Thomas Quasthoff
Diese Musik in meiner Werbung Thomas Quasthoff, im November 1959 in Hildesheim geboren, war schon als Schüler überdurchschnittlich begabt. Er studierte einige Semester Jura, wurde dann Sparkassenangestellter und arbeitete schließlich als Hörfunksprecher beim Norddeutschen Rundfunk. Natürlich wurde man auf seine stimmliche Begabung aufmerksam, doch die Musikhochschule Hannover lehnte seine Aufnahme ab, da er wegen seiner Behinderung nicht hätte Klavier spielen können. Daraufhin begann er mit einer privaten Ausbildung bei der Gesangspädagogin Charlotte Lehmann; außerdem war er Schüler von Ernst Hubert Contwig. Als Quasthoff 1988 am Gesangwettbewerb der Deutschen Rundfunkanstalten ARD teilnahm, wurde er mit sensationellem Erfolg Gewinner dieser Veranstaltung. Damit leitete er seine Karriere als Konzert-, Oratorien- und Liedsänger ein, die inzwischen zweifellos zu einer der steilsten und geradlinigsten des ausgehenden 20. Jahrhunderts gerechnet werden darf. Ab 1989 sang er bei nationalen und internationalen Musikfestspielen, wobei er mit Orchesterliedern von Gustav Mahler und Opernarien von Wolfgang Amadé Mozart begann. Besonderes Aufsehen erregte er mit seinem Vortrag von Franz Schuberts Winterreise in verschiedenen deutschen Großstädten und im europäischen Ausland. In ergreifender Weise sang er die Partie des Christus in Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion (erstmals 1989 in München) und das Bass-Solo in dessen Weihnachtsoratorium. Er gab Meisterkurse für Liedgesang und nimmt inzwischen eine Professur für Gesang an der Musikhochschule Detmold wahr. Am 31. Januar 1997, dem 200sten Geburtstag von Franz Schubert, sang er ein Schubert-Programm in der Londoner Wigmore Hall. In den Vereinigten Staaten von Amerika konnte man ihn bereits in Portland, in Minneapolis und beim Oregon Bach Festival in Eugene erleben, außerdem im November 1998 in der New Yorker Carnegie Hall mit Liedern von Gustav Mahler.Bald wird der Bassbariton auch die Opernbühnen dieser Welt erobern: als Minister in Ludwig van Beethovens Fidelio wird er im Sommer 2003 bei den Salzburger Festspielen zu erleben sein und im darauf folgenden Jahr als Amfortas in Richard Wagners Parsifal an der Wiener Staatsoper. Die Liebe zu Liederabenden jedoch wird dem klug und mit großer sängerischer Intelligenz seine Karriere verfolgenden Künstler sicherlich nicht verloren gehen, denn: "Liederabende sind etwas ganz besonderes", so schwärmte er einmal. "Lieder sind wie kleine Opernszenen, nur dass wir Liedsänger dafür nur drei Minuten Zeit haben, während sich ein Kollege auf der Opernbühne sehr viel mehr Zeit nehmen kann..."
Auf seinen zahlreichen Schallplattenaufnahmen hat sich Thomas Quasthoff - wie in seinen Konzertabenden - mit der alten als auch mit Neuer Musik gleichermaßen auseinander gesetzt: Neben geistlichen und weltlichen Kantaten, Messen, dem Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion, dem Magnificat und der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach oder dem Messias von Georg Friedrich Händel hat er sich auch mit weniger bekannten Opernrollen wie der männlichen Hauptrolle in Joseph Haydns L'anima del filosofo ossia Orfeo ed Euridice, mit Antonio Casimir Cartellieris Gioas, Rè di Giuda und Robert Schumanns Genoveva auseinander gesetzt; er hat Messen von Mozart, das Stabat mater von Antonín Dvor?ák oder Werke von Krzysztof Penderecki gesungen sowie immer wieder Lieder und Balladen interpretiert: von Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Loewe bis hin zu Aribert Reimann. Einige seiner schönsten Aufnahmen hat er für RCA Red Seal/BMG Classics eingesungen; dazu zählen nicht nur Bachs Johannes-Passion und Beethovens einzige Oper Fidelio, sondern vor allem verschiedene Recitals mit Liedern von Robert Schumann (darunter der Zyklus Dichterliebe op. 48, der Eichendorff-Liederkreis op. 39, Belsazar op. 57 sowie Romanzen und Balladen op. 53 auf RCA 09026 61225 2) und von Franz Schubert: ausgewählte Vertonungen von Gedichten Johann Wolfgang von Goethes (auf RCA 09026 61864 2) und natürlich die von ihm auf unvergleichliche Art interpretierte Winterreise (auf RCA 09026 63147 2). "Was Thomas Quasthoffs Winterreise auszeichnet", so schrieb Martin Mezger in der Scala, "ist nicht nur die stimmige Deutung einzelner Lieder, sondern die konsequente Dramaturgie des gesamten Zyklus. So schlüssig hat keine der neueren Aufnahmen die Reise in den irren Fatalismus gestaltet..." Große Aufmerksamkeit erregte Thomas Quasthoff außerdem mit seiner Auswahl an Opern- und Konzertarien von Wolfgang Amadeus Mozart, wo er unter anderem in die Bass- und den Baritonpartien des Sarastro und Papageno, des Don Giovanni und Leporello sowie des Grafen Almaviva schlüpft (auf RCA 09026 61428 2). Für den großen Spaß, das Duett von Papageno und Papagena aus der Zauberflöte zusammen mit der spanischen Operndiva Montserrat Caballé aufzunehmen, musste er sich sicherlich nicht lange überreden lassen...

