Gianna Nannini
Diese Musik in meiner Werbung WIE DAS ALBUM "IO E TE" ENTSTANDEnde November 2009 fing ich an, die neuen Songs für das Album Io e Te zu schreiben. Das geschah, nachdem ich während einer Probe zur Sendung X-Factor von der Bühne gefallen war. Ich probte auf der Bühne, aber niemand hatte mich davor gewarnt, dass es sich um eine Drehbühne handelte. Nach der Probe sah ich Mara Maionchi und ging auf sie zu, um sie zu umarmen. Ich sah die Stufen nicht und fiel mit dem Bauch zuerst auf den Boden unter mir. (Ich hätte damals schwanger sein können, aber das hat sich nicht bestätigt. Das wiederum kann allerdings nicht am Sturz gelegen haben).
Es war nichts Ernstes, also ging ich nach Hause - ein wenig zu benommen, um mich auf die Show vorzubereiten. Gerade als ich dabei war, mein Make-up aufzutragen, fühlte ich, wie mein Klavier nach mir rief. Das Ergebnis ist der erste Song Dimentica, der entstand, während mein Manager und der Fahrer mich anschrien, weil ich mich verspäten würde. Danach - ich weiß nicht mehr wann und ich weiß nicht mehr wie - nahmen die anderen Songs Form an und etwas später, es war bereits 2010, nahm noch etwas anderes Form an: etwas in meinem Bauch, das mir eine ganz neue Welt eröffnete. Niemand wusste davon, ich konnte es selbst kaum glauben, nachdem alle vorherigen Versuche schwanger zu werden gescheitert waren. Also stürzte ich mich ganz in die Arbeit und machte mich - mit Will Malone als Produzent - an die Aufnahme des Albums in London.
DER TITEL "IO E TE" ("ICH UND DU")
Der Albumtitel steht für die Art, mit der ich mich mit anderen in Verbindung bringen möchte, "von Angesicht zu Angesicht". Mit den drei Worten wollte ich sagen, "Jetzt geht es um dich und mich, von Angesicht zu Angesicht, es gibt keine Ausreden, Halbwahrheiten, Lügen oder Zwänge". Es geht darum, sich von Gefühlen leiten zu lassen. Es geht um einen großen Wunsch danach, Liebesbeziehungen, Eltern-Kind-Beziehungen und die Konflikte, die daraus entstehen, zu analysieren. Kein Mensch gleicht dem anderen. Wir stammen aus unterschiedlichen Familien und gehören zu unterschiedlichen Kulturen. Gewisse Erwartungen können wir daher niemals erfüllen. Aber leider werden diese Unterschiede tabuisiert und so entsteht mehr und mehr Raum für Vereinheitlichung und Angst.
DAS ALBUM
Das Album mit seinem starken Rock-Ansatz ist das Ergebnis eines Prozesses, der bereits in den Achtziger Jahren begann. In Deutschland, genauer gesagt in Conny Planks Studio in Köln, entwickelte sich aus einem Arrangement ein Sound-Design aus mitteleuropäischen Rhythmen.
Damals entstand genau dort die Idee, mit Keyboards und Synthesizern einen Sound um meine Stimme herum zu kreieren. Heute konnten wir dieses Ziel mit Hilfe des großartigen Musikers Will Malone (Produzent von Iron Maiden und Black Sabbath und verantwortlich für die Streicher bei allen großen britischen Bands von Depeche Mode bis The Verve, aber auch bei Take That, Madonna und vielen anderen) erreichen.
Gemeinsam mit Will Malone, mit dem ich schon seit 2005 zusammenarbeite, haben wir das Projekt eines Sound-Designs, das um meine Stimme herum aufgebaut ist, vorangetrieben. Die Orchesterklänge haben wir vor allem als Rock-Instrumente benutzt, die mit den klassisch konzipierten Gitarren-Klängen in Kontrast stehen. Auf diesem Album gibt es eine echte Gitarrenpartition, die von einem 33-köpfigen Orchester gestützt wird. Damit werden die Emotionen, die aus den Songs hervorgehen, weiter verstärkt. Das Album wurde zum größten Teil in den Abbey-Road-Studios aufgenommen, die Streicher vor allem in Studio 1. Die dichte Folge von Vibrationen dringt dort durch die Wand und die Streicher erzielen bessere Ergebnisse, beinah auf einer metaphysischen Ebene, würde ich sagen. Ich sang dort mit einer so kraftvollen Energie in mir, einer Art von Energie, die mir Maschinen niemals geben könnten. Ich spürte bestimmte Klänge in mir vibrieren und ich weinte vor Rührung. Danke, Malone.
DIE MUSIKER
Abgesehen vom London Studio Orchestra unter der Leitung von Perry Montague-Mason sind die Musiker, die vor allem zum Album beigetragen haben, meine für immer geliebte Band: Thomas Lang am Schlagzeug, Davide Tagliapietra an der Lead-Gitarre, Davide Ferrario und Milton McDonald als Gitarristen, Francis Hylton am Bass und Miles Bould als Perkussionist.
Die wirkliche Innovation ist der Bass von Francis Hylton von Incognito. Ich war auf der Suche nach einer weicheren Art, die mich näher an Soul-Musik bringt. Außerdem hat es zur Tiefe der Songs beigetragen, dass wir die Anzahl der Streichinstrumente erhöht haben. Damit haben wir mehr Betonung auf die Emotionen gelegt.

