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Biographie

Los Angeles im Herbst 2005: In den frühen Vierziger Jahren dienten die Räume im sechsten Stock des Bürogebäudes in Hollywood dem legendären Kriminalautor Raymond Chandler als Arbeitsplatz und zweites zu Hause. Sein dritter Philip-Marlowe-Roman "Das hohe Fenster", dessen abgebrühte Detektiv-Hauptfigur Humphrey Bogarts Darstellungskunst zu cineastischer Unsterblichkeit verholfen hatte, war u.a. hier entstanden. Nun ist derselbe Ort das Zentrum der musikalischen Aktivitäten des immerzu beschäftigten und ständig an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitenden Dave Stewart. Geboren in Sunderland im Nordosten Englands, war der Multiinstrumentalist mit Frau und Nachwuchs an die Westküste der USA über gesiedelt - und genau hierhin lud er vor zwei Monaten auch seine ehemalige musikalische Gefährtin Annie Lennox ein, die sich zu einem Kurztrip in den Vereinigten Staaten aufhielt.
"Ich wollte ihr eigentlich nur mein neues Studio zeigen", sagt er in seiner zurückhaltenden, bescheidenen Art und deutet dabei in Richtung eines kleinen, quadratischen Zimmers, das mit dem innovativsten Tonstudio-Equipment angefüllt ist, das man sich derzeit für Geld kaufen kann. Innerhalb weniger Stunden hatten die beiden den größten Teil des neuen Materials seit mehr als fünf Jahren geschrieben, u.a. die neue Single "I've Got A Life". Annie hatte in jüngster Vergangenheit mit ihren überwältigende Auftritten vor einem Millionenpublikum beim diesjährigen Konzert-Spektakel "Live 8" in London und Edinburgh die Fans begeistert, zuvor hatte sie einen Oscar für den Song "Into The West" aus dem Film "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" erhalten. Dave wurde kürzlich mit dem "US Music Critic Award" und einem "Golden Globe" in der Kategorie "Best Original Song" für "Old Habits Die Hard" aus dem Remake von "Alfie" ausgezeichnet.
Ganz offensichtlich scheint die kreative Chemie zwischen den beiden nie zu versiegen. Gemeinsam schufen Stewart und Lennox innerhalb weniger Stunden das erste neue gemeinsame Songmaterial seit dem 1999er-Album "Peace" - nach fast einer Dekade des Getrenntseins eine Art musikalische Wiedergeburt. Denn im Gegensatz zu zahlreichen Zeitgenossen hatten sich die beiden nicht darauf beschränkt, einfach nur irgendwelches altes Material neu aufzuwärmen. "Es ist eigenartig, heute über diese Ereignisse zu sprechen mit dem Wissen, dass es wirklich passiert ist - wenn man bedenkt, dass alles auf so unerwartete und ungeplante Weise zu Stande kam", sagt Annie über die intensive Erfahrung der gemeinsamen Songwriting-Sessions im August. "Aber es hat tatsächlich statt gefunden und ich kann die Qualität der Sachen erkennen, die wir an diesem Tag geschrieben haben. ?I've Got A Life' ist ein großer, hymnischer Song - das kann man nicht leugnen. Wir sind beide sehr stolz darauf." Das wäre zweifellos jeder.
"I've Got A Life" ist bereits in ganz Europa ein massiver Airplay-Hit. Im besten Stewart & Lennox-Style eröffnet ein langsames, Torch-Song-artiges Intro das Stück, geht dann allerdings in dynamischen Electro-Pop über, stets angetrieben und getragen von Annies leidenschaftlicher und unverwechselbarer Stimme. Gleichzeitig enthält das Stück alle für die Band typischen inhaltlichen Gegensätzlichkeiten, die von jeher die Eurythmics-Texte auszeichneten: Worte, die gleichzeitig Freude, Hoffnungslosigkeit, Entfremdung aber auch hohes Selbstwertgefühl erkennen lassen. Dazu der markante, Trademark-hafte Sound, der modernste Technologie mit der ursprünglichen Kraft einer großartigen menschlichen Stimme vereint. Niemand anderes als die Eurythmics sind in der Lage, diese einzigartige Musik zu erschaffen. Annie: "Im täglichen Leben sind wir gewohnt, mit verschiedenen Leuten auf unterschiedliche Art und Weise zu kommunizieren - aber wenn Dave und ich zusammenkommen, unterhalten wir uns musikalisch auf unsere ganz eigene Art und Weise. Wir planen nichts. Es passiert einfach."
Zusammen mit dem zweiten neuen Song "Was It Just Another Love Affair" rundet "I've Got A Life" das Ouevre der Band vorläufig ab, das nun auf dem neuen, neunzehn Stücke umfassenden Best-Of-Album "Ultimate Collection" zusammengefasst wird. Die Zahlen sind bekannt: Mit weltweit über 75 Millionen verkauften Alben sind die Eurythmics bis heute das mit Abstand erfolgreichste und einflussreichste englische Pop-Duo. Seit ihrer Gründung in London im Jahre 1981 spielten sie eine maßgebliche Rolle in einem Prozess, der die völlige Umgestaltung der popkulturellen Landschaft ihrer Zeit bedeutete. Ihre Live-Shows, bei denen sie Aufsehen erregende Bühnenbilder verwendeten und ihre Richtungs-weisenden Videoclips, mit denen sie den inhärenten Narzissmus des Mediums gleichsam nutzen und ad absurdum führten, sprengten Stewart und Lennox mit jeder neuen Veröffentlichung die bestehenden engen Grenzen des Mediums, verweigerten sich etwaigen Erwartungshaltungen und eröffneten ihrerseits völlig neue Wege.
Doch die musikalische Rückschau anlässlich des neuen Albums zeigt auch, dass es in aller erster Linie die Musik ist und war, die die Eurythmics zu einem bei Publikum und Kritik gleichermaßen geschätzten Act werden ließ. Die "Ultimate Collection" demonstriert die außergewöhnliche Bandbreite ihrer musikalischen Fähigkeiten und Visionen, sie umfasst die verschiedensten Genres - von Synthiepop ("Love Is A Stranger") über Rock ("Missionary Man") und R&B ("Sisters Are Doing It For Themselves", das Annie zusammen mit Soullegende Aretha Franklin einsang) bis zu hinreißend geschmeidigem Soulpop ("There Must be An Angel (Playing With My Heart)"). Textlich wie auch emotional decken die Songs eine große Palette ab: Von partnerschaftlichem Frust ("Who's That Girl?") über feierliche Vorfreude ("It's Alright (Baby's Coming Back)" und sinnliches Begehren ("I Need A Man") bis hin zu schmerzlicher Zärtlichkeit ("Miracle Of Love").
Und die Eurythmics waren auch stets eine große Inspiration für andere Künstler. Die beiden zählen zu den meistgesampelten und -gecoverten Künstlern ihrer Generation, u.a. bedienten sich P. Diddy, Marilyn Manson, die Utah Saints, Faith Evans, Pink und Wu Tang Clans Redman auf legale Art und Weise an ihren Werken. Doch es gibt auch immer wieder Pappenheimer, die die offiziellen Wege meiden... So wurde im zurückliegenden Sommer Ibiza von verschiedenen "Überarbeitungen" des Eurythmics-Hits "Sweet Dreams (Are Made Of This)" heimgesucht, der 1983 ihr erster Top-Ten-Hit in England gewesen war.
Und während Stewart und Lennox ihre erfolgreichen Solo-Karrieren unabhängig voneinander weiter verfolgen, zeigt die neue Episode in der Eurythmics-Geschichte die Einzigartigkeit ihrer Partnerschaft: Wann auch immer sie zusammen kommen, sie sind jederzeit in der Lage, ihrem bereits ruhmreichen Song-Katalog weitere neue Klassiker - wie eben jetzt "I've Got A Life" - hinzu zu fügen... ohne die geringste Übertreibung eine wirkliche "Ultimate Collection".

Eurythmics.
CD "In The Garden" (1981)
CD "Sweet Dreams Are Made Of This" (1983)
CD "Touch" (1983)
CD "Touch Dance!" (1984)
CD "1984" (1984)
CD "Be Yourself Tonight" (1985)
CD "Revenge" (1986)
CD "Savage" (1987)
CD "We Too Are One" (1989)
CD "Live 1983 - 1989" (2CD) (1993)
CD "Peace" (1999)
CD "Ultimate Collection" (2005)

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