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Biographie

George Michael 1963 - 2016

Seit er 1982 mit der beinahe revolutionären Ausgelassenheit von "Wham! Rap (Enjoy What You Do)" in unser Leben getreten ist, hat George Michael sich zu einem internationalen Künstler von Weltrang entwickelt. Er hat in einer Welt, in der die Population von Deutschland 80 Millionen und die von Großbritannien 63 Millionen beträgt, 120 Millionen Alben verkauft. Er hat die Charts von Österreich bis Australien angeführt. Er hat Stadien von Tokio bis Tampa ausverkauft. Mit seinem Solo-Album "Faith" aus dem Jahr 1987 hat er Popmusik neu definiert und anschließend ein bedeutendes und extrem erfolgreiches Gesamtwerk aufgebaut.

Vielleicht aber ist Radlett, eine Pendlerstadt mit 60.000 Einwohnern nord-westlich von London, eigentlich der Anfang von allem - der Ort, an dem einige Szenen aus Stanley Kubricks "A Clockwork Orange" gedreht wurden. Hierhin ziehen der junge Georgios Kyriacos Panayiotou (geboren am 25. Juni 1963) und seine liebevolle, eng verbundene Familie mit griechisch-zypriotischen und englischen Wurzeln von ihrem ersten Wohnort in North London. Wie Teenager überall auf der Welt, träumten auch George und sein bester Freund Andrew Ridgeley, ebenfalls Schüler an der Bushey Meads Comprehensive School, davon Popstars zu werden und groß rauszukommen: "Ich wollte geliebt werden", gibt George zu. "Es ging darum, unser Ego zu befriedigen." Aber tief im Inneren wussten die beiden Träumer, dass es nicht klappen würde. So etwas passiert einfach nicht.

Tatsächlich passieren diese Dinge manchmal doch und als Wham! war das Duo in der Lage, die frühen 80er einzufangen und haltbar zu machen. Von dieser ersten bis zu ihrer letzten Single, dem 1986er "The Edge Of Heaven/Where Did Your Heart Go", verkauften sie insgesamt 25 Millionen Platten und trennten sich am 26. Juni 1986 vor 72.000 Menschen im Wembley Stadium, während ihre Freundschaft am Ende noch genauso stark war wie am Anfang ihrer Karriere. Wham! sind nie gealtert und haben ihr Ausrufezeichen nie eingebüßt und George konnte sogar währenddessen, nämlich schon 1985, den ersten von insgesamt drei Ivor Novello "Songwriter Of The Year"-Awards in Empfang nehmen. Wham! hatten zwei US-No.1-Singles und ein No.1-Album namens "Make It Big", mit denen sie ihren Bushey-Meads-Träumen ein Denkmal gesetzt haben. Sie waren die erste westliche Band, die in China auftrat, und mit der Performance von "Do They Know It's Christmas" bei Band Aid und dem Entschluss, alle Wham!-Royalties aus dem Release der "Last Christmas/Everything She Wants"-Single an die Äthiopische Hungerhilfe zu spenden, begann Georges langjähriges und glücklicherweise weitestgehend undokumentiertes Engagement für Wohltätigkeitsarbeit.

Schon als Wham! auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs waren und George mit Freund und Sparringspartner Elton John parallel an "Nikita" und "Wrap Her Up" arbeitete, war abzusehen, dass Georges Zukunft die eines Solokünstlers war. Seine neuen, reiferen Songs waren zu weltlich, zu erwachsen, um in das Format eines Gute-Laune-Duos zu passen. Genau genommen hatte er sich bereits 1984 mit einem Song, den er als 17-jähriger Teenager ("Ziemlich altkluger Text!", scherzte er später) im Bus auf dem Weg nach Hause geschrieben hatte, in Solo-Gewässer gewagt.



