Kylie Minogue
Diese Musik in meiner Werbung Ein erfolgreicher Teenie-Popstar muß oft mehr von seiner wirklichen Persönlichkeit verstecken als ihm lieb ist. Kylie Minogue möchte nicht mehr diese Art Popstar sein. Nach 23 englischenTop Twenty Hits in Folge erscheint im Januar 1998 ihr siebtes Album, das die 29-jährige Australierin mit großem Enthusiasmus präsentiert."Ich wollte selbst Songs schreiben, hatte das aber vorher nie wirklich probiert. Also fuhr ich mit meinem Freund drei Wochen kreuz und quer durch Amerika und fing an, Sachen aufzuschreiben: Gefühle, bestimmte Momente und Erfahrungen, eben alles, was mir durch den Kopf ging. Ziemlich konfus, glaube ich".
Kylie holte sich Rat von befreundeten Songwritern: Tricky, Bono, Nick Cave:
"Bono sagte mir, drifte nicht zu weit weg. Wenn Du eine Geschichte erzählst, die Dir selbst passiert ist, hast Du einen Song. Bleib klar und einfach".
Nick Cave riet zur Mäßigung.
"Nicks Ratschläge sind geradezu weise. Er sagte: Entferne Dich nicht zu sehr von dem, was Du bisher gemacht hast, denn das machst Du gut. Geh' weiter, probiere ein paar andere Dinge, aber vergiß' darüber nicht, wer Du bist, was Dich ausmacht."
Ein für Kylie's bisheriges Image ungewöhnlicher, sehr erfolgreicher Schritt in eine andere Richtung war das auch in Deutschland erfolgreiche "Where The Wild Roses Grow", ein Duett mit Nick Cave, in dem sie den Part der ermordeten Geliebten sang.
"Ich bin ihm so dankbar, daß er mir diese Möglichkeit gegeben hat", erzählt sie. "Und es hat mich gerührt, daß er die Idee für ein Duett mit mir schon seit Jahren hatte.
Ich fühlte mich, als ob ein Engel zu mir kommt und sagt: OK, Dein Leben war ziemlich klasse bis heute, aber jetzt habe ich etwas ganz Besonderes für Dich: Und ich habe mich natürlich riesig gefreut, daß das Publikum es so interessant fand. Wir haben etwas zusammen gemacht, das vorher unvorstellbar war. Ich denke, ich habe mit "Wild Roses" in der Öffentlichkeit ein bißchen an Glaubwürdigkeit gewonnen, aber viel wichtiger ist, daß durch diese Arbeit mein Selbstvertrauen gewachsen ist. "
Zwei Songs auf dem neuen , schlicht "Kylie Minogue" betitelten Album sind aus der Zusammenarbeit mit den Manic Steet Preachers entstanden. "Some Kind Of Bliss", die erste Single, wurde von James Dean Bradfield, dem Sänger der Band, zu einem von Kylie's Texten komponiert.
"Ich kam zum singen ins Studio, hörte das Playback und stellte erstaunt fest, daß sie alles mit richtigen Instrumenten aufgenommen hatten. Ich war das gar nicht gewohnt, und dachte anfangs nur, das ist nicht mein Song, der ist für die Stones"
War das nun die Geburtsstunde von 'Indie Kylie' ?
"Nein, natürlich nicht. Ich verstehe, daß jemand auf diesen Gedanken kommt, aber wie klingt denn Pop heute ? Künstler wie Beck haben das doch eindrucksvoll vorgemacht: Mit der wilden Kombination verschiedenster Einflüsse hat er seinen eigenen Stil entwickelt. Im Pop gibt es heute so vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Ich bin noch immer eine Pop-Künstlerin und habe mit viel Spaß einen neuen Weg für mich ausprobiert , aber deswegen bin ich noch lange nicht 'Indie' oder 'Alternative'. Pop klingt heute einfach so, mit Ecken und Kanten."
Außer den Manic Street Preachers haben auch die Brothers In Rhythm ("Too Far", "Cowboy Style", "Did It Again", "Say Hey", "Drunk" und "Dreams"), Dave Ball und Ingo Vauk von The Grid ("Breathe", "Limbo" und "Through The Years") sowie Rob Dougan von Clubbed To Death ("Jump") mit Kylie für das Album zusammengearbeitet.
"Ich habe es sehr genossen, mit diesen Musikern zu arbeiten. Das sind die angesagten, coolen Jungs. Wir hatten viel Spaß - eine wirklich inspirierende Begegnung. Aber ich bin natürlich nicht wie sie, ich habe eine andere Geschichte, und für mich ist es genau richtig, da zu sein, wo ich jetzt stehe, mit diesem kleinen Fragezeichen , das gerade über mir schwebt."
Kylie hat oft genug in ihrer Karriere Anderen etwas vormachen müssen, deshalb wird sie nicht einfach ein altes Image gegen ein neues eintauschen. Es ist dieselbe Frau, die auf ihrem neuen Album über Unsicherheit und Verletzlichkeit singt und dann begeistert zu einem Dance-Klassiker aus den 70ern abtanzt, wenn ihr danach ist.
"Vor kurzem fragte mich jemand, was ich denn nun wirklich will," erinnert sie sich lachend. "Natürlich habe ich mich nicht getraut, zu sagen, ich will aus einer Torte heraussteigen und singen, dann hätten sie mir in der Plattenfirma gesagt, daß ich eine ernsthafte Künstlerin bin, die gefälligst nicht aus einer Torte steigt."
Anfang des Jahres trat Kylie zusammen mit Ray Charles bei der Eröffnung des neuen Casino's von Melbourne auf.. Sie sang einen ihrer größten Hits , I Should Be So Lucky", begleitet vom Melbourne Symphony Orchestra. Am Anfang des Songs erschien sie aus einer großen Muschel.
"Also - bin ich jetzt Indie oder Pop ?"

