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Biographie

Ich wollte immer ein Punk-Album produzieren, aber dies ist es nicht geworden. Anti-Flag sind zwar an sich eine Punk-Band, aber auf diesem Album wollten sie unerforschtes Gebiet ins Spiel bringen. Und ich war dabei ihr Spielplatz-Supervisor.

All meine Bowie-Alben begannen als eine ganz bestimmte Sache und endeten in einer völlig anderen. Eine Sache, die mir - denke ich - meine Generation gelehrt hat, ist, alles fließen zu lassen und diesem Flow zu folgen. Ich würde sagen, dass die meisten Bands mit mir vermutlich aufgrund der Bowie-/T. Rex-Connection arbeiten wollen, aber der Geist dieses Zusammentreffens war eher das Ergebnis dessen, dass Anti-Flag auf mein Morrissey-Album "Ringleader Of The Tormentors" gestoßen sind. Sie liebten die Arrangements, die Streicher und vor allem die orchestrale Perkussion. Warum sollte man all diese Dinge nicht auch auf einem Punk-Album haben können?

Meine Arbeitsweise ist so, dass sich ein Song selbst definieren kann. Ich lasse ihn bestimmen, was er für eine Aufnahme benötigt, um zu einem Klassiker zu werden (zumindest ist das stets der Plan). Anti-Flag wollten etwas Tieferes für ihre Texte kreieren. Sie arbeiteten sehr hart an diesem Konzept, bevor wir uns überhaupt das erste Mal trafen. Ich habe die Band und die Band hat auch mich dazu angehalten, immer die bestmöglichen Interpretationen und Takes jedes einzelnen Songs gedeihen zu lassen. Ich wollte, dass Anti-Flag möglichst viele von ihren eigenen Ideen mit der geringstmöglichen Beteiligung von Sessionmusikern einspielt. Wir haben uns fast jedes Perkussions-Gerät von der University of Kentucky ausgeborgt und die Band spielte Pauken, Tubular Bells, Piatti (diese aus Orchestern bekannten, scheppernden Hand-Becken), Glockenspiel und eine Menge anderer lateinamerikanischer Perkussions-Instrumente. Es waren nur vier lokale Musiker, zwei Cellisten und zwei Trompeter, dabei, die dann die Parts spielten, die niemand von uns selbst spielen konnte. Ich spielte Keyboards und solche Sachen. Unsere Tontechniker Tim und Mario traten dem "Chor der Unstimmigkeiten" bei. Unser Kinderchor setzte sich aus Kindern der Familien und Freunde zusammen. Selbst nach einem 14-Stunden-Tag voll harter Arbeit war noch Energie vorhanden, die dann beim Poolbillard und den unvermeidbaren Tischtennisturnieren verbrannt oder im Whirlpool ausgeschwitzt wurde.

In einer Zeit, in der die Politik die Emotionen aller Menschen ganz real berührt, bin ich auf die in Pittsburgh lebenden Anti-Flag aufmerksam geworden. Sie sind eine Gruppe von Musikern, die sich kümmern, die ihr Geld für ihre Überzeugungen einsetzen und die den Mumm haben, Stellung zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen. Selbst ihr Name ist ein Schlag ins Gesicht der Regierung (obwohl er ja indirekt patriotisch ist). Meine Generation steht für ihre a-politische Antwort auf all das, was korrupt ist. Um Dylan zu zitieren: "Wen auch immer du in die Regierung wählst, er wird es hineinschaffen." Und: "Um außerhalb der Gesetzesstandards zu leben, muss man ehrlich sein." Solche Gefühle ziehen bei dieser Generation nicht. Anti-Flag beweisen mit ihrer Eigeninitiative, dass ihr Verständnis von Politik und ihre Grundsätze fest in ihrem Alltag verankert sind.

Anti-Flag nutzen die Politik aber nicht für die Promotion eines Albums. Sie selbst sind ihre Politik! Sie haben es als ihre lebenslange Mission angenommen, mit vielen Organisationen zusammenzuarbeiten, darunter Amnesty International, ACLU, World Can't Wait, Code Pink, Axis of Justice, Student Peace Action, African Well Fund, Music for America, Planned Parenthood und PETA. Sie sind vehemente Verteidiger der Tierrechte, einer allgemeinen Gesundheitsversorgung, der Kriegsdienstverweigerer, der Strafvollzugsreform und der Freilassung für politisch Gefangene. Sie haben als gewaltlose Reformisten auf einer Linie mit Michael Moore, Gloria Steinem, dem Parlamentabgeordneten George Galloway, Billy Bragg und dem Kongressabgeordneten Jim McDermott gestanden. Anti-Flag tourten auch mit einer Petition für Amnesty Internationals "Music For Human Rights Campaign", um die Befreiung der eritreischen Sängerin Helen Berhane zu erwirken. Sie haben für zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen Geld aufgebracht und spendeten dem African Well Fund ihren letzten Tourerlös. Anti-Flag haben zwei Non-Profit-Organisationen gegründet und aus ihrer eigenen Tasche finanziert, die namhafteste davon ist www.militaryfreezone.org. Das Ziel von MilitaryFreeZone.org ist es, Menschen die Anwendung von zum Teil aggressiven Taktiken zur militärischen Rekrutierung in High Schools und Universitäten bewusst zu machen; jene haben sich im Zuge einer weitgehend unbekannten Bestimmung in dem "No Child Left Behind Act" sogar verschlimmert. Diese Bestimmung gibt dem Militär den Zugang zu den privaten Aufzeichnungen der Schüler im ganzen Land - ohne deren Wissen. Du kannst dir eine MilitaryFreeZone-Dokumentation auf www.militaryfreezone.org anschauen.

Noch eine persönliche Bemerkung: Die Familie von Bassist Chris #2 musste den schmerzvollen Verlust eines Familienmitgliedes hinnehmen, als seine Schwester einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel und eine junge Tochter sowie einen jungen Sohn hinterließ. Anti-Flag stellten daraufhin eine Benefit-EP zusammen, in der Hoffnung, sie würde all denjenigen helfen, die ähnliche Situationen durchleiden. Der Erlös ging an "The Center for Victims of Violence and Crime" (eine lokale Organisation aus Pittsburgh, die Opfern und Familien hilft, die mit den Folgen von Gewaltverbrechen leben müssen: www.cvvc.org).

Chris #2s persönliche Tragödie hat aber auch bei den anderen Bandmitgliedern eine Menge Gefühle in Gang gesetzt. Jeder fühlte nach Jahren des Kampfes für die gute Sache, dass es an der Zeit war, sich künstlerisch auch für persönliche Umwälzungen zu öffnen, so dass die Songsammlung auf "The Bright Lights of America" zu einer sehr intimen machen.

Anti-Flag sind echt. Sie sind talentierte Musiker, die Gleichheit und Frieden für jeden über alles schätzen.
Dieses Album enthält beides: Musik und starke Botschaften.

In der Mitte eines Arbeitstages, als wir den Songs über politisch Gefangene und Kindesmisshandlung den letzten Schliff gaben und dabei beinahe zu Über-Perfektionisten wurden, gab es ein erleichterndes Aufatmen, als man Lead-Sänger Justin Sane sagen hörte: "Ich werde mal etwas Sojamilch warm machen."

Anti-Flag sind:
Justin Sane Lead-Vocals
Chris # 2 Bass, Vocals
Chris Head Lead-Gitarre
Pat Thetic Schlagzeug

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