"Careless Whisper" (in den USA lauten die Credits "Wham! Featuring George Michael") lieferte nicht nur eine der ganz großen Textzeilen der populären Musik, "guilty feet have got no rhythm", sondern zeigte auch, dass George mehr drauf hatte als den kurzfristigen Spaß von "Wake Me Up Before You Go-Go" und "Young Guns (Go For It)". "Careless Whisper" stürmte auf Platz 1 in Amerika und führte unter anderem die Charts in Australien, Kanada, Frankreich, Holland, Italien Irland, Südafrika, Großbritannien und der Schweiz an.

Wie um zu beweisen, dass "Careless Whisper" kein Zufallstreffer gewesen war, toppte Georges zweite Solo-Single "A Different Corner" die britischen Charts noch bevor Wham! ihren Abschied nahmen und enterte die Top Ten in den USA, Australien, Österreich, Deutschland, Holland, Irland und der Schweiz. Man musste also wirklich kein Wahrsager sein, um die Zukunft vorauszusehen.

Seine erste Visitenkarte nach Wham! war allerdings gar kein Alleingang. Stattdessen war George der erste weiße Sänger, der ein Duett mit Aretha Franklin bestritt, die er als "die beste weibliche Soulsängerin der Welt" bezeichnete. Und das, kurz nachdem er im weltweit führenden Soul-Venue, dem Harlem's Apollo Theater, an der Seite von Stevie Wonder das wunderbare "Love's In Need Of Love Today" gesungen hatte. Das magische, lebensbejahende und Grammy-dekorierte "I Knew You Were Waiting (For Me)" schoss auf beiden Seiten des Atlantiks, in Australien, Irland und Holland auf Nummer 1.

Dann, kurz nachdem George auf dem gleichnamigen Album der Ex-Sängerin von Shalamar, Jody Watley, gesungen hatte, erschien der Klassiker schlechthin - das bahnbrechende "Faith" und toppte letztendlich die Charts in Großbritannien, den USA, Australien, Irland und Holland, bevor es 10-fach Platin in den USA und 5-fach Platin in Großbritannien meldete. "Faith" wurde 1987 in den Puk Studios im dänischen Jütland (aus steuerlichen Gründen, George sehnte sich währenddessen nach Zuhause) und dem Sarm West Studio 2 in West London aufgenommen. Im Oktober desselben Jahres veröffentlicht, sollte es diejenigen, die wegen des eindeutigen Stils und Auftretens von Wham! den Verdacht gehabt hatten, dass es keinen echten Tiefgang haben würde, überraschen.

"Faith" ist das Album, das George - mit Ausnahme des Songs "Look At Your Hands", bei dem David Austin, sein lebenslanger Freund aus Kindertagen einen wichtigen Beitrag leistete - komplett im Alleingang geschrieben, produziert und arrangiert hat. Es ist dasjenige, das sich insgesamt 12 Wochen an der Spitze der US-Charts hielt und vier seiner sechs US-#1-Hits hervorgebrachte: den Titelsong "Faith", "Father Figure", "One More Try" und "Monkey".

Als britisches Pendant zu "Thriller" gefeiert, verkaufte sich "Faith" allein in den USA mehr als 10 Millionen Mal (und landete weltweit in knapp 25 Millionen Haushalten) und vollzog George Michaels Wandlung vom globalen Teenie-Idol zum erwachsenen Weltstar und prägte währenddessen nicht nur die Redewendung 'doing a George Michael', die er selbst allerdings überhaupt nicht gerne hörte, sondern ebnete auch den Weg für die außergewöhnlichen Highlights, die folgen sollten.

"Faith" führte auch dazu, dass das Michael'sche Kaminsims vor Awards förmlich durchzubrechen drohte: Dort stand ein Grammy für das "Album Of The Year" und gleich drei American Music Awards für das "Favorite Album Soul/R&B", den "Favorite Male Vocalist Soul R&B" und den "Favorite Male Vocalist Pop Rock". Dazu gesellten sich ein MTV Award für "Father Figure" (Beste Regie) und zwei Ivor Novello Awards für den "Songwriter Of The Year" und den "International Hit of the Year".

