Estopa

Diese Musik in meiner Werbung Dale Estopa! Halte durch! Mit diesem Ausspruch der spanischen Arbeiter haben es die beiden Brüder David und José Munoz ganz nach oben geschafft. Weltweit begeistern sie ein Millionenpublikum mit ihrer rockigen Version des katalanischen Rumba, mit eingängigen Melodien und treibenden Rhythmen.
Rumba Rock, so könnte man die Musik von Estopa abseits aller Schubladen vielleicht beschreiben, ein Konglomerat der Beats und Poesie der Straße und einem charmanten, schlagfertigen Witz.
Über eine Millionen mal verkaufte sich ihr Debüt bislang. Dafür gab es vierzehn Mal Platin weltweit und eine diamantene Schallplatte (ja, die gibt es!), darunter auch in den USA, Frankreich und Italien. Seitdem hagelt es Auszeichnungen wie den Amigo Awards 2000 in den Kategorien Entdeckung des Jahres und Beste spanische Band oder dem Ondas Award als Bester Newcomer. Zu einer ganzen Reihe von spanischen Filmen steuerten sie die Filmmusik bei. Alle sechs Single-Auskopplungen landeten in ihrem Heimatland auf Platz 1 der Charts. Ihr Album war fast ein halbes Jahr in den Top 10 der iberischen Charts zu finden.
Estopa singen vom Leben der Proletarier, von der Liebe des einfachen Mannes und dem Kampfgeist, einer Welt voller Magie, Tragik und einer mächtigen Portion Komik. Und treffen in die Herzen der Menschen. Dinge eben, die die Menschen tagtäglich bewegen. Wie z.B. die süßen Signoritas in ihren kurzen Röcken mit Schlitz in dem Song La Raja De Tu Falda. Da wird sich umgeschaut, bis das Auto in die Straßen-Ecke kracht. "Wir sind die Chronisten unseres Alltags", scherzt David.
Estopa sind so etwas wie die Schnauze des Volkes. Ihre Texte Slang. So wurde das Album in Latein-Amerika mit einer Übersetzung des Titels Tu Calorro ausgeliefert (auf deutsch: "Der Junge von nebenan"). Insofern sind sie vergleichbar mit der Hip Hop und Rap-Szene, ihre Lyrik entspringt dem Jargon der Straße. Die Radiosender spielten ihre Musik erst, als die Welle nicht mehr aufzuhalten war.
Aufgewachsen sind David und José in einem Vorort von Barcelona. Bis vor zwei Jahren schufteten sie selbst noch in der Fabrik. Vierzehn Stunden am Band, jeden Tag, bei einem Autoteile-Zulieferer für Seat. Dort entstand ein Großteil ihrer Songs. Ironischerweise war es ihr Job, der ihnen die Inspiration gab, für die meisten Texte ihres Debüts. Gereimt hatten sie immer schon, vor allem Rap. Bevorzugt in kernigen Versen, die jedermann nachvollziehen kann.
Zu Hause begannen sie mit den Proben, mit ihren Freunden als Zuhörern und gleichzeitig Kritikern. Es folgten Auftritte in kleinen Bars der Nachbarschaft. Mit einem einfachen 6-Spur Mischpult nahmen sie ein erstes Demo auf. Ein Arbeitskollege der beiden Brüder war von ihrer lyrischen und ehrlichen Art so angetan, dass er das Tape an einen A&R-Manager der BMG Ariola Spanien weiter reichte. Das gleichnamige Debüt wurde in kürzester Zeit aufgenommen, wobei der rauhe und ungeschliffene Charakter erhalten blieb. Und Estopa entwickelten sich zu einem der größten und erstaunlichsten Erfolge der iberischen Halbinsel.
Dass jemand in den Plattenladen geht, auf ihre CD zeigt und sagt: "Die will ich haben", kommt David und José immer noch wie ein einziger Traum oder ein Wunder vor. Gerechnet haben Estopa nicht mit ihrem Erfolg. Ein paar Platten könnte man vielleicht unter die Leute bringen. "Schließlich sind die Texte ziemlich ehrlich, manches Mal sogar ziemlich derb.", erzählt David "Wir wussten nicht, dass wir damit so vielen Menschen aus verschiedenen Generationen aus der Seele sprechen. Aber gerade weil unsere CD so ein Riesenerfolg ist, denke ich, dass wir damit eine neue Musikergeneration ins Leben gerufen haben."
Estopa haben es geschafft, den traditionellen Rumba, "den wir über alle Maßen lieben" wie David schwärmt, mit brandaktuellen Sounds vereint zu haben. Eine Verbindung, die charakteristisch ist für die junge Generation in Spanien. Sie hört Techno, House, Ambient, Rock, Pop und fühlt sich gleichzeitig der spanischen Tradition verbunden. Beide Seiten sind ein fester Bestandteil des Lebensalltags, vor allem in den Bars und Clubs, in denen nach wie vor die Live-Musik gepflegt wird. Los Chichos, die großen Meister des Rumba werden von Estopa in einem ihrer Titel geehrt (El Del Media De Los Chichos). Für das Tribute-Album des legendären Rumba-Altmeisters Peret spielten sie eine Coverversion einer seiner Hits ein (Peret-Der König des Rumba, erschienen in Deutschland bei Virgin). "Wir lieben schlicht und einfach die Musik als solche, weil sie nun mal unser Leben ausmacht." Die Band selbst bezeichnen ihren originären Sound am liebsten als street music, denn "wir kommen von der Straße, wir sind eigentlich recht einfache Burschen, nur Gottseidank mit dem Talent für Musik, Beats und Reime gesegnet", meint David. Mit dieser Einstellung können Estopa die Vorreiter einer neuen Generation von Musikern werden. Haben sie doch mit ihrem Rumba Rock der spanischen Musik ein neues Gesicht gegeben. Die spanische Presse jedenfalls steht Kopf bei den neuen Superstars aus ihren Breitengraden. Der Rolling Stone Spanien erklärte sie schlicht und einfach zur Band des Jahres. In ihrem neuen Job arbeiten José und David härter als je zuvor. Über 120 Konzerte haben Estopa im vergangen Jahr gegeben, alle waren ausverkauft. Sie werden von einem Publikum gefeiert, das alle Generationen und Gesellschaftsschichten umfasst: "Unser Publikum ist ziemlich gemischt", bemerkt Sänger David Munoz enthusiastisch, "Kinder, Erwachsene, Rocker, Leute mit Brillen, kahlköpfige, normale und ziemlich abgedrehte Leute". Tatsächlich muss man die beiden Brüder einmal live erlebt haben, um die Energie ihrer Musik, ihren umwerfend sympathischen Charme zu begreifen. Die brodelnde Menge, tanzend, singend...kreischende Mädchen. Live entwickeln Estopa einen kraftvollen Rock, der mitunter fast schon an melodischen Punkrock erinnert, so wie hierzulande die Toten Hosen oder Die Ärzte. So auch bei einem ihrer jüngsten Konzert in New York auf der Latin Music Conference. Dort spielten sie im legendären Bowery Ballroom, in dem schon so namhafte Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder REM auf der Bühne standen.