour zu sein, rauszugehen, abzuliefern und diese harte Arbeit zu tun", erklärt er. Der Song "Time Of Our Life" erinnert an die triumphale Show vor 60.000 Fans im Londoner Wembley-Stadion im Jahr 2017, die in Form des grandiosen Konzertfilms "Wembley Or Bust" dokumentiert wurde. "Dieser Song lässt den Tag noch einmal Revue passieren", sagt er. "Man bekommt hautnah mit, wieviel Spaß es gemacht hat. Ich habe die Zuschauer ein wenig mit eingebaut - und zwar die Stelle, an der ich [den ELO-Klassiker] "Telephone Line" singe und alle mit einstimmen."

Der Geist von Freude und Hoffnung ist die Basis für das gesamte Album, ob in Form ungezwungener Heiterkeit oder nachdenklicher Wehmut. Das wird bereits im Titelsong deutlich, der den Auftakt des Albums bildet, in dem der Erzähler einen niedergeschlagenen Eindruck macht und auf der Suche nach Erlösung ist. Und doch drückt der Song mit seinen üppigen, vielschichtigen Sounds, für die Lynne so bekannt ist, ein echtes Gefühl der Hoffnung und des Optimismus aus. Es ist ein Thema, das das gesamte Album durchzieht, auch in den wehmütigsten Momenten.

"Jeder braucht etwas Hoffnung", sagt Jeff Lynne. Eine Message, die sich auch im nächsten Song "Help Yourself" findet. "Dieser Song handelt von jemandem, der sich selbst nicht hilft", erläutert er. "Doch wenn du es tust, dann wird etwas mit dir passieren. Und deswegen sage ich: raff dich auf und hilf dir selbst, und warte nicht auf die Hilfe von anderen - denn die kommt möglicherweise nicht."

Der Song "Down Came The Rain" mischt ebenfalls Freude mit Melancholie, mit einem sehr melodischen Einschlag, der ihn, wie er sagt, fast an einen Kinderreim erinnert, zugleich simpel und tiefgründig. Und nirgendwo erstrahlt dieser Spirit heller als bei den offenherzigen Songs "All My Love" und dem Abschlusssong des Albums, "Songbird".

Lynne besteht zwar darauf, dass das Finden der richtigen Wortwahl der schwierigste Teil des Songwriting-Prozesses ist - der Song "All My Love" mit wunderbaren poetischen Wendungen wie "I wandered through the streets of yesterday" straft ihn allerdings Lügen. "'All My Love' war einer der ersten Songs, die ich für das Album geschrieben habe", erinnert er sich. "Was ich daran mag, ist die Tatsache, dass man nicht wirklich sagen kann, um wen es geht. Es könnte jeder sein: seine Freundin, seine Frau, seine Tochter - einfach jeder. Der Song hat eine sehr sanfte Seite und er ist sehr bedeutsam".

Über den Song "Songbird" hat Lynne eine liebenswerte Geschichte parat: "'Songbird' fiel mir in letzter Minute ein, als ein Singvogel sich unter einem Überhang unseres Daches einnistete", sagt er. "Die kleine Taube kam an, baute ihr Nest und legte Eier. Wir sahen die Eier nicht, nur die Küken. Sie waren in Windeseile geschlüpft und schauten heraus, als wenn sie sagen würden: 'Gib uns ein paar Maden!'. Die Mutter kam zurück und sie verschlangen diese Samenkörner, oder was auch immer sie mitgebracht hatte."

Das war die Inspiration für eine Wendung mit Happy End. "Es war eine Freude, einen Song zu schreiben, in dem das Mädchen zurückkommt und nicht wie sonst immer fortgeht. So wie in Blues-Songs, da ist das Mädchen am Schluss immer weg, auch in allen Roy Orbison- und Del Shannon-Liedern. Aber in diesem kommt sie nach Hause, und sie bleibt auch dort. Es war eine ganz neue Art von Blues-Song für mich, ein glücklicher - anstatt wie üblich ein trauriger." "Ich schrieb den Song sofort, als die Tauben eingezogen waren. Und ich spielte ihren kleinen Song auf der Gitarre, es ist Teil des Solos. Es sind nur drei kleine Noten, aber es ist sehr niedlich."

Andere Stücke auf dem Album machen wiederum einfach nur großen Spaß, ganz besonders "Sci-Fi Woman", das mit einem pfiffigen Wortspiel über einer Frau aufwartet, die von der Fülle spekulativer Fantasien im Fernsehen und im Internet besessen ist.

Der Shuffle-Song "Goin' Out on Me" weckte bei Lynne liebevolle Erinnerungen an seinen Vater und die Musik, die er während seiner Kindheit in Birmingham mit ihm hörte. "Es ist wie eine Art alte 'Tanzhallen-Nummer'", sagt er. Ich hatte einfach Lust, das auszuprobieren. Es weckt Erinnerungen an die Sachen, die mein Vater hörte. Er liebte die ganzen alten Sachen - Bing Crosby und all das. Sarah Vaughan war seine Lieblingssängerin. Viele großartige Sänger".