Für einen Sturm im Wasserglas und kontroverse Diskussionen sorgte "I Want Your Sex", seine Ode an die Monogamie: "Ich bin davon ausgegangen, dass die BBC den Song aus dem Programm nehmen würde", gestand George. "Ein paar Wochen lang war ich der Antichrist". "Faith" lieferte Funk in der kettenrasselnden Drogenmissbrauchs-Saga "Monkey", Entsetzen in "Look At Your Hands", einem Song über Gewalt in der Ehe, und außergewöhnliche Schönheit - sowohl in "Father Figure", dem No.1-Hit in Kanada "Kissing A Fool" und der irischen Nummer 1 "One More Try" - das Georges Favorit aus der ganz besonderen Reihe von Songs war. Mit "Hand To Mouth" gab es sogar einen politischen Aspekt, denn der Song lässt sich als Absage an die Thatcher-Politik lesen. So erstaunlich es damals schon schein, so erstaunlich ist es bis heute: Er war erst 24 Jahre alt, als er all das schrieb. Es war allerdings nicht so, dass er besonders glücklich war: "Einer der Gründe für den Erfolg des Albums", reflektierte er 2010, "war, dass die Leute die Einsamkeit in den Songs wiedererkennen."

Der Erfolg von "Faith" ermöglichte die legendäre "Faith"-Tour, in deren Rahmen George Stücke von Wham!, Solo-Material und die eine oder andere Coverversion spielte. Zwischen Februar 1988 und Juni 1989 tourte er durch 19 Länder und spielte 137 Konzerte, die Choreographien stammten von Paula Abdul und beim Nelson Mandela Freedom Concert im Wembley Stadion spielte er ein zusätzliches Set aus drei Coversongs. Das fantastische Spektakel trug natürlich dazu bei, dass im Jahr 1988 in den USA niemand anderes so viele Platten verkaufte wie George. "Ich habe noch nie einen widerwilligen Star getroffen", gab er mit demselben Enthusiasmus zu, mit dem er auch seinen unstillbaren Ehrgeiz eingestanden hatte. Er nahm den prestigeträchtigen Brit-Award in der Kategorie "Best British Male" in Empfang und wirkte sowohl am "Spell"-Album seines Bassisten Deon Estus als auch am sagenumwobenen Projekt Boogie Box High mit.

Abgesehen von der Würdigung seiner bisherigen Karriere durch einen Video Vanguard Award bei den MTV Europe Video Music Awards, nahm George sich 1989 frei, "um den Kopf frei zu bekommen." Nach der Pause stellte er im September 1990 sein zweites Soloalbum "Listen Without Prejudice Vol. 1" vor. Der Titel des Albums war übrigens nicht als Appell gemeint, sich seine Songs ohne Vorurteile anzuhören: So egozentrisch war er beileibe nicht. Die Stimmung war noch immer düsterer und erwachsener, aber das hielt seine britischen Fans nicht davon ab, das Album auf Platz 1 der Charts zu befördern. In den USA stieg "Listen Without Prejudice Vol. 1" gleich hinter MC Hammer auf Position 2 ein, was keine Schande war: Der Rapper mit den überdimensionalen Hosen war ein klasse Sprinter, aber George schon immer ein Mann für die Langstrecke.


Es folgten weitere Hit-Singles, ein Brit-Award für das "Beste Album" brachte das Kaminsims weiter zum Ächzen und seine Videos zeigten alles, nur - seinem Bedürfnis nach Frieden und Privatsphäre folgend - nicht George selbst. Hingerissen von einem Vogue-Cover von Herb Ritts, wurden für das Video zur dritten Single des Albums, "Freedom '90", die Models Christy Turlington, Cindy Crawford, Naomi Campbell, Linda Evangelista und Tatjana Patitz verpflichtet. Unter der Regie des späteren "The Social Network"-Regisseurs David Fincher wurden diese fünf nach ihrem Auftritt im Video zu Supermodels, die man nur noch unter ihren Vornamen kannte. George Michael mag für die Musik verantwortlich gewesen sein, aber er hat immer darauf bestanden, dass gute Musik sich von allein verkauft - und, wie um seine musikalische Entwicklung zu festigen, Englands prestigeträchtigste Kunst-TV-Show, die "South Bank Show", widmete ihm eine ganze Sendung.

