Live

Diese Musik in meiner Werbung Album: "Songs From Black Mountain"
Single: "The River"

Mehr als ihr halbes Leben lang machen sie nun schon zusammen Musik, tourten dabei um die ganze Welt und verkauften über zwanzig Millionen Alben. Und trotzdem, sagen die vier Live-Mitglieder (Sänger Ed Kowalczyk, Gitarrist Chad Taylor, Bassist Patrick Dahlheimer und Schlagzeuger Chad Gracey), ist das neue Album "Songs From Black Mountain" für die Band so etwas wie ein Neuanfang.
Bevor sie sich allerdings an die Aufnahmen machten, stellten die Vier - die sich alle noch in ihren frühen Dreißigern befinden - eine Musik- und Video-Retrospektive zusammen, die die bisherigen sechs Studioalben des Quartetts umfasst. Seit Gründung der Band 1988 während der gemeinsamen Schulzeit in York im US-Bundesstaat Pennsylvania entwickelte sich die Gruppe kontinuierlich zum internationalen Topseller. Zwei Alben erreichten Platz Eins der Billboard-Top-200-Albumcharts ("Throwing Copper" und "Secret Samadhi"), dazu kommen fünf US-Nummer-Eins-Singles, neun Top-10-Singles und Nummer-Eins-Alben in Australien, Holland, Südafrika, Kanada, Belgien und Neuseeland.
"Es war eine reinigende und aufschlussreiche Erfahrung, unsere größten Hits zusammenzustellen, denn das rief uns in Erinnerung, wo wir herkommen und wie wir uns als Band entwickelt haben", sagt Sänger und Chef-Songschreiber Ed Kowalczyk. "Jetzt, wo wir bei unserem neuen Label Epic unterschrieben haben, fühlt es sich an, als hätten wir ein Kapitel abgeschlossen und fangen mit diesem Album noch einmal neu an."
Vor zwei Jahren, als Kowalczyk anfing, am siebten Studioalbum des Quartetts, "Songs From Black Mountain" zu schreiben, faszinierte ihn der Gedanke, wie sehr die Kunst auf der ganzen Welt immer wieder vom Geist des Weiblichen beeinflusst war. "Historisch betrachtet war die Muse immer eine Frau - von den Musen der griechischen Mythologie bis hin zu Saraswati in Indien. Meine Erfahrungen als Songschreiber bestätigen diese Wahrnehmung. Ich bin von Frauen umgeben - vor allem von meiner Frau und meinen beiden Töchtern - die meine Kreativität entfachen", erklärt er. "Vor diesem Hintergrund versuchte ich, meine schöpferische Energie als etwas Weibliches zu erfahren; ich schrieb Songs an meine Muse. Wenn die Leute sich die Stücke anhören, hören sie vermutlich zunächst eine Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau, aber für mich geht das tiefer."
Die erste Single von "Songs From Black Mountain" mit dem Titel "The River," verbindet die anspruchsvollen Texte mit einer ansteckenden Pop-Melodie. "Bring your burning skin to my river once again, I'll give you life"
"Dieser Song hat vermutlich die einprägsamste Melodie, die wir je aufgenommen haben", sagt Kowalczyk. "Es gefällt mir, wie wir etwas derart Eingängiges benutzen, um diese sperrigen, abstrakten Text-Ideen zu verpacken, mit denen ich den Vorgang des Songschreibens umschreibe. Wenn ich mich hinsetze, um ein Stück zu verfassen, fühlt es sich jedes Mal an, als würde ich durch einen Fluss waten, durch den mich eine weibliche Präsenz führt, die mir einen sanften Stoß in die richtige Richtung gibt, wenn ich es brauche."
DAS ALBUM
Im Mai 2005 traf sich die Band im Studio in Santa Barbara mit dem Produzenten Jim Wirt (Incubus, Hoobastank), um das Album einzuspielen. Die Aufnahmen waren ungewöhnlich schnell abgeschlossen. In nur drei Wochen, berichtet Kowalczyk, stellten sie alle zwölf Songs in einem euphorisierten Anfall von Kreativität fertig - ein Phänomen, das auch die Beteiligten selbst überraschte. "Seit ‚Throwing Copper' haben wie nicht mehr so schnell gearbeitet", sagt er. "Wir waren wie die Chicago Bulls, wenn sie sechs Meisterschaften hintereinander gewonnen haben. Kaum waren wir im Studio, sind wir sofort wieder in die Angriffszone gestürmt. Wir haben hart gearbeitet, aber waren total entspannt, offen füreinander und völlig im Flow. Wir waren wirklich bass erstaunt, wie schnell die Aufnahmen gingen und wie gut es hinterher klang."
Der erste Song, den die Band aufnahm, "Love Shines (A Song For My Daughters About God)", ist ein Stück, in dem es um Spiritualität geht und das Kowalczyk für seine beiden Töchter geschrieben hat. "Eines Tages werde ich ihnen etwas über Gott beibringen und ich möchte sie nicht in irgendeine langweilige Kirche schleppen. Das hier soll ihr Katechismus sein", erklärt er. "Es ist ein einfacher Text über die Erkenntnis und wie sie uns immer und überall den Weg leuchtet. Es ist etwas, wo man Zuflucht finden kann. Was auch immer passiert im Leben, es ist immer da. Egal, an was man glaubt, es gibt da eine Präsenz - wie auch immer man sie nennen mag - die als innerer Ruhepol immer da ist. Ich finde, das ist eine schöne und tröstliche Botschaft für Kinder."
Der Albumtitel "Songs From Black Mountain" hängt mit dem Stück "Mystery" zusammen, erklärt Kowalczyk. "Mine eyes have seen the glory of a love that does transcend/Mine eyes have seen the worst inside of man"
"Black Mountain ist ein Ort in der Nähe meines Hauses in Kalifornien, wo die Eichen so dicht stehen, dass es dort immer dunkel ist. Er hat diese mystische Aura, die mich daran erinnert, wie es ist, Songs zu schreiben. Du wanderst einen Pfad hinunter, ohne zu wissen, wo du hingehst, aber du spürst, dass da eine unbekannte Macht ist, die dich führt. Dieser Song hat keine konkrete Bedeutung. Es geht darum, mit Hilfe einer Melodie Menschen zu einem wunderschönen Ort zu führen. Ich lasse hier bewusst Interpretationsspielraum."
Kowalczyk erzählt, dass einige seiner Lieblingsstücke genau diese mysteriöse Qualität haben, den Hörer zu einem Punkt zu führen, wo er den Song für sich persönlich lesen kann, indem er die Leerstellen ausfüllt. "'Where The Streets Have No Name' von U2 ist das perfekte Beispiel", sagt er. "Man weiß, dass die Band einen spirituellen Hintergrund hat, aber sie geht das in diesem Stück so kunstvoll an. Sie zwingt dir keinen Standpunkt auf, denn das hätte den Song eingeschränkt."
"Home", der einzige Song des Albums, der ein unmissverständliches Thema hat, ist ein Anti-Kriegs-Stück, geschrieben aus der Perspektive eines Soldaten. "When they coming home?/When they leaving that place?/To see their lover's face again/Kids'll see their daddy's face again"
"Beim Schreiben dieses Songs bin ich sehr vorsichtig vorgegangen, denn ich wollte keinen politischen Protestsong schreiben, der sich ausschließlich auf eine bestimmte Zeit bezieht. Ich wollte das Thema allgemeiner fassen und ein Stück über die menschliche Erfahrung des Krieges schreiben," sagt Kowalczyk. "Es geht nicht nur darum, diesen Krieg zu beenden, sondern alle Kriege zu beenden."
Das letzte Stück, das Live aufgenommen haben - "All I Need" - hebt sich vom Klang deutlich vom Rest des Albums ab. "Es ist ein seltsames Stück", sagt Kowalczyk. "Wir haben es uns bis zum Schluss aufgehoben, weil wir nicht sicher waren, wie wir es anpacken sollten. Es hatte nicht erste Priorität, darum haben wir ein paar Sachen damit ausprobiert. Am Ende ist es eines meiner Lieblingsstücke auf diesem Album geworden."
"Darum macht das Plattenmachen soviel Spaß - man weiß nie, was passiert. Man denkt, ein Song würde sich in diese Richtung entwickeln und dann passiert das genaue Gegenteil. Und wenn man es sich dann später anhört, merkt man, dass der Song genauso klingt, wie er sein muss. Lieder wissen selbst, wie sie klingen wollen - man muss nur zuhören."