Rage

Diese Musik in meiner Werbung Als ob es nie eine andere Rage-Konstellation gegeben hätte: Mit nur einem Schlag, quasi mit nur einem Album haken Chef Peavy Wagner und seine beiden neuen Bandmitglieder Victor Smolski (Gitarre, Keyboards) und Mike Terrana (Schlagzeug) die Schatten der jüngeren Vergangenheit ab, und präsentieren mit Welcome To The Other Side ein Werk, wie es intensiver, kompakter, vielschichtiger und überzeugender kaum sein könnte. Man nimmt den Mund sicherlich nicht zu voll, wenn man behauptet: Nie waren Rage so stark wie heute!
Peavy Wagner, Bandgründer, Hauptkomponist, Sänger und Bassist der Gruppe, bringt diese Erkenntnis auf eine kurze Formel: "Früher waren Rage eine Metalband mit teilweise unterschiedlichen Vorstellungen ihrer Musiker, jetzt kommen alle Ideen aus ein und derselben Quelle. Und: Mit Profis wie Victor und Mike zu arbeiten macht das Ergebnis nicht nur weitaus beeindruckender, sondern spart Zeit und schont Nerven."

Um die Vergangenheit nicht allzu sehr zu bemühen, hier nur kurz das Wesentliche der vergangenen eineinhalb Jahre. Mit Veröffentlichung des letzten Albums Ghost löste sich die bisherige Rage-Besetzung überraschend auf. Was auch immer die Gründe dafür gewesen sein mögen, Peavy Wagner haderte nicht lange mit seinem Schicksal, sondern formierte seine Band kurzerhand neu. Mit dem Multiinstrumentalisten Victor Smolski und Schlagzeuger Mike Terrana, der immerhin schon mit Stars wie Yngwie Malmsteen gearbeitet hat, fand er die ideale Neubesetzung, die schon wenige Wochen nach den ersten gemeinsamen Proben ein furioses Konzert beim 99er Wacken Open Air gab. Es folgte eine triumphale Europatournee, eine nicht minder erfolgreiche Konzertreise durch Russland, Smolskis Heimat, sowie umjubelte Shows bei diversen Festivals, u.a. beim ´Bang Your Head` in Balingen.

Die wahren Qualitäten der neuen Konstellation zeigten sich jedoch erst, als sich Rage wieder aus der Öffentlichkeit zurückzogen, um Material für das neue Album zu komponieren. "Wie gut es zwischen uns menschlich wie auch künstlerisch harmoniert erkennt man allein schon daran, dass etwa die Hälfte der neuen Songs von Victor komponiert wurden. Früher stammten auf den jeweiligen Rage-Alben höchstens ein oder zwei Stücke nicht von mir. Es war ein absolut entspanntes und gleichzeitig konzentriertes Arbeiten, bei dem eine wahre Flut von Ideen entstand. Letztlich ist das, was man nun auf Welcome To The Other Side hören kann, nur die Spitze des Eisbergs."

Eine Spitze, die es in sich hat. Siebzehn neue Songs (und Intros) finden sich auf Welcome To The Other Side wieder, einer atemberaubender als der andere. Schon der Opener ´Paint the Devil`, ein Abgeh-Song mit modernem Gitarrenriff und zwei virtuosen Soli dokumentiert unmissverständlich: Hier waren Könner am Werk. Wie breit die neue Rage-Besetzung den stilistischen Bogen spannt, erlebt man in ´One More Time`, einem streckenweise fast progressiven Song, der in einem wunderbaren Refrain kulminiert. Rage-Fans der ersten Stunde werden sicherlich bei ´No Lies` leuchtende Augen bekommen, einem Uptempo-Stück, das an Alben wie Trapped oder Missing Link erinnert. Dazwischen gibt es das groovende ´I´m Crucified` und das temporeiche ´The Mirror In Your Eyes`, mit krachenden Drums und akustischen Gitarren, die die Strophe veredeln. Erwähnt werden sollte unbedingt noch das in laid back-Stimmung intonierte ´Deep In The Night`, sowie das mit Zakk Wylde-Riffs ausgestattetes ´Point Of No Return`. Höhepunkt des Albums ist sicherlich ´Straight To Hell`, bei dem Terrana mit treibendem Shuffle-Rhythmus einem bravourösen Riff aus Smolskis Fingern mächtig Dampf macht, zu dem Wagner wiederum einen hymnenartigen Refrain beisteuert.

Stimmig zu dieser Vielzahl grandioser Songs ist auch die kraftvolle, außerordentlich natürlich klingende Produktion des Albums, die im ´VPS Studio` in Hamm über die Bühne ging. Grundlage des naturbelassenen Sounds ist eine analoge Bandmaschine, auf der die meisten Instrumente festgehalten wurden. "Nichts ist getriggert, nichts gesampelt", erklärt Smolski, auf dem ein großer Teil der Verantwortung für die Produktion lastete. "Einen solch warmen, natürlichen Klang bekommt man nur dann, wenn man mit analogen Geräten arbeitet."
Als Rage-Fan kann man von Welcome To The Other Side nur begeistert sein, und darauf hoffen, dass man die neuen Songs möglichst schnell auch in Konzerten zu hören bekommt. Diesbezüglich machen Wagner, Smolski und Terrana ebenfalls Nägel mit Köpfen: Tourstart ist am 5. April, anschließend geht es mindestens sechs Wochen durch Deutschland und Europa, sogar Japan steht diesmal wieder fest auf der Reiseroute. Da bleibt einem lediglich das Fazit: Welcome To The Other Side Of Rage!

TRACKS:
Trauma * Paint The Devil On The Wall * The Mirror In Your Eyes * R.I.P * One More Time * Requiem * I`m Crucified * No Lies * Point Of No Return * Leave It All Behind * Deep In The Night * Welcome To The Other Side * Lunatic * Riders On The Moonlight * Straight To Hell * After The End * Sister Demon

DISCOGRAPHIE
PRAYERS OF STEEL (1985)
DEPRAVED TO BLACK (EP, 1985)
REIGN TO FEAR (1986)
EXECUTION GUARANTEED (1987)
PERFECT MAN (1988)
SECRETS IN A WEIRD WORLD (1989)
REFLECTIONS OF A SHADOW (1990)
EXTENDED POWER (EP) (1991)
TRAPPED (1992)
BEYOND THE WALL (EP) (1992)
THE MISSING LINK (1993)
TEN YEARS IN RAGE (Best Of, 1994)
BLACK IN MIND (1995)
LINGUA MORTIS (1996)
END OF ALL DAYS (1996)
XIII (1998)
GHOST (1999)
Neu: WELCOME TO THE OTHER SIDE (2001)