Sein Bedürfnis, die Dinge immer etwas anders zu machen, galt auch, als George sich 1991 wieder Liveshows zuwandte. Die "Cover To Cover"-Tour hielt, was der Titel versprach: Sie war ein schwindelerregender, vor Coversongs nur so strotzender Kracher, in dessen Rahmen er Stevie Wonders "Living For The City", "Killer" von Adamski, Leonard Cohens "Suzanne" und - vielleicht am bemerkenswertesten - Elton Johns "Don't Let The Sun Go Down On Me" präsentierte. Die auf der "Faith"-Tour aufgenommene Duett-Version von "Don't Let The Sun Go Down On Me" zwischen Elton und George war die nächste Nummer 1 in Großbritannien, den USA, Frankreich, Holland und der Schweiz. Die Einnahmen gingen an das Aids-Hospiz London Lighthouse und die Kinderhilfsorganisation Rainbow Trust.

Kurz darauf nahm ein anderes Charity-Projekt, die Red Hot Organisation, seine stets vorhandene Hilfsbereitschaft an: Das 1992er "Red Hot + Dance"-Album der Aids-Forschungsstiftung Red Hot Foundation war ein Benefiz-Release, auf dem größtenteils Remixe von Songs von Künstlern wie Madonna oder Lisa Stansfield waren. George dagegen stellte gleich drei ganz neue Songs zur Verfügung, unter anderem das treffend betitelte "Too Funky". Sich der Sache komplett verschreibend, trat er, wenn auch nur kurz, im dazugehörigen Video auf und auch dieser Track ging weltweit in die Top 10.

Obwohl sich der kräftezehrende Rechtsstreit mit seiner Plattenfirma Sony Music bereits anbahnte, hatte George weiterhin Livesongs in den Charts und Wohltätigkeitsarbeit im Kopf. Die 1993er "Five Live"-EP lieferte grandiose Versionen von Queens "Somebody To Love", aufgenommen mit Queen beim "Freddie Mercury Tribute Concert" (Brian May hatte den Auftritt zur besten Performance des Abends erhoben) und "Papa Was A Rollin' Stone". Das Video zur Letzterer gewann den "International Viewers' Choice"-Award bei den MTV EMAs. Diesmal gingen die Einnahmen an den "Freddie Mercury Phoenix Trust", und am Welt-Aids-Tag desselben Jahres trat George als Headliner des "Concert Of Hope" unter anderem vor der Princess Of Wales in der Wembley-Arena auf.

Im November 1994 meldete sich George bei den MTV European Music Awards in Berlin mit dem atemberaubenden "Jesus To A Child", dem ersten eigenen Song seit drei Jahren, zurück.

Obwohl mit sieben Minuten Länge alles andere als radiotauglich, wurde auch "Jesus To A Child" zum #1-Hit in den britischen Charts (wie auch in Australien, Irland und Norwegen) und schaffte es in den USA erneut in die Top 10.

Seine Abwesenheit hatte die Zuneigung der Öffentlichkeit nur noch weiter steigen lassen. Im Januar 1995 wurde "Careless Whisper" von den Hörern von Capitol Radio zu Londons Lieblingsplatte aller Zeiten und George selbst zum "Best Male Singer" gewählt. Außerdem bekam er als meistgespielter Künstler im britischen Radio den Preis für seine "Outstanding Contribution To Music".

