Trude Herr
Diese Musik in meiner Werbung * 4.5.1927 in Köln† 16.03.1991 in Aix-en-Provence (Frankreich)
Trude Herr, geboren am 4. Mai 1927 in Kalk bei Köln, Tochter des Lokomotivführers Robert Herr und seiner Frau Agathe. Der Vater, KPD - Mitglied, befindet sich 1933-45 fast ohne Unterbrechung in Haft. Trude Herr besucht ab 1933 die Evangelische Volksschule Mühleim. 1943 ausgebombt, lebt sie mit ihrer Mutter und den zwei Geschwistern im hessischen Ewersbach, ist als Schreibkraft im örtlichen Standesamt und in der Krankenhausverwaltung Dillenburg tätig.
1945 zieht die Familie nach Köln-Nippes. Trude Herr arbeitet in der Anzeigenabteilung der Zeitung "Die Volksstimme". Ab 1946 Statistin an der Aachener Wanderbühne, Theater am Vorhang, erhält sie 1948 kleine Rollen am Kölner Millowitsch -Theater, u.a. in dem Kinderstück "Die Heizelmännchen von Köln", in "Der kölsche Zigeunerbaron" und "Die spanische Fliege".
1949 gründet sie mit ihrem Mentor Gustav Schellhardt die Kölner Lustspielbühne. Nach einigen Aufführungen von Kinderstücken und Mundart-Schwänken in angemieteten Räumen geht das Unternehmen pleite, Trude Herr wird Barfrau in dem Homosexuellen Lokal Barberina.
Ab der Saison 1954/55 tritt sie als Büttenrednerin (u.a. mit der Filmstar - Parodie "Das Wunderkind" und als "Das Besatzungskind") vor Karnevalsgesellschaften, auf Betriebsfesten und, gemeinsam mit Schellhard, in den Karnevalsrevuen des Varietés Kaiserhof auf, brilliert dort 1957/58 mit ihrem ersten hochdeutschen Solosketch als Fernsehansagerin. Daraufhin engagiert Willi Schaeffers sie an sein Kabarett Tingel-Tangel nach Berlin.
Ihre Schallplatte "Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann" ist 1959 ihr erster Hit, weitere folgen ( "Morgens bin ich immer müde", "Weil ich so sexy bin "). In zahlreichen Schlagerfilmen (CONNY UND PETER MACHEN MUSIK - mit Italien-Drang (O SOLE MIO) oder Erdenschwere (DREI LIEBESBRIEFE AUS TIROL) -, in wirren Komodien (MASKENBALL BEI SCOTLAND YARD), Heinz Erhardt-Schmonzetten (DRILLINGE AN BORD) und Freddy Quinn - Musicals (FREDDY UND DAS LIED DER PRÄRIE) verkörpert sie die Ulknudel, das dicke Trampel: "Alles schlechte Filme. Aber Erfolge." (Herr zu Schüller, 1987).
Trude Herr ist abonniert auf die Rolle "der Dicken, die zumeist auch die Doofe zu sein hatte. Doch so ganz ging die Rechnung nie auf. In der stereotyp-spießigen Schlager- und Lustspielfilmen der 50er und 60er Jahre fiel die füllige Kölnerin immer wieder aus dem biederen Rahmen, war nur 1,56 m große Randfigur und doch unübersehbar, wenn sie sich in viel zu enge Brokatkleider zwängte, scheinbar schamlos die vorgegebenen Klischees überzog und Mut bewies: zur Lächerlichkeit und zu sich selbst." (Hoghe, 1985).
Ab 1964 unternimmt Trude Herr ausgedehnte Reisen durch die Sahara. Neben Fotoserien gestaltet sie zwei - nur bis zum Rohschnitt fertiggestellte - Filme: den dokumentarischen Reisebericht "Das Lächeln der Welt" und, mit Schauspielern des Theaters von Wagadugu (Obervolte), die auf Thomas Manns "Josephs"-Roman basierende Liebesgeschichte "Jakob und Rahel". Das 1967 von dem Dokumentar-Filmer Peter Nestler geplante Spielfilmprojekt "Der Kandidat", in dem sie - "Weil sie gut ist" (Nestler) - die weibliche Hauptrolle erhalten soll, bleibt unrealisiert. In der Siechtumsphase des bundesdeutschen Unterhaltungsfilms ab Mitte der 60er Jahre trat sie als Stimmungskanone u.a. mit dem Orchester Max Greger, gastiert mit Solo-Programmen, 1965 auch in der DDR. 1966 - 76 ist sie mit dem Tunesier Ahmed M´Barek verheiratet.
Ab 1970 spielt sie in einem eigenen Ensemble Bühnenrollen, einige hundert Mal "Die Perle Anna" (UA: 16.09.1970, Millowitsch-Theater), dann in eigenen Stücken: "Die Familie Pütz" (UA: 21.09.1972), "Scheidung auf kölsch" (1973, auch TV). 1977 eröffnet sie in einem ehemaligen Kino im Kölner Severinsviertel ihr eigenes Haus, das Theater im Vringsveedel, in dem sie als Produzentin, Autorin, Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Kostümbildnerin mit Stücken wie "Die kölsche Geisha" (1977), "Der Hausmann" (1979), "Massage-Salon Denz (1979), "Drei Glas Kölsch" (1980), "Die Millionärin (1984) und "Die Hellseherin" (1985) ihre Vorstellungen eines "reformierten Volkstheaters" verwirklicht: "Ihr Grundsatz blieb dabei, dass dieses Volkstheater nicht auf Kosten, sondern im Interesse der Minderheiten funktionieren sollte, und die Frauen-Gestalten, die Trude Herr spielte, waren immer widersprüchlich, sie mußten zu unehrenhaften Mitteln greifen, um zu überleben." (Seeßlen, 1991). Es sind "Sauber gebaute moderne Schwänke mit aktuellen Anspielungen und ohne den Plüsch von Arnold und Bach" (Schüller), mit denen sie Fans auch außerhalb des konventionellen Abonnentenpublikums gewinnt: "Wo Trude Herr ist, bin ich immer gern." (Klaus von Dohnanyi in der TV-Show MENSCHEN 87).
Musikalische Erfolge hat sie mit ihren kölschen Cover-Versionen internationaler Hits. 1987 erscheint ihre Langspeilplatte "Ich sage, was ich meine"; die ausgekoppelte Single "Niemals geht man so ganz..." mit den Musikern Tommy Engel (Bläck Fööss) und Wolfgang Niedecken (BAP) wird ihr letzter Plattenhit. Im gleichen Jahr - die Mietverträge laufen aus, Subventionen sind nicht in Sicht - schließt die "Duse vom Rhein" (Jürgen Flimm) auch aus gesundheitlichen Gründen das Theater und lebt fortan bei Suva auf Viti Levu, der Hauptinsel der Fijis, wo sich sich schriftstellerischen Arbeiten und der Champignonzucht widmet. Anfang 1991 kerht sie nach Köln zurück, plant u.a. als Autorin eine TV-Reihe mit Sketchen für RTL plus.
Im Februar 1991 zieht Trude Herr nach Lauris (Südfrankreich), wo sie am 15. März 1991 an Herzversagen stirbt.
AUSZEICHNUNGEN: 1998 Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

