Haggard

Diese Musik in meiner Werbung Anno Domini 1991 wird in München das Fundament für eine der ungewöhnlichsten Bandfor-mationen gelegt, die die Welt des harten Rock je gesehen hat: Asis Nasseri und Luz Marsen gründen in diesem Jahr die vierköpfige Band HAGGARD, die sich zunächst einer ungewöhnlichen, sehr verspielten Variante des Death Metal zuwendet. Zwei Jahre später wird eine erste selbstproduzierte MCD namens "Progressive" aufgenommen, mit der man im Untergrund mehr als bloße Achtungserfolge erzielt, so daß man schon kurze Zeit darauf bei der Tour der Szenegrößen Amorphis und Desultory als Opener mitwirkt und sich somit erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Man begeistert die Death Metal-Fans mit technischer Fertigkeit und ungewöhnlichen Songstrukturen.
Abermals zwei Jahre später beginnt man damit, klassische Instrumente in die Musik einfließen zu lassen, da man sich mit dem immer technischer angelegten Death Metal in einer kreativen Sackgasse sieht und Bandkopf Asis in dieser Art des Songwritings keine Herausforderung mehr findet.
Die Band ist seit jeher neben dem Metal auch der mittelalterlichen Klassik verfallen, so daß man sich kurzerhand entschließt, musikalisch neue Wege zu gehen und für ein größeres Ensemble zu komponieren. Drei neue Bandmitglieder mit rein klassischen Instrumenten (Violine, Cello und Piano) sowie eine Sopranistin werden in die Band integriert.
Die Richtung, in die es nun gehen soll, zeigt das 1995 aufgenommene "Once... Upon A December's Dawn"-Promo-Tape, dessen Stücke die Besucher auf der kurz darauf folgenden Tour mit Illdisposed, die man in kompletter Besetzung antritt, begeistern können. Es ist bereits zu diesem Zeitpunkt nicht zu übersehen, daß die Metal-Gemeinde euphorisch auf diese Fusion von Klassik und Heavy Metal reagiert, so daß man sich entschließt, den einmal eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.
So wächst die Band kurz darauf zu einer 16-köpfigen Formation, die auf dem sensationellen, 1997 erschienenen "And Though Shalt Trust... The Seer"-Album eine absolut einzigartige Fusion aus Klassik und kompromißlosem Heavy Metal darbietet. Das Album wird quer duch die Presselandschaft von Journalisten sämtlicher Genres frenetisch gefeiert und in höchsten Tönen gelobt. Diese musikalische Reise durch das Mittelalter, das von einem interessanten textlichen Konzept durchzogen ist, zeigt erstmals, daß klassische Musik, harter Death Metal und bombastische Chöre durchaus ineinander verwoben werden können. Mehr noch: HAGGARD erschaffen ein nie gehörtes klangliches Meisterwerk, das den Hörer emotional fesselt und von melodisch- verträumten bis hin zu aggressiv- treibenden Passagen alles bietet, was der aufgeschlossene Rock-Fan gerne hört.
Anfang 1998 wird die Band auf der Atrocity-Tour von den Fans gefeiert und spielt sich damit in die Herzen der Metal-Jünger quer durch die Republik und weit darüber hinaus.
Inhaltlich widmen sich HAGGARD dem Leben und Schaffen des französischen Arztes und Sehers Michael de Notre Dame: einem textlichen Konzept, das auf dem neuen Album der Band seine Fortsetzung findet.
Für das Millenium-Album "Awaking The Centuries" konnte die Band erneut mit einem Paukenschlag aufwarten. Asis und seine Mannschaft konnten tatsächlich den Neuen Moskauer Rundfunkchor für die Chorparts verpflichten, was dem Album einen noch bombastischeren Anstrich verleiht und die CD zu einem Hörgenuß mit Gänsehautgarantie werden läßt. Auch hier wird auf die seit anno '96 bewährten Trademarks zurückgegriffen und klassische Musik mit hartem Death und zugehörigen Grunzvocals verschmolzen. Das aktuelle Album ist etwas härter ausgefallen als der Vorgänger, was den Genuß der Musik jedoch keinesfalls schmälert. Ganz im Gegenteil: die härtere Marschrichtung spiegelt die Nonkonformität der sympathischen Band wieder und zeigt, daß sich HAGGARD von keinen Trends beeinflussen lassen und spielen, wonach ihnen der Sinn steht. Ein weiteres Highlight auf der CD ist die Verpflichtung von Percussion-Legende Evert Fratermann, der durch seine Arbeit mit Sting, Nigel Kennedy und vielen anderen Musikgrößen berühmt wurde und nicht nur in Insiderkreisen als Vollblutprofi und Könner seines Faches bekannt ist.
HAGGARD sorgen mit "Awaking The Centuries" erneut für Gesprächsstoff und schenken uns ein Album, von dem man noch in Jahren reden wird.