Als George sein einstiges Label Sony offiziell verlassen und außerhalb der Vereinigten Staaten einen Vertrag mit Virgin Records (in den USA: DreamWorks) unterzeichnet hatte, veröffentlichte er im Mai 1996 sein drittes Soloalbum "Older". Er beschrieb das Album, das zu jener Zeit - also bevor es die Spice Girls gab - das sich am schnellsten verkaufende Album des Labels wurde, als "mein erstes vollkommen ehrliches Album". Musikalisch abenteuerlustig und textlich mutig, brachte "Older" die Rekordanzahl von sechs britischen Top-3-Singles hervor. Im selben Jahr gewann er den Preis als "Best British Male" sowohl bei den MTV Europe- als auch bei den Brit-Awards, nahm seinen dritten Ivor Novello Award als "Songwriter Of The Year" entgegen und verteidigte seinen Capitol-Radio-Titel als "Best Male Singer". "Fastlove" räumte bei den MTV Video Music Awards den "International Viewers' Choice"-Award ab, während sich "Older" 147 Wochen in den britischen Albumcharts hielt, nachdem es sie vorher natürlich angeführt hatte, genauso wie die Charts in Österreich, Australien, Norwegen, Holland und Schweden.

Irgendwie fand George die Zeit, den Song "Desafinado (Off Key)" - ein Duett mit der legendären Astrud Gilberto - für das "Red Hot + Rio"-Charity-Album aufzunehmen. Wie um sich selbst und alle anderen daran zu erinnern, dass er in kleineren Locations genauso glänzen konnte wie in Stadien, spielte er für Radio 1 eine intime Show vor nur 200 Menschen und für MTV eine Show vor 500 glücklichen Fans.

1997 erhielt George seine zweite Ehrung als "Best British Male" bei den Brits, dazu erschien eine Neuauflage von "Older", erweitert um die zweite CD "Upper", auf der sich vier Remixe, zwei neuere Stücke und interaktives Material befanden. Oh, und dann kam natürlich noch "If You Were There", das "Best Of" von Wham!: Die waren schon echt gut, oder?

Apropos Best Ofs: Im folgenden Jahr erschien "Ladies And Gentlemen, the Best of George Michael", bestehend aus zwei CDs. "For The Heart" und "For The Feet", waren einerseits ein umfassendes Karriere-Resumé und andererseits die Gelegenheit, ein paar grandiose Non-Album-Perlen zu veröffentlichen. Zu den drei neuen Tracks gehörten "Outside" mit einem extrem lustigen Video und eine Turbofahrt durch Stevie Wonders herrliches "As" an der Seite der stets brillanten Mary J. Blige. Die Compilation sicherte sich in Großbritannien insgesamt acht Platinauszeichnungen, eine ganze Nation feierte seine witzige Performance in der Talkshow "Parkinson" und George toppte neben den norwegischen Charts zum achten Mal die "Hall of Fame" von Capitol FM.

Ein weiteres Jahr, ein weiteres Kunststück: Georges Auftritt beim NetAid-Charity-Konzert im Oktober 1999 hatte eine Version von "Brother, Can You Spare A Dime" zu bieten, ein Stück aus der Feder von Yip Harburg und Jay Gorney. Im Dezember wurde der Klassiker aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise auf seinem Coveralbum "Songs From The Last Century" veröffentlicht. Das Album war eine Herzensangelegenheit und umfasste Georges Interpretationen einiger seiner Lieblingssongs wie Stings "Roxanne" und "Miss Sarajevo" von Passengers (also der Großteil von U2) - beide waren Singles, in deren Videos George nicht zu sehen war - sowie Klassiker wie "Secret Love", "You've Changed" und eine radikale Neu-Interpretation von "Wild Is the Wind" von Johnny Mathis, Nina Simone und David Bowie. Obwohl eher unter dem Radar, ging das Album in Deutschland Top 10 und wurde in Großbritannien mit Doppelplatin ausgezeichnet.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends nahm sich George ein paar Freiheiten von seinem unbarmherzigen Terminkalender. Dennoch sang er im Jahr 2000 beim Charity-Konzert "Equality Rocks" (dem bis dahin größten Konzert für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Lebensgemeinschaften) im Washingtoner RFK-Stadion und lieferte bei Luciano Pavarottis "Pavarotti And Friends"-Event in Modena eine so fantastische Performance mit "Brother, Can You Spare A Dime" ab, dass die italienischen Zeitungen hinterher der Meinung waren, dass George den Abend damit gerettet habe. In der Tat gehört jener Auftritt in Modena, zusammen mit seiner Darbietung von "Somebody To Love" beim "Freddie Mercury Tribute"-Konzert, zu den besten seiner Karriere. Die Aufnahme wurde später auf dem "Pavarotti And Friends For Cambodia And Tibet"-Album veröffentlicht und die beiden sangen außerdem "Don't Let The Sun Go Down On Me" als Duett ein. Auch in Sachen Studio-Aufnahmen blieb er nicht gänzlich abstinent und nahm gemeinsam mit Whitney Houston ihren Song "If I Told You That" neu auf.