Kein Zweifel - Lynne schwelgt geradezu in dem kreativen Prozess, neues Material zu schreiben und aufzunehmen, genauso wie er es genoss, wieder aufzutreten. "Ich spiele alle Instrumente und singe alle Vocals", sagt er. "Die Lead- und Backing-Vocals, die ich sehr gerne mache. Das ist mein Lieblings-Part, die Harmonien. Und wenn man die Riffs und ein bisschen Klavier spielt, all das macht so viel Spaß, sich Sachen auszudenken dann auszuprobieren, ob alles funktioniert - bis spät in die Nacht, bis Mitternacht oder zwei Uhr morgen - und das hat es dann auch wirklich, denke ich."

Jeff Lynne hat die Arbeit im Studio immer geliebt, doch es sind insbesondere jene Produktionen, denen er sich widmete, als er das Touren aufgeben hatte, die ihn aus heutiger Sicht immer noch in Staunen versetzen. Nachdem er 1985 das Thema "Live-Konzerte" ad acta gelegt hatte, konzentrierte er sich aufs Produzieren und konnte mit einigen der größten Persönlichkeiten der modernen populären Musik arbeiten - allesamt persönliche Helden von ihm. Die Liste seiner Produktions-Credits liest sich nach wie vor unglaublich: Brian Wilsons erstes Soloalbum, George Harrisons "Cloud Nine" und posthum "Brainwashed", Duane Eddys "Duane Eddy", Tom Pettys "Full Moon Fever" und "Into the Great Wide Open", Ringo Starrs "Time Takes Time", Roy Orbisons "Mystery Girl" und Paul McCartneys "Flaming Pie".

Und natürlich tat er sich mit Harrison, Orbison, Petty und Bob Dylan zusammen, um die Traveling Wilburys zu gründen, mit denen er 1988 das Album "Vol. 1" und nach Orbisons Tod das Album "Vol. 3" (1990) veröffentlichte. Darüber hinaus wurde er Mitte der Neunziger von Harrison, McCartney und Starr hinzugezogen, als es darum ging, aus John Lennons Homerecording-Tapes die Songs "Free As A Bird" und "Real Love" zu erarbeiten.

"Ich habe wirklich mit allen zusammengearbeitet, mit denen ich zusammenarbeiten wollte", sagt er mit einem Gesichtsausdruck, als wenn er es selbst nicht recht glauben könnte. "Und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht". Doch es waren die Produktionen seiner eigenen Alben und die Rückkehr ins Tourbusiness, die seine Akkus schließlich wieder voll aufluden.

Der Auftakt der neuerlichen Live-Aktivitäten begann, als Lynne 2014 eine Setlist für ein BBC2 Konzert zusammenstellte, das vor mehr als 50.000 Zuschauern im Londoner Hyde Park stattfinden sollte. Der Auftritt bereitete ihm derart große Freude, dass er den Entschluss fasste, wieder richtig auf Tour zu gehen - ermutigt durch die Verlässlichkeit neuer Technologien und einer großartigen Schar von Musikern, die er zusammenstellte, um die Musik in ihrer vollen Pracht zu präsentieren.

Seitdem waren Jeff Lynne's ELO mehrfach in Europa und Nordamerika unterwegs, spielte u.a. ausverkaufte Shows in berühmten Venues wie der Radio City Music Hall in New York, acht Abende in der O2 Arena in London, ein Auftritt als Headliner des Glastonbury Festivals 2016, drei spektakuläre Feuerwerk-Shows in der Hollywood Bowl und ein Spektakel vor 60.000 Fans im Wembley Stadion. Es folgte eine ausgedehnte Arena-Tour durch die USA im Jahr 2018, sowie weitere zwanzig Konzerte in Nordamerika im vergangenen Sommer.

Mit mehr als fünfzig Millionen verkauften Alben zählen ELO zu den erfolgreichsten und beliebtesten Bands ihrer Ära mit 26 Top 40-Hits in Großbritannien und weltweit mehr als fünfzig Millionen verkauften Tonträgern. In den USA stehen vier Top Ten-Alben in Folge, sieben Top 20-Platzierungen und eine Serie von Hitsingles zu Buche. Zwanzig Songs erreichten die US Top 40, sieben kletterten bis in die Top Ten. Und in Deutschland stehen fünf Top 10-Singles und sieben Top 10-Alben zu Buche.

Der Erfolg der zurückliegenden Tourneen zeigte klar und deutlich, dass die Anziehungskraft der Band nicht nur in einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Generation bestand bzw. besteht. Zu den Shows kamen drei Generationen begeisterter Fans, angefangen mit den langjährigen Anhängern, die die spektakuläre Serie an Hitsingles in den Siebzigern live miterlebten, über diejenigen, die dank des Evergreen-Status' der Band via Radio-Airplay in Kontakt mit der Musik von ELO kamen bis hin zu denjenigen, die erstmals durch die Verwendung ihrer Songs in Filmen wie "American Hustle" und "Guardians of the Galaxy 2" auf Jeff Lynnes geniale Songs aufmerksam wurden.

Der Moment, der all dies auf den Punkt brachte, trug sich auf der letzten Tour zu, als Lynne nach einer Show hinter der Bühne ein junges Mädchen traf, das einen Charity-Wettbewerb gewonnen hatte, um ihn zu treffen. "Sie hatte eine 'Gibson Les Paul' gewonnen und ich sollte die Gitarre für sie unterschreiben", sagt er. "Sie war so völlig aus dem Häuschen, mit mir in einem Raum zu sein. Ihre Schwester war dabei und es war einfach wunderbar zu sehen, wie glücklich sie waren. Ihr Vater war da und alle waren einfach ganz zauberhaft."

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