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Biographie

"Es gibt keinen Prototyp für Schönheit." Dies sagt der tunesische Sänger und Oud-Spieler Dhafer Youssef einfach mal so dahin. Und mehr als dieser entwaffnend bedingungslosen Aussage bedarf es eigentlich nicht, um Motivation und Klang seiner neuen CD "Diwan Of Beauty and Odd" zu beschreiben.

Wer bereits irgendwann Gelegenheit hatte, sich den ebenso leidenschaftlichen wie friedvollen Traumklang-Landschaften des Tunesiers hinzugeben, wird dessen Temperament und sein Gespür für das Transzendentale auch auf dieser CD auf Anhieb wieder erkennen. Wenn Youssefs Stimme sich in immer lichtere Höhen aufschwingt, lässt sie alles Irdische hinter sich. Anders als bei den meisten anderen Musikern, die versucht sind, ihre Musik den wechselnden Läufen der Zeiten anzupassen, ist sein Idiom eine starke Konstante, das nur dadurch seinen Content verändert, dass sich die Zeiten um die Musik herum verändern. Dasselbe Album fünf Jahre früher hätte möglicherweise etwas völlig anderes ausgelöst als heute, wo sich Schönheit, Hoffnung und unverbrüchliche Zuversicht immer mehr aus unserem Alltag zurückzuziehen scheinen.

Natürlich tritt ein weltgewanderter Künstler wie Youssef nicht auf der Stelle. Aber seine Intentionen haben die Kraft einer Naturgewalt. Sie sind wie ein Dschungel, in dem man Straßen und Städte bauen kann, aber am Ende fordert die Natur immer wieder ihr Recht. Youssef arbeitet mit unterschiedlichen Konzepten und wechselt je nach dem Rahmen die Musiker, mit denen er arbeitet, aber sein geradezu extremistischer Sinn für Schönheit setzt sich am Ende immer wieder durch. "Wenn man über Jahrzehnte mit unterschiedlichen Musikern arbeitet, ist es umso wichtiger, dass man stets auf seinem eigenen Weg bleibt", betont Youssef. "Man gewinnt mit jedem Musiker, mit dem man spielen darf, etwas hinzu, aber man zeichnet mit der Musik auch sein Schicksal."

Dhafer Youssef setzt einen Kontrapunkt. Die positive Kraft, die seinen Liedern innewohnt, leuchtet noch viel stärker als in früheren Zeiten. Musik ist für ihn ein Lebenselixier, eine Religion, was in diesem Sinne nicht esoterisch gemeint ist. Für ihn ist es ein probates Mittel, Menschen - egal welcher Sozialisation, Ethnie oder Überzeugung - ein Geschenk zu machen, das diesen ohne ihn nicht zuteil würde. "Für mich gibt es keine Barrieren", ruft er in einer Mischung aus innerer Heiterkeit und visionärem Ernst aus. "Musik ist durchsichtig. Mit Musik wird alles, was sich gerade noch steif und undurchdringlich angefühlt hat, durchlässig, weich und leichter. Wir leben in einer Zeit immer stärker hervortretender Gegensätze. Niemand stört es, wenn ein Politiker heute die eine Meinung vertritt und morgen das komplette Gegenteil. Mit meiner Musik und dem Titel der CD will ich die Kontraste benennen und damit auflösen. Das Schöne und das Hässliche, das Gute und das Böse, das Geniale und das Dumme. Aber egal, was passiert, ich kann immer zur Musik zurückkehren und die meisten anderen Menschen eben auch. Dafür mache ich diese Musik."

Der Hauptkontrast auf Youssefs CD baut sich zwischen den Pfosten "Schön" und "Schön" auf. Es sind unterschiedliche Auffassungen von Schönheit, die sich gegenseitig kontrastieren und voneinander abheben. Denn was für den einen schön ist, muss für den anderen noch lange nicht dieselbe Bedeutung haben. "Nur wer das Hässliche erfahren hat, weiß das Schöne zu schätzen", entfährt es Youssef wie das Gleichnis eines tausendjährigen Weisen. "Ungerade Rhythmen (odd meters) kann heute jeder spielen. Das ist nur eine Frage der Übung. Die Herausforderung besteht aber darin, mit diesen odd meters schöne Dinge zu erzählen, die nicht nur erfahrene Musiker genießen können."

"Ich will Schönheit machen." Dhafer Youssef spricht aus, was in dieser Einfachheit heute kaum noch jemand zu sagen wagt. Zu diesem Zweck ging er ausgerechnet nach New York, dem wahrscheinlich größten Kontrast zu seiner tunesischen Heimat. Mit Protagonisten der dortigen Szene wie Pianist Aaron Parks, Bassist Ben Williams, Drummer Mark Giuliana und in drei Tracks Trompeter Ambrose Akinmusire hat er ganz bewusst diese Musik eingespielt, um hörbar Gegensätze zu vereinen. "Ich muss nicht nach New York gehen, um Musik zu machen. Die besten Musiker sind nicht in New York, sondern die besten Musiker sind die, die gute Musik machen. Aber diese Musik wollte ich ganz bewusst in New York aufnehmen, damit sie diese spezielle Färbung der New Yorker Vibes erhält."

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