2001 war beruflich ruhig, aber 2002 unterschrieb George dann bei Polydor Records. Bald war er Nummer 1 in Kroatien, Dänemark, Italien, Portugal und Spanien, und meldete sich mit dem super funky "Freeek!", seiner ersten eigenen Single seit "Outside" von 1998, in den britischen Top 10 zurück. Das Video von Joseph Kahn vereinte Sci-Fi-Elemente mit knisternder Erotik und war ein Grenzen erweiterndes Fest der Sinne, das George als Geschäftsmann, Wissenschaftler, Cowboy und in Leder gekleideten Hundeführer zeigte. Für sogar noch mehr Aufregung sorgte das satirische "Shoot the Dog", das The Human League sampelte, und in dessen animiertem Videoclip Seitenhiebe in Richtung George Bush, Tony Blair und David Seaman verteilt wurden. Dabei hätte die Botschaft des Songs kaum ernster sein können: Obgleich manche darüber spotteten, erhob George damals alleine und mutig die Stimme und sprach sich gegen den Irak-Krieg aus. Es hat sich herausgestellt, dass er Recht behalten hat.

2003 verbrachte er hauptsächlich damit, das mit Spannung erwartete "Patience" fertigzustellen, nichtsdestotrotz brachte er noch einen Beitrag für das Charity-Album "War Child" (und den damit verbundenen Auftritt bei "Top Of The Pops") unter, eine düstere Version von Don McLeans Antikriegssong "The Grave".


Acht Jahre nach dem letzten Album mit eigenem Material, im Musikbusiness eine halbe Ewigkeit, fragten sich selbst eingeschworene Fans, ob er noch die alte Magie hatte - und das obwohl er mittlerweile wieder bei seinem alten Label Sony unter Vertrag war. Die Sorgen waren unbegründet.

Die ausgelassene Single "Amazing" kündigte ein großes Fest an. Und das wurde es auch: "Patience" ging unter anderem in Großbritannien, Dänemark, Deutschland, Polen und Schweden auf Platz 1 Charts. Obwohl er sich nach "Older" vom amerikanischen Markt zurückgezogen hatte, trat er in der Show von Oprah Winfrey auf, lud sie und ihre Crew zu sich nach Hause ein und performte "Amazing", "Father Figure" und "Faith" für sie alle. Das Album erreichte Platz 12 der US-Charts. George war zurück. Mehr zurück ging eigentlich nicht.

Im Juli 2005 brachten George und Ex-Beatle Paul McCartney bei "Live 8" eine fulminante Version von "Drive My Car". Im gleichen Sommer kam "Blame It On The Sun", ein Duett mit Ray Charles, das auf dessen postum veröffentlichtem Album "Genius And Friends" erschien.

2006 begann mit "George Michael: A Different Story", eine unter der Regie von Southan Morris entstandene Dokumentation mit Beiträgen von Boy George, Mariah Carey, Noel Gallagher, Elton John, Andrew Ridgeley und Sting. Der Film nahm die Zuschauer mit in seine Kindheit, durch die Jahre mit Wham!, in die "Faith"-Phase und wagte einen Blick in die Zukunft. Es handelte sich um ein schonungslos ehrliches Porträt, so wie George es immer war. Manche würden sagen zu ehrlich. Was er selbst dazu sagte? Er liebte den Film!

