Onkel Tom

Diese Musik in meiner Werbung Bombenhagel unter dem Weihnachtsbaum, denn Onkel Tom ist wieder da um uns allen gehörig das Weihnachtsfest zu versalzen. Denn wer kennt sie nicht, die grosse weihnachtliche Enttäuschung. Man wartet ungeduldig auf den heiligen Abend, um langersehnte Geschenke abzukassieren, doch von der Patentante gibt es wieder nur eine selbstgenähte, braune Cordhose - und anstatt der ersehnten Fussballschuhe liegt wieder nur ein langweiliges Tierlexikon unter dem Weihnachtsbaum.

"Ich glaub' nicht an den Weihnachtsmann" ist nicht nur eine längst überfällige Abrechnung mit studentischen Däumchendrehern, die im Wintermonat Dezember mit roten Bademänteln und angeklebten Bärten ihr spärliches Salär aufzubessern wollen. Nein, mit dieser und anderen Lügen - die um das heilige Fest der Liebe ranken - muss aufgeräumt werden. Daher hat Onkel Tom ein Bombardement von 16 Titeln am Start, um endlich für reinen Tisch zu sorgen. Eingebettet in einen satten Sound, zurecht gemastert vom Altmeister der Knöpfchen: Für die Produktion des Albums zeichnet sich Harris Johns verantwortlich. So kann man eine klare Sprache sprechen. Dabei ist die Formel ganz einfach: Schluss mit spiessiger Scheinheiligkeit, eine Kiste Alt-Bier kommt auf den Tisch - an dem übrigens ein jeder sitzen soll - und abfeiern ist angesagt. Es ist dabei ganz egal ob du Beamter, Underdog oder einfach nur ein Langweiler bist, feiern kann jeder, und hier kommt der ultimative Soundtrack, der jede Kerze am Weihnachtsbaum allein entzündet.

Zwischen traditioneller Kost wie 'Stille Nacht, heilige Nacht' oder 'Alle Jahre Wieder' hat Herr Angelripper zwei Eigenkompositionen gemogelt. Neben dem wiegenden Titeltrack 'Ich glaub' nicht an den Weihnachtsmann', findet sich auch noch das ungewohnt nachdenkliche Kleinod 'Am Weihnachtsbaume'. Hier stimmt unser Protagonist aus dem Ruhrgebiet den Blues an. Denn wieviel arme Seelen sitzen allein zuhause, wenn hinter bürgerlichen Fassaden in rauhen Mengen Wildschweinbraten und Rotkohl verspeist wird - und sehen in ihrer Ausweglosigkeit nur noch eine Lösung: Selbstmord. Statt Trübsal zu blasen, soll gefeiert werden. Das propagiert der gute Tom mit Recht. So lässt er denn auch das fünfte Jahr seiner Solo-Karriere würdig ausklingen.

Aber was soll erst im nächsten Jahr gefeiert werden, wenn das 20jährige Bandjubiläum von Toms' anderem Standbein - auch besser unter dem Namen Sodom bekannt - auf dem Kalenderblatt steht? 'Oh, Du Fröhliche...'