Eartha Kitt

Diese Musik in meiner Werbung BAD, BAD EARTHA ...


Im Showgeschäft ist es Voraussetzung, als Künstler ein besonderes Image zu haben. Dieses Persönlichkeitsbild, mit dem der Künstler in der Öffentlichkeit auftritt, muss aber nicht zwangsläufig mit der realen, privaten Person identisch sein.

Eartha Kitt, geboren am 26. Januar 1928 in South Carolina, hat seit Beginn ihrer Karriere ein ganz eigenes Image: Das der sogenannten "Männer mordenden Diva". Diesen Eindruck vermittelte sie noch im Alter von 60 Jahren, als ihre Karriere nach einer längeren Pause wieder in Schwung kam. Das war kein Wunder, denn schließlich hatte sich die glamouröse Entertainerin, die trotz ihrer nicht gerade imposanten Größe die größten Bühnen beherrschte, gegen alle Widerstände ihren Weg bis an die Spitze geebnet. Geboren und aufgewachsen im Hinterland der amerikanischen Südstaaten als Kind eines weißen Vaters und einer schwarzen Mutter, zog sie nach deren Tod mit 8 Jahren nach New York zu einem Verwandten und machte schon auf der High School als ausdrucksvolle Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin von sich reden. Ohne jede Ausbildung nahm sie 1948 an einem Vortanzen bei der berühmten Choreographin Katherine Dunham teil und faszinierte sie so mit ihren katzenhaften Bewegungen, dass sie engagiert wurde.

Doch lange war sie nicht damit zufrieden, als Tänzerin zu arbeiten und setzte sich 1950 in Paris von der Truppe ab, um allein zu arbeiten. Dort, im Carroll's Club sah sie Orson Welles, der sie als "erregendste Frau der Welt" bezeichnete und Eartha Kitt für seine Bühnenproduