Günter Wand
Diese Musik in meiner Werbung Bescheidenheit und Größe im Dienste der Musik der Dirigent Günter Wand
Günter Wand wurde 1912 in Elberfeld (einem heutigen Stadtteil von Wuppertal) geboren und begann seine Karriere zunächst als Korrepetitor und Kapellmeister in Wuppertal, Allenstein und Detmold, bevor er 1939 als erster Kapellmeister an die Kölner Oper engagiert wurde.
Nach einem kriegsbedingten Intermezzo 1944/45 leitete er das Mozarteum-Orchester in Salzburg wurde er 1945 in Köln als jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands mit dem Wiederaufbau von Oper und Konzert beauftragt. 1948 gab er die Verantwortung für die Oper ab und widmete sich fortan bis 1974 den Konzerten des Kölner Gürzenich-Orchesters, das sich unter seiner Leitung zu einem führenden deutschen Klangkörper entwickelte.
Außer dem klassisch-romantischen Repertoire setzte er häufig zeitgenössische Kompositionen aufs Programm und dirigierte u.a. Erst- und Uraufführungen von Olivier Messiaen, Wolfgang Fortner, Witold Lutosl/awski und Bernd Alois
Zimmermann. Durch Gastspiele im In- und Ausland sowie rund 30 französische Schallplattenaufnahmen erlangte er zu dieser Zeit erstmals internationale Aufmerksamkeit.
Seine ruhmreiche Alterslaufbahn setzte Mitte der 70er-Jahre ein, als er die Zusammenarbeit mit den Orchestern der großen Rundfunkanstalten (ARD, BBC, NHK Tokio) intensivierte und sich mit über sechzig Jahren erstmals der
Sinfonik Anton Bruckners zuwandte. Mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester spielte er ab 1976 alle Sinfonien dieses Komponisten wie auch Franz Schuberts in mittlerweile legendären Aufnahmen ein und avancierte damit zu einer unangefochtenen Autorität in Sachen Bruckner. Als Siebzigjähriger übernahm er 1982 noch einmal eine Chefdirigentenposition, diesmal beim Sinfonieorchester des NDR in Hamburg, dem er nach seinem Ausscheiden im Jahr 1991 als Ehrendirigent auf Lebenszeit verbunden blieb.
In der Hamburger Ära Wand entstanden maßstabsetzende Studioproduktionen der sinfonischen Zyklen Beethovens und Brahms'; seit Anfang der 90er-Jahre wurden zudem zahlreiche Hamburger Konzerte in Live-Mitschnitten festgehalten. Trotz weltweiter Anerkennung blieb der Künstler durch eine überschaubare Zahl an Gastdirigaten stets ein Gegentyp des reisenden Pultstars. Er konzentrierte sich auf die intensive Arbeit mit wenigen Ensembles wie dem
NDR-Sinfonieorchester, den Münchner Philharmonikern und dem BBC Symphony Orchestra, das ihn 1982 zum Chief Guest Conductor ernannte.
Einen alljährlichen Höhepunkt bildeten seit 1995 die mitgeschnittenen Konzerte am Pult der Berliner Philharmoniker, die seinen Rang vor allem als herausragender Bruckner-Interpret immer wieder aufs Neue bestätigten. Für sein sieben Jahrzehnte umfassendes Wirken wurde der Dirigent vielfach ausgezeichnet, neben hohen Verdienstorden mehrfach mit dem Deutschen Schallplattenpreis, dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, dem Echo Klassik-Preis der Deutschen Phono-Akademie, den französischen Jahrespreisen des Diapason bzw. der Le Monde de la Musique, dem japanischen Akademie-Preis und dem britischen Gramophone Award. 1996 ehrten ihn die Berliner Philharmoniker mit ihrer nur selten verliehenen Hans-von-Bülow-Medaille.
Günter Wand starb am 14. Februar 2002, einen Monat nach seinem 90. Geburtstag, in seinem Wohnort Ulmiz in der Schweiz.