Das "Patience"-Album hatte alles gehabt - nur keine dazugehörige Tour. Als seine Zusammenarbeit mit Tony Bennett, "How Do You Keep The Music From Playing?", als Schlusstrack von Bennetts "Duets: An American Classic"-Album abgeschlossen war, war es Zeit, das mit der ersten Tour nach der 1991er "Cover To Cover"-Sause nachzuholen. Vom Start in Barcelona im September 2006 bis zum Abschluss in Kopenhagen im August 2008 und inklusive Georges erster US-Shows in 17 Jahren, sahen insgesamt zweieinhalb Millionen Menschen in 27 Ländern die allgemein gefeierte "25 Live"-Tour durch Arenen und Stadien. Benannt als Tribut an die 25 Jahre, die George im Musikgeschäft geackert hatte, umfasste die Tour auch die ersten beiden Abende im renovierten Wembley-Stadion und eine sehr viel intimere Charity-Show für britische Krankenschwestern im Roundhouse in Londons Camden Town.

Noch während der Tour wurde die umfangreiche Compilation "Twenty Five" mit drei brandneuen Songs veröffentlicht. Einer davon war "Heal The Pain" vom "Listen Without Prejudice Vol. 1"-Album im Duett mit Paul McCartney. Der Track ging natürlich auf #1 in Großbritannien, enterte weltweit die Top 10 und beinhaltete eine DVD mit 40 Songs. Und als ob das nicht genug wäre, erhielt George außerdem noch die seltene Ehre, dass ihm eine weitere Ausgabe der "South Bank Show" gewidmet wurde.


Als die Tour vorbei war, folgten Gastauftritte in britischen Erfolgssendungen wie "The Catherine Tate Show" und Ricky Gervais' "Extras" sowie regelmäßige Auftritte in der amerikanischen Sitcom "Eli Stone", von der einige Episoden sogar nach Songs von George benannt wurden. Im 2008er Finale von "American Idol" war George ebenfalls dabei und legte eine berührende Version von "Praying For Time" hin. In den letzten Wochen des Jahres 2008 gab es mit "December Song (I Dreamed Of Christmas)", das er mit seinem alten Freund David Austin geschrieben hatte, auf Georges Website ein Weihnachtsgeschenk für die Fans, das erst im Jahr darauf kommerziell veröffentlicht wurde.

2009 kletterte die DVD "Live In London", die während der "25 Live"-Tour bei zwei Konzerten in der Earls Court Arena aufgenommen worden war, an die Spitze der britischen DVD-Charts. George trat außerdem in der Londoner O2-Arena mit Beyoncé auf, um mit ihr "If I Were A Boy" zu singen, und war mit Joe McElderry in der britischen Talentshow "The X Factor" zu sehen, wo die beiden eine Duett-Fassung von "Don't Let The Sun Go Down On Me" auf die Bühne brachten.

Auch 2010 hatte zweifellos seine Momente: nicht zuletzt drei ausverkaufte Shows in Perth, Sydney und Melbourne, Georges ersten Shows in Australien seit der 1988er "Faith"-Tour.

2011 war quasi ein ?Vintage-Jahr' für George. Im Januar erschien eine Neuauflage von "Faith". Im März beteiligte er sich an Comic Relief und dem Red Nose Day. Als begeisterter Unterstützer von Comic Relief seit er ihnen sämtliche Einnahmen seiner mit Mary J. Blige aufgenommenen Single "As" gespendet hatte und in einem "Little Britain"-Sketch an der Seite von Matt Lucas und David Walliams als Lou'n'Andy aufgetreten war, drehte er 2011 nicht nur einen Sketch mit James Corden aus "Gavin & Stacey", sondern lieferte mit einer Version von New Orders "True Faith" auch die offizielle Comic-Relief-Single. George coverte den Song allerdings nicht einfach, sondern er erfand ihn als eine wunderschöne, prächtige Ballade neu und sammelte so Tausende für die Hilfsorganisation.

