Mark Ronson
Diese Musik in meiner Werbung Kein Produzent prägte den Sound der vergangenen Jahre mehr Mark Ronson: mit seinen Arbeiten für Adele, Robbie Williams, Christina Aguilera, Nas, Daniel Merriweather und nicht zuletzt Amy Winehouse wurde der 35-jährige Exil-Brite innerhalb kürzester Zeit zur gefragtesten "Studio-Fachkraft" der Welt. Auch die Veröffentlichungen unter eigenem Namen schlugen ein wie eine Bombe: das 2007 erschienene Album "Version" (u.a. mit Robbie Williams, Lily Allen und Santigold) verkaufte sich alleine in Großbritannien mehr als eine Million Mal, die Single "Valerie" (mit Amy Winehouse) wurde weltweit zum Hit. Im darauf folgenden Jahr wurde er für beide Jobs mit den höchsten Preisen ausgezeichnet: jenseits des Atlantiks erhielt er einen Grammy als "Produzent des Jahres", in seiner Heimat wurde er bei den Brit Awards als "Bester britischer Solokünstler" geehrt. Im September veröffentlicht Mark Ronson nun mit "Record Collection" sein mittlerweile drittes Album - diesmal als Mark Ronson and The Business Intl.Dass Ronson sich nicht mehr damit begnügen würde, sich auf seiner musikalischen Erfolgs-Formel auszuruhen, war klar. So heißt es auf "Record Collection" "Tschüss, Trademark-hafte Dap-Kings-Bläsersätze" und "Au Revoir, innovative Coverversionen". Statt dessen mixt der in New York lebende Musiker und DJ ein eklektisches Genre-Süppchen aus Brooklyn-B-Boy-Sounds und schwurbeligen Retro-Synths zusammen, der es dem Hörer schlichtweg unmöglich macht, ruhig sitzen oder stehen zu bleiben. Keine Frage: Ronson hat einfach einen sechsten Sinn für unkonventionellen Out-Of-The-Box-Pop.
Die Aufnahmen zu "Record Collection" fanden in den Dunham Studios in Brooklyn statt. Ronson verwendete im Studio eine Vielzahl alter Synthesizer, die er jüngst bei eBay erstanden hatte. Das Album vereint Achtziger-Jahre-Indie mit Nineties-HipHop und featured einen ZIEMLICH interessanten Sänger: auf dem "Lose It (In The End)", das von Jonathan Pierce (The Drums) mitgeschrieben wurde, ist neben Wu-Tang-Clan-Mitglied Ghostface Killah auch Mark Ronsons Stimme (!) zu hören. "Mein Gesang klingt im Kontrast zu Ghostface so winzig", sagt Ronson, "man schrumpft buchstäblich, wenn er reinkommt. Aber ich wollte, dass der Song klingt, als wenn The RZA ein Stück von der Turtles sampelt und einen Breakbeat drüberlegt."
Doch "Lose It (In The End)" ist nicht der einzige Song, auf dem er singt. Auch den Titelsong, eine satirische Betrachtung der Musikindustrie der Art und Weise, wie Ronsons Lifestyle wahrgenommen wird, veredelt er mit seinem soften, transatlantischen Vocal-Style. In dem Stück, das von Kaiser-Chiefs-Schlagzeuger Nick Hodgson geschrieben wurde, singt Ronson: "I drive round cities in a chariot/I get preferential treatment in the Marriot". Für den Refrain konnte er Duran-Duran-Legende Simon Le Bon gewinnen, die Keyboards spielte dessen Band-Kollege Nick Rhodes ein. "Record Collection" ist ein Highlight auf einem mit Höhepunkten gesegnet Album.
Ein Gutteil des Charmes des Albums ist dem latenten Old-School-Flavour geschuldet, der überall auf "Record Collection" spürbar ist. "The Bike Song", der von Zutons-Sänger und -Gitarrist Dave McCabe geschrieben und von View-Sänger Kyle Falconer gesungen wurde, gefällt mit psychedelischem Sixties-Vibe, den Doo-Wop-Song "The Night Last Night" bringt die ehemalige Pipettes-Chanteuse Rose Elinor Dougall zu voller Pracht. "Ich wollte so ein ‚Frankie Valli And The Four Seasons'-Feeling haben, wie bei dem Song ‚Beggin', erklärt Ronson, "diese Barbershop-haften Harmonien, die einen nicht mehr loslassen, und dazu einen heftigen Drumbeat."
Rose ist auch auf "You Gave Me Nothing" zu hören, das ebenfalls von Jonathan Pierce mitgeschrieben wurde. Zusammen mit Miike-Snow-Frontmann Andrew Wyatt sang sie ein Anti-Liebeslied ein, das die Geschichte eines sich bekriegenden Paares erzählt. Ronson orchestriert dies mit opulenten Achtziger-Jahre-Synthesizer-Klängen.
Die erste Single aus "Record Collection" ist der UK-Top-Ten-Hit Bang "Bang Bang Bang", den Ronson selbst mit den Worten "als hätten Van Halen und The Meters zusammen ein Baby gehabt" beschreibt. Die Vocals steuerten Rapper Q-Tip (A Tribe Called Quest) und Sängerin MNDR (u.a. Live-Keyboaderin der Yeah Yeah Yeahs) bei, auch Kaiser-Chiefs-Drummer Nick Hodgson wirkte an der Entstehung des Songs mit. "Als wir 2007 auf diesen ganzen Festivals auftraten, landeten wir irgendwann im ‚Dance-Zelt'", erinnert sich Mark Ronson, "da wurde ich ziemlich neidisch, wenn Justice, Soulwax oder Pendulum in ihre 'Double-Time-Breaks' übergingen und die ganzen Kids auf- und absprangen. So ein Tempo hatten wir in unserem Set nie. Also wollte ich das auch in einem unserer Songs haben."
Ein weiteres Highlight ist "Somebody To Love Me", der in einer bemerkenswerten Songwriter-Konstellation zu Stande kam: Jake Shears (Scissor Sisters), Cathy Dennis, Anthony Rossomando (ehemals Dirty Pretty Things) und Andrew Wyatt teilen sich die Kompositions-Credits des Songs, den Ronson mit dem Adjektiv "bionisch" beschreibt. Ihm gelang es auch, Culture-Club-Legende Boy George als Sänger zu verpflichten, der den Song in ernsthafter "Blue Eyed Soul"-Manier interpretierte und so einen ‚lost Club Classic" schuf - natürlich mit einer topmodernen Note.
Kein Frage: diese "Record Collection" darf in der eigenen auf keinen Fall fehlen.

