The Hoosiers
Diese Musik in meiner Werbung Irwin Sparkes trägt ein Drahthemd. Jedenfalls behauptet er das. Tatsächlich sieht es eher wie ein gestärktes Baumwollhemd aus, einige Nummern zu klein, das sich an seiner Brust so sehr spannt, dass die Knöpfe Gefahr laufen bald zu platzen. "Draht - das ist das neue Ding", der Sänger besteht darauf. "Aber wenn ich mich hier selbst bloßstelle, entschuldige ich mich."Drei Jahre nachdem The Hoosiers mit ihrer erfrischend sprudelnden Art von Wohlfühl-Pop erstmals die Charts erklommen haben, ist es noch immer schwer zu sagen, wann man die drei ernst nehmen soll. Aber man sollte sich auch nicht täuschen lassen. Hinter ihrer Verkleidungstruhe und dem Bühnenkrimskrams, hinter ihren unglaublichen Hintergrundgeschichten und den seltsamen Texten ihrer großen Hitsingles wie "Goodbye Mr A" und "Worried About Ray" waren The Hoosiers schon immer eine Band, deren oberstes Ziel es war, die Grenzen des Pop auszudehnen.
Daher machten sie sich auch auf die Suche nach einem brandneuen Sound, als es ans Schreiben ihres zweiten Albums ging. Geskippte Beats und beschwingte Melodien flogen ebenso aus ihrem Repertoire wie Falsett-Einsätze und Anspielungen an den Soft Rock der 70er Jahre, die ihr großartig verkautes (mehr als 60.000 Exemplare) Debütalbum "The Trick To Life" auszeichneten. Stattdessen setzten sie auf Synthesizer, tanzbare Beats, eine Prise Giorgio Moroder und prachtvolle, mehrspurig aufgenommene Refrains, die an den Pomp der Pet Shop Boys auf "Go West" erinnern. Wer gedacht hat, er kenne The Hoosiers, lag falsch.
"Wir wussten, dass wir unseren Sound auf eine neue Ebene bringen mussten", sagt Sparkes. "Einige Bands sind glücklich damit, an dem Sound festzuhalten, der sie berühmt gemacht hat, aber das würde für uns nicht funktionieren. Wir sind eine Pop-Band und wir müssen mit der Zeit gehen. Wie sich herausstellte, war das aber nicht so einfach, wie wir geglaubt hatten."
Mit dem Schreiben an "The Illusion of Safety" begann die Band im Frühjahr 2009, aber nach 5 Monaten waren The Hoosiers noch immer auf der Suche nach einem Sound, der aufregend genug für sie war. "Wir hatten immer vor, mehr Synthesizer zu nutzen", erklärt Bassist Martin Skarendahl. "Aber unsere anfänglichen Songs klangen mit Synthesizern und gesampeltem Schlagzeug zu heftig, wir hörten uns nicht mehr an wie eine Band. Wir mussten das Ganze wegwerfen und neu anfangen."
Der Schlüssel zu ihrem Durchbruch kam mit externer Hilfe beim Songschreiben, wenn auch nicht auf die Art und Weise, die sie sich vorgestellt hatten. Sie hatten zugestimmt, mit einer Reihe von hochrangigen Autoren und Produzenten zusammenzuarbeiten, darunter Cathy Dennis, Eg White und Rick Nowels, und erkannten, dass sie ihre alten Arbeitsprozesse über den Haufen werfen mussten, bevor sie fortfahren konnten.
"Zuerst waren wir dagegen, Songs gemeinsam mit anderen Leuten zu schreiben", sagt Sparkes. "Aber wir stellten fest, dass es viele unterschiedliche Arten gibt, einen Song zu erschaffen. Wir erkannten, dass wir starke Songs bereits in uns hatten, aber wir mussten neue Schlüssel benutzen, um sie freizusetzen. Wir lernten, unsere Ohren zu benutzen anstatt an unseren festgesetzten Rollen in der Band festzuhalten. Es gab diesen Moment, als ich plötzlich Klavier spielte - was ich wirklich nicht kann."
Genau so wichtig war es, einige sogenannte "todsichere Hits" von etablierten Autoren abzulehnen. "Wir haben auch die dunkle Seite beim Schreiben mit Anderen gesehen", gibt Schlagzeuger Alphonso Sharland zu. "Wir haben einige Leute getroffen, die einfach nur nach einem bestimmten Strickmuster schreiben und dann über CD-Verkaufszahlen reden. Uns wurden Songs angeboten, von denen gesagt wurde, dass sie sich gut verkaufen würden, aber wir haben sie gehasst. Für uns war das ein Wendepunkt. Er half uns dabei uns wieder daran zu erinnern, warum wir in einer Band sind - um die Musik zu machen, die wir lieben. Sobald wir diese Songs abgelehnt hatten, wussten wir, dass wir selbst bessere Songs schreiben mussten."
Mit neuer Kraft brauchten The Hoosiers gerade einmal zwei Tage um "Choices" zu komponieren, die energiegeladene, euphorische, Synthesizer-lastige erste Single.
"Als wir ‚Choices' fertig hatten, ergab alles, was wir in den vorangegangenen Monaten versucht hatten, plötzlich Sinn", sagt Sparkes. "Es hat uns enorm befreit, mit einem einfachen 4/4-Takt zu beginnen, und der Song ergab sich einfach von selbst. ‚Choices' wurde zur Basis des ganzen Albums - eine feste, rhythmische Struktur mit vielen Synthesizern und Soundeffekten und live gespieltem Schlagzeug, das klingt wie ein elektronisches Schlagzeug."
Von diesem Punkt an sprudelten die Songs einfach aus ihnen heraus. Darunter das Abgehobene Stück "Glorious" mit seinem verdrehten, hymnischen Refrain, das rasende Stück "Made To Measure", das schon bald ein Festival-Mitgröhlhit werden wird, und das unverdorbene, zur Versöhnung aufrufende Liebeslied "Bumpy Ride", das sie gemeinsam mit den Grammy-Gewinnern George Noriega und Jodi Marr geschrieben haben.
Die Aufnahme für "The Illusion of Safety" begannen im letzten Sommer, zunächst im Metropolis-Studio in London und dann im Northamptoner Studio des Produzenten Toby Smith, ehemaliger Keyboarder bei Jamiroquai, der auch schon "The Trick To Life" produziert hat. "Wir kamen voller Energie bei Toby an und stellten dann fest, dass das neue Studio, von dem er uns gesagt hatte, dass es großartig werden würde, noch nicht wirklich fertig war", erinnert sich Sparkes. "Und damit meine ich, dass tatsächlich noch Wände fehlten. Tobys gesamtes Equipment war da, aber noch nicht alles funktionierte. Das Ganze hat uns ziemlich zurückgeworfen, aber heute können wir darüber lachen."
Smiths Sammlung von alten Synthesizern half schließlich dabei, den neuen Sound auf "The Illusion Of Safety" herauszubringen. Und natürlich die Begeisterung für Giorgio Moroder und Fleetwood Mac. "Die und Prince, Michael McDonald und Yarbrough and Peoples", sagt Sparkes. "Aber das Album wurde genau so von aktuellen Künstlern beeinflusst wie von alten - wir haben uns alle angehört, Midlake und Beirut, Phoenix, Ladyhawke und Passion Pit. Wenn man alte Synthesizer verwendet, erwähnen die Leute immer die 80er Jahre, weil sie damals in Massen produziert wurden. Wir haben sie wegen der Wärme ihres Sounds verwendet und wir dachten, dass die Songs genau das wollen würden."
Auch was Ihre Texte betrifft sind The Hoosiers einen Schritt weiter gegangen. Während "The Trick To Life" ganz bewusst Liebeslieder vermied, geht "The Illusion of Safety" dieses Thema an - wenn auch nicht in aller Direktheit, dann zumindest aus einer schrägen Perspektive.
"Wir haben uns für Liebeslieder entschieden, um möglichst viele CDs zu verkaufen", scherzt Sparkes. "Bei unserem Debütalbum haben wir das Liebesthema völlig umgangen. Um einen Unterschied zu machen, sind wir es dieses Mal angegangen, aber auf so abstrakte Weise wie nur möglich. Ein Song handelt von einem Jungen, der ein Mädchen liebt, dass er noch nie getroffen hat. Es ist eine Art von Stalker-Song. Wenn du 15 bist, ist die Vorstellung mit einem Mädchen auszugehen manchmal besser als sie wirklich zu fragen, weil du weißt, dass sie Nein sagen wird. Ein anderer Song handelt von einem Geist, der eine Frau liebt, die ihn niemals sehen wird, obwohl er durch Wände geht, um sie zu beeindrucken."
Mit dem neuen, geradlinigeren Sound von The Hoosiers kommt auch ein neuer, geradlinigerer Look. Die Verkleidungstruhe wurde entsorgt und von nun an wird das Chaos um sie herum geschehen. Von höchster Bedeutung bei der Auswahl ihrer Musik und ihrer Kleidung war es, dass es nicht akzeptabel war, sich den Trends um sie herum anzupassen.
"Beim letzten Mal hatten wir drei Jahre lang versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen, und wir wollten jeden einzelnen Aspekt von uns und der Band mit einbringen", sagt Sparkes. "Wir haben wirklich versucht, unsere Fans zu unterhalten, und - zu einem großen Teil - ist uns das gelungen. Gelegentlich sind wir vielleicht etwas zu weit gegangen. Zum Beispiel? Nun, damals fanden wir die Vorstellung toll, ein Trampolin in einer Bar in Acton aufzustellen, mit dem es so aussah, als würden wir alle schweben, und dabei waren wir alle als Superman verkleidet. Im Rückblick..."