Überbordend vor Kreativität, startete George am 22. August 2011 in der Prager Staatsoper seine Tour "Symphonica: The Orchestral Tour". Sein Programm bot eine Auswahl seiner eigenen Songs und Coverversionen, begleitet von einem Orchester, und umfasste Termine in ganz Europa, zur Begeisterung von Fans und Kritikern gleichermaßen unter anderem auch in der Royal Albert Hall. Am 6. November des Jahres spielte er ein besonderes "Symphonica"-Charitykonzert im Londoner Royal Opera House, dessen Erlös dem kurz zuvor unter dem Dach der Elton John AIDS Foundation gegründeten Elizabeth Taylor Memorial Fund zugute kam. Im Publikum befanden sich eine Reihe von Stars, darunter auch Elton John selbst, Kylie Minogue, Rupert Everett, David Walliams, Lara Stone und viele andere. An diesem Abend kamen 987.000 Pfund für die Organisation zusammen.

Noch im selben Monat sollte George in der Wiener Stadthalle auftreten, musste jedoch wenige Stunden vor der Show ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil er an einer besonders ansteckenden Form der Lungenentzündung erkrankt war.

Auf ärztlichen Rat musste der Rest der Tour abgesagt werden, aber George versprach, die noch übrigen Europakonzerte nachzuholen. Neun Monate später hielt er Wort.

Bevor er die "Symphonica"-Tour fortsetzte, veröffentlichte George mit "White Light" eine neue Single, die das 30. Jubiläum der ersten Wham!-Single "Wham Rap! (Enjoy What You Do)" zelebrierte. Im August performte George "White Light" und "Freedom! '90" bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London.

Die Nachholtermine der "Symphonica"-Tour sorgten für Begeisterung, nicht zuletzt am 9. September in Paris, wo George als erster zeitgenössischer Popstar überhaupt in der Opéra Garnier auftreten durfte. Dieser besondere Abend stand im Zeichen von Sidaction, der größten AIDS-Charity Frankreichs. Dieser besondere Abend wurde vom Produktions- und Regie-Team um David Austin und Caroline True festgehalten und auf BBC 1 ausgestrahlt.

Die "Symphonica"-Tour endete im Oktober 2012 - 2014 wurde dann "Symphonica" veröffentlicht, ein Album, das auf der "Symphonica"-Tour aufgezeichnet worden war.
Produziert von George und Phil Ramone, der auch schon "Songs From The Last Century" co-produziert hatte und kurz nachdem das Projekt abgeschlossen war starb. "Symphonica" ging direkt auf Position 1 der Albumcharts in Großbritannien und führte die Spitze der iTunes-Charts weltweit in über dreizehn Ländern an.

Seitdem hat Georges Musik auch die Filmwelt beeinflusst und geprägt. "Careless Whisper" und "Wake Me Up Before You Go-Go" sind auf dem "Deadpool"-Soundtrack vertreten. In der Fortsetzung des ersten "Zoolander" findet "Wake Me Up Before You Go-Go" auch in "Zoolander 2" statt, während "One More Try", "Faith", "Freedom! '90" und "Father Figure" in der 2016er Komödie "Keanu" verwendet wurden.

Fantasy, eine Single des verstorbenen George Michael featuring Nile Rogers, feierte am 7. September im englischen Radio Premiere. Am 20. Oktober 2017 wird das großartige zweite Solo-Album von George, "Listen Without Prejudice Vol. 1", von Sony Music International neu aufgelegt. Zum ersten Mal wird auch Georges atemberaubende Performance beim MTV Unplugged 1996 sowohl als Teil des Deluxe-Box-Sets als auch der Doppel-CD-Edition erhältlich sein. Der flankierende Film "Freedom" wird zur Album-Veröffentlichung auf Channel 4 ausgestrahlt und weltweit via BBC Worldwide vertrieben.

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