Puhdys

Diese Musik in meiner Werbung Vor Jahren, als die Rocker prophezeiten: "Wir rocken bis zur Rockerrente", da hielten das viele für einen PR-Gag, mancher vielleicht auch für eine Drohung. Längst aber ist klar, dass es ein ernstgemeintes Versprechen war, das einzulösen sie auf dem besten Wege sind. Jedenfalls stehen die Puhdys 2001 bereits das 32. Jahr auf der Bühne - ein Jubiläum, wie es heute in Künstlerkreisen nicht sehr verbreitet ist. In unserer hektischen Zeit überwiegen eher die kurzlebigen Künstlerkarrieren.
Die Puhdys aber sind seit ihrem Auftritt im Freiberger "Tivoli" 1969 landauf, landab unterwegs, geschätzt von den Veranstaltern, weil die Band eine Garantie für volle Häuser und gute Stimmung ist, gefeiert von den Fans, weil sie die Musik der Puhdys lieben - bewundert auch von Kollegen, die wissen, was 32 Bühnenjahre an Arbeit, Disziplin, Einfallsreichtum und Ausdauer abverlangen. Man rätselt verschiedentlich, worin dieser langandauernde Erfolg eigentlich begründet sein könnte. Da ist die Rede von musikalischer Unkompliziertheit, von einfacher Sprache, von lebensnahen Themen und Botschaften, auch von stimmlicher Unverkennbarkeit, von Musiker-Persönlichkeiten und Glaubwürdigkeit. Mancher schwafelt auch von Nostalgie und versteht die Welt nicht mehr. Andere sehen darin eher den Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls, das Bekenntnis zu einer Sicht auf die Dinge des Lebens, die viel mit Ehrlichkeit, mit Moral, Identität und Integrität, auch mit Widerstand gegen Vereinnahmung zu tun hat. Vielleicht - wird vermutet - spielt all das eine Rolle, mal das eine, mal das andere. Mehr oder weniger. Einig sind sich alle, dass da etwas Besonderes sein muss, was die Puhdys auszeichnet. Ihr Auftreten ist aufrichtig und echt, sie nehmen ihre Fans, aber nicht sich selbst so ernst und sind jederzeit für einen Spaß zu haben. Das alles zusammen macht die Puhdys zu dem, was sie sind: eine der erfolgreichsten Bands in Deutschland - ein Phänomen.

Musikalisch orientierten sie sich zu Beginn ihrer Karriere an englischen Hardrock-Bands wie Slade oder Uriah Heep. Ihre Texte allerdings boten immer wieder Raum für verschiedene Interpretationen: "Alt wie ein Baum" musste man zum Beispiel schon werden, um die DDR verlassen zu dürfen. Die Puhdys sind heute: Dieter "Maschine" Birr (Gitarre, Gesang), Dieter "Quaster" Hertrampf Gitarre, Gesang), Peter "Eingehängt" Meyer (Keyboards), Klaus Scharfschwerdt (Schlagzeug, Perkussion) und Peter "Bimbo" Rasym (Bass). Die Karriere der Puhdys ist einmalig für eine Ex-DDR Band. 20 Alben haben sie veröffentlicht und sie tourten durch mehr als 20 Länder. Sie landeten unzählige Hits des Jahres, darunter "Türen öffnen sich zur Stadt" (1972), "Wenn ein Mensch lebt" (1974), "Lebenszeit" (1976), "Doch die Gitter schweigen" (1979), "Hey, John" (1981) und "Rockerernte" (1984). 1973 lieferten die Puhdys den Soundtrack für den Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula", der die Puhdys auf Anhieb populär machte ihnen den Weg für ihre außergewöhnliche Karriere ebnete. Hinzu kommen zahlreiche Nummer-Eins-Plazierungen in den damaligen DDR-Hitparaden "Beatkiste" und "Tip-Disco" beim legendären Sender DT64.

Die größten Hits der Puhdys gibt es auf dem Album "Puhdys 1969-1999 Zwanzig Hits aus dreissig Jahren". Dafür haben die Puhdys zwei brandneue Songs aufgenommen, acht Hits wurden neu produziert und zehn Original - Versionen sind digitally remastered zu hören. Das Album hielt sich im über acht Wochen in den Charts. Neben dem Best of-Album haben die Puhdys im Jubiläumsjahr 1999 auch den Longplayer "Wilder Frieden" veröffentlicht. Sie werden mit der "Goldenen Henne" - einem begehrten Medienpreis - geehrt. Im Jahr darauf folgt die Nominierung für die "Goldene Stimmgabel" als erfolgreichste deutschsprachige Band. Die Puhdys gehen 2000 nicht nur auf Tour, sie geben Konzerte in Jugendvollzugsanstalten und sensibilisieren die Öffentlichkeit mit ihrer Single "Wut will nicht sterben" (mit Till Lindemann von Rammstein) für das Thema Jugend und Gewalt.