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Biographie

Melancholische Küsse für die traurig tanzende Seele

1996 gründete Frontmann Ville Hermanni Valo mit einigen Freunden im kleinen Hanselen Helsinki die Band HIM (= His Infernal Majesty), um seine persönliche Version von "Düsterrock mit Pop-Appeal" in die Tat umzusetzen. Kurz darauf veröffentlichten HIM das Debüt-Album "Greatest Lovesongs Vol. 666". Zwei Top-Ten-Singles und eine Album-Goldauszeichnung später schwappte die Hysterie über die Band auch nach Deutschland über. Die perfekte Synthese aus düsteren Klängen, die sich wohl am ehesten mit der schon sprichwörtlichen finnischen Melancholie und eingängigen Melodien erklären lassen, zündete gewaltig und katapultierte die Band in den Leser-Polls der einschlägigen Musikpresse weit nach vorne. Ville Valo, Frontmann und Hauptsongwriter in Personalunion, hatte nicht nur den Look, um bald darauf mit dem jungen Jim Morrison verglichen zu werden, sondern führte HIM auch souverän durch zwei Deutschland-Tourneen. Das exzessive Touren stellte die junge Band vor eine erste Zerreißprobe - Ville sagt rückblickend: "Erst unter extremen Bedingungen, wie sie während einer Tour üblich sind, merkt man, ob eine Band richtig funktioniert oder nicht. Wir standen plötzlich vor dem Problem, den Drummer und den Keyboarder ersetzen zu müssen."

Das Problem wurde jedoch schnell gelöst. Juska - ein bisher kaum in Erscheinung getretener Musiker - besetzte den vakanten Posten des Keyboarders, und mit Gas Lipstick (ex-Kyyria) klemmte sich ein echter Haudegen der Helsinki-Szene hinter die Drums. Das Quintett machte sich daran, das zweite Album aufzunehmen, um einige Monate später der überraschten Presse zu verkünden, dass man die Scheibe komplett neu einspielen wolle. Eine Entscheidung, die Ville heute folgendermaßen erklärt: "Wir hatten das Gefühl bei weitem nicht das Optimum herausgeholt zu haben. Vielleicht lag es an uns selbst, vielleicht lag es aber auch an der Jahreszeit, in der wir die Scheibe aufgenommen hatten. Der Winter ist in Finnland einfach zu bedrückend, als dass man sich seiner Kraft entziehen kann. Ich glaube, deshalb klangen die Songs in ihren Endversionen zu depressiv, zu ausufernd ...". Einige Monate später verschanzten sich HIM wieder im Studio. Diesmal unter der Anleitung von Soundtüftler John Fryer ( NIN, White Zombie, Depeche Mode), der dem Quintett einen zusätzlichen Push verschaffte. "John hat uns die Augen geöffnet, denn er ist an unser Material völlig unbefangen herangegangen und hatte keine Erwartungshaltung. Er hat sich darauf konzentriert, unsere Stärken voll zum Tragen zu bringen und uns wertvolle Tips gegeben. Der Typ ist ein absoluter Vollprofi." Und das Album "Razorblade Romance" ist ein Volltreffer.

Der Erfolgsreigen von "Razorblade Romance" beginnt im November 99 - 3 Monate vor der Veröffentlichung des Albums - mit der Single "Join Me". Der Track wurde als Titelsong für den deutschen Sprachraum für den Science-Fiction-Thriller "13th Floor" von Roland Emmerich ausgewählt. Der Song entpuppt sich als kleine Gothic-Rock-Oper und klettert in den Charts bis ganz nach oben. Auch das Album schlägt ein wie eine Bombe. "Razorblade Romance" hält sich über ein Jahr in den Charts, enthält vier Single-Hits, wird dreifach mit Gold, mit zwei Zuschauer-Cometen von VIVA und einer Echo-Nominierung gekrönt. HIM toppen ihr Debütwerk. Zwar hat sich das Erfolgskonzept, die Kombination aus harten Gitarren und melancholischen Melodien nur in Nuancen geändert, aber die Band ist ihrer Vision von Goth'n Roll erstaunlich nahe gekommen. Unter dem Motto "weniger ist manchmal mehr" kann man das Arrangement der Strophen von "Gone With The Sin" beschreiben. Eine sphärische Fläche umhüllt die Zeilen, die Ville Valo gesanglich genauso interpretiert, wie er es in seinem Statement über diese Ballade beschreibt: warm und zerbrechlich. Die Refrains haben fast einen hymneartigen Charakter, die Melodie setzt sich bereits nach einmaligem Hören in den Köpfen der Leute fest. "Gone With The Sin" ist Villes Lieblingssong und für ihn selbst das ehrlichste und wahrhaftigste Liebeslied, das er je geschrieben hat.

Im Juli 2001 melden sich HIM zurück - wieder mit einem Liebeslied. Mit dem wunderschön-düsteren "Pretending" Vielleicht ist es einfach wunderschön und düster, weil in der Dunkelheit das Schöne am stärksten leuchtet, vielleicht auch, weil sich so die harten Gitarren und die melancholischen Melodien am besten verbinden lassen. Ville Valo lässt Gefühle sprechen und spricht davon, Gefühle zu zeigen. "Pretending" lieferte den ersten Vorgeschmack auf das Album "Deep Shadows And Brilliant Highlights" und landete in den Top 10 der Charts. Der Titel des Albums ist Programm und passt ins Universum von His Infernal Majesty - alles dreht sich um Liebe, Tod und Sünde. Mit dem neuen Album schlagen die fünf Finnen nicht nur ein neues Kapitel in ihrer Erfolgsgeschichte auf, das Album zeigt unentdeckte Facetten in ihrem Sound. Facetten, die alle Facetten der Rockmusik abdecken. Ville Valo: "Die metallischen Elemente haben sich verringert, die Rock-Riffs zugenommen. Im Grunde sind wir nicht weit von dem entfernt, was Monster Magnet tun. Das Material ist simpler gehalten, kommt aber umso mehr auf den Punkt. Ich hoffe schon, die Zuhörer mit dem neuen Material ein wenig überraschen zu können. Es wäre sowohl für uns, als auch die Fans langweilig, wenn wir zehn Neuauflagen von "Join Me (In Death)" veröffentlichen würden."

Ein musikalisches Konzept, das mit Erfolg gekrönt ist: "Deep Shadows And Brilliant Highlights" landet auf Anhieb auf Platz zwei der deutschen Charts, wird bereits zwei Tage nach Veröffentlichung vergoldet und beschert den Finnen neben dem VIVA-Zwei-Comet-Zuschauerpreis eine Nominierung für den Echo 2002, dem deutschen Schallplattenpreis, in der Kategorie Metal/Alternative/Rock. Die Konzertsäle brachen wieder auseinander, die Stadien lagen den finnischen Giganten einmal mehr zu Füßen. Große Erfolge, die riesige Schatten werfen - doch anstatt sich diesem Druck auszusetzen, lieferte sich Ville Valo vorbehaltslos seinem größtem Gut aus: der Kreativität. Es galt das vierte Album anzugehen.

"Wir hatten keine Ahnung, wo uns das letzten Endes hinführen würde. Ob beknackte psychodelische Musik dabei herauskam oder der gemeinste Metal-Motherfucker, den die Menschheit jemals kennen gelernt hat", grinst Valo. "Aber es war echt klasse. Wir haben die Elemente, die wie selbstverständlich da waren nur integriert und sind von da aus gestartet. Mit ziemlich mittelmäßigem Erfolg natürlich ..." Die letzte ironisch gemeinte Bemerkung zeigt, dass Valo & Co. zufrieden sind - in der Tat sind sie ungeheuer stolz "Love Metal", das ab 14. April 2003 in den Läden steht. Hört euch nur mal diese neue Art Eindringlichkeit an, die Songs wie "Buried Alive By Love" und "Soul On Fire" verkörpern. Dieser tiefe dunkle Groove von "Sweet Pandemonium", die schieren spirituellen Qualitäten von "The Sacrament" und "Circle Of Fear". Die unschuldige Schönheit der ersten Singleauskopplung "The Funeral Of Hearts". Das Fegefeuer im epischen Schlussstück "The Path" - summa summarum: betrachtet den Begriff "Love Metal" als definiert. "Der Sommer der Liebe '67 wird vom Metal der Welt nach Altamont zerquetscht," lächelt Valo verschmitzt. "Und alles geschieht hier und jetzt! Im Jahre 2003."

Die Entstehung von "Love Metal" lief zweidimensional ab. Hiili Hiilesmaa, Produzent des allerersten HIM-Albums im Jahre 1997, nahm das Album in Helsinki auf. Hiilesmaa ist bekannt für seine Arbeit mit ziemlich kompromisslosen Metalbands (Sentenced, Moonspell, Amorphis, Theatre Of Tragedy...), und so lässig er auch nach außen hin sein mag, in gewissen Dingen ist er ein absolut harter Hund. Niemand überlebt seine Sitzungen, wenn er beim Innere-Einstellung-Check durchfällt! "Was mich an Hiili immer so fasziniert hat, ist seine manische Herangehensweise an den Aufnahmeprozess. Der Kerl ist nichts anderes als die Antwort des Metal auf Lee Scratch Perry aus der Abteilung Reggae: Der verrückte Wissenschaftler! Einer, der es stets wagt, mit Sachen zu experimentieren, die andere leichthin als verrückt oder lächerlich abtun."

Die zweite Dimension begann mit einer Reise über den Ozean. Der nächste Halt waren die Scream Studios in Los Angeles. Geburtsort von Nirvana's "Nevermind", Faith No More's "The Real Thing" und zahlloser anderer moderner Klassiker. Das Album wurde dort von Tim Palmer abgemischt, dessen Arbeit, insbesondere mit U2, Valo's Aufmerksamkeit erregte. Ein bisschen überraschend, dieser Zug? "Ja und nein. Die Musik von U2 als Ganzes ist eigentlich nicht mein Ding, das stimmt. Auf der anderen Seite haben sie Songs wie "One" und "With Or Without You", die dem sehr nahe kommen, was ich erreichen möchte, weißt du, von der Melodie, den Texten und dem Gefühl her. Jedoch stets mit meiner eigenen, soll ich sagen, David-Lynch-Note", enthüllt Valo. "Tim hat klasse gearbeitet, indem er alle versteckten Schätze in unserer Musik zutage förderte. Ich konnte mich einfach entspannt zurücklehnen mit der Fliegenbrille auf meinem Gesicht, die Bono im Studio zurückgelassen hatte, und zuhören, wie sich die Musik irgendwie vor meinen Ohren auflöste."

Es war also, als ob ein Stück Winterwahnsinn aus Helsinki nach Venice Beach übergeschwappt wäre. Oder vielleicht ein Fall von L.A. Smog vs. Mitternachtssonne (mit ein paar englischen Regengüssen sicherheitshalber gratis dazugegeben, angesichts der Tatsache, dass Mr. Palmer in der Tat Brite ist). Ein Zusammenprall von Licht und Dunkelheit. Egal was es war, die verschiedenen Elemente ergänzen einander wunderschön. Das Endergebnis ist ein pulsierendes Zusammenspiel von Riffs, die euch ins Gesicht springen, schweren Beats und süßen beseelten Melodien. "Ich bin immer noch ziemlich verblüfft, wie leicht es letztendlich war, dieses Album fertig zu stellen," bekennt Valo. "Dann wiederum wissen wir alle, dass Elvis dafür verantwortlich ist. Ich denke, der Mann ist von uns gegangen, um uns die Last von unseren Schultern zu nehmen."

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