Kent

Diese Musik in meiner Werbung KENT

Wenn Rockbands kurz davor sind, ein neues Album aufzunehmen, dann konzentrieren sie sich üblicherweise auf das Songwriting und wagen sich höchstens mal zum Einkaufen vor die Tür. Die schwedische Rockband KENT beschreitet diesbezüglich ganz andere Wege. Anstatt am Schreibtisch über neuen Songs zu brüten, haben die Jungs vor den Aufnahmen zum neuesten Album "Hagnesta Hill" die meiste Zeit lieber damit verbracht, kreuz und quer durch Europa und die U.S.A. zu touren. Wer nun denkt, dass das Leben "on the road" fürs Schreiben und entwickeln neuer Songs eher hinderlich ist, wird von KENT schnell eines Besseren belehrt. Das Touren zwischen '97 und '99 hat dem Trio sogar den kreativen Prozess des Schreibens erleichtert. Allein schon aufgrund der unzähligen Soundchecks innerhalb der letzten zwei Jahre war immer genügend Zeit, auch mal neues Material auszuprobieren und einzustudieren. Auf diese Weise kamen praktisch nebenbei 38 (!) brandneue Tracks zustande, so dass KENT vor den Aufnahmen zum mittlerweile vierten Long-Player die Qual der Wahl hatten.

Lead-Sänger Joakim Berg hat eine ziemlich unkonventionelle, jedoch sehr bewährte Art herauszufinden, wann ein Song das gewisse Etwas hat: "Wenn ich schon in der Anfangsphase eines Liedes bei den ersten Durchgängen keine Gänsehaut bekomme, dann wird der Track sofort in die Tonne geworfen."

Ein Song, der glücklicherweise nicht im Mülleimer landete, ist die erste Single-Auskoppelung "Music Non Stop" - ein unverkennbarer KENT- Kracher mit "Disco-Rock"-Flavour. "Cowboys", ein weiteres Highlight auf "Hagnesta Hill", wurde von der Band kurzerhand mit dem Spitznamen "Springsteen goes to outer-space" versehen. Der prägnante Sound, der KENT immer schon von anderen Bands unterschied, zieht sich auch auf dem aktuellen Werk wie ein roter Faden durchs ganze Album.

"Hagnesta Hill" wurde sowohl in Stockholm (in den Stadtteilen Vasastan, Sodermalm und Kungsholmen) als auch in den dänischen Puk-Studios aufgenommen. Daß die Wahl des Produzenten auf Zed fiel war dabei keine Überraschung. Schließlich hatte er auch schon 1997 beim Vorgänger "Isola" hinter dem Mischpult gesessen. KENT konnten für das Album, neben zwei schwedischen Grammys ("Best Pop/Rock Group" und "Best Album") sowie zwei Rockbjörn-Awards ("Best Swedish CD" und "Best Swedish Group"), bereits eine Platin-Auszeichnung einheimsen. Doch was Preise angeht, ist die Ausnahmeband schon von Beginn an erfolgsverwöhnt gewesen. KENT, die sich ursprünglich "Havsanglar" (Sea Angels) nannten, waren in ihrer schwedischen Heimatstadt Eskilstuna schon immer ein Geheimtip. Als sich die Band 1994 dann in KENT umtaufte und bei der RCA/BMG einen Plattenvertrag unterzeichnete, schien der musikalische Erfolg nicht mehr zu stoppen. Das Debüt-Album "Kent" wurde 1995 veröffentlicht und bescherte der Band auf Anhieb den schwedischen Grammy für "Beste Pop/Rock-Gruppe 1995". Das Follow-up "Verkligen" erreichte nicht nur Gold-Status, sondern wurde von den Lesern des "Aftonbladet", Schwedens größter Abendzeitung, zur besten schwedischen CD des Jahres 1996 gewählt. Ein Jahr später erschien dann "Isola". Das angestrebte Ziel bei "Hagnesta Hill", mit einfachsten Mitteln ein preisgünstiges Album zu produzieren, schlug leider fehl. Joakim erklärt warum: "Eigentlich wollten wir ein Haus mieten, in dem wir sowohl wohnen als auch aufnehmen konnten, aber so etwas zu finden war schwieriger als erwartet. Es fand sich keine geeignete Location, die eine ausreichende Stromversorgung für das technische Equipment vorweisen konnte. Außerdem waren die meisten Häuser zu klein, schließlich wollten wir dort ja nicht nur aufnehmen, sondern auch kochen, essen, schlafen, etc.. Also haben wir uns entschieden, das Material sowohl in verschiedenen Stockholmer Studios als auch im Puk-Studio in Dänemark aufzunehmen. Das Puk-Studio, in dem wir auch einige Zeit wohnten, war in den achtziger Jahren eines der angesagtesten Studios überhaupt."



Doch was verleiht der Musik von KENTt diesen individuellen Touch? Und wie kommt es, dass die Jungs trotz altbekannter Zusammenstellung von Bass, Schlagzeug und Gitarre so quicklebendig und erfrischend klingen? Ein Grund ist sicherlich das "Wir"-Gefühl von KENT - jeder in der Band weiß, dass man als Gruppe weitaus mehr erreichen kann als jeder für sich allein. Ein weiterer Grund ist das hohe musikalische Niveau, auf dem sich das Quintett bewegt. Auch wenn die Zeit knapp bemessen ist - KENT probieren immer wieder neue Sachen aus, diskutieren über Ideen oder feilen an verschiedenen Arrangements. Sie sind einfach sie selbst, mit anderen Worten: eine richtige Rock-Band! Noch oft flammt das innere Bedürfnis auf, sich die Seele aus dem Leib zu rocken, was dann meist in abgefahrene, musikalische Experimente ausartet...

Natürlich sind auch die abstrakten und dennoch scharfsinnigen Texte von Joakim zu erwähnen. Vielleicht liegt es an der Authentizität der Lyrics, dass sich jeder mit den Zeilen identifizieren kann. "Ich glaube es ist schwierig, glaubwürdige Songs zu schreiben, die nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem Umfeld stehen, in dem man sich befindet. Es wäre doch mal interessant, eine Band für zehn Jahre auf eine einsame Insel zu schicken, um zu sehen, wie sich Text und Musik fernab der Zivilisation entwickeln," fällt Joakim zum Songschreiben ein. Fragt man ihn, wie er die Zukunft von KENT einschätzt, dann antwortet er: "Wir verstehen uns alle super. Der einzige Grund sich zu trennen bestünde dann, wenn neue Songs schlechter als die alten wären, man sich also praktisch zurückentwickelt. Solange wir Alben wie "Hagnesta Hill" zustande bringen werden wir bestimmt noch lange zusammenbleiben." Glück gehabt...

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DISKOGRAFIE

5" CD If You Were Here 74321 56063 2 (VÖ: 16.02.97)
CD Isola 74321 56071 2 (VÖ: 04.05.98)
5" CD Things She Said 74321 60472 2 (VÖ: 07.09.98)
5" CD 747 74321 64591 2 (VÖ: 08.02.99)
5" CD Music Non Stop 74321 73937 2 (VÖ: 17.04.00)
CD Hagnesta Hill 74321 74111 2 (VÖ: 17.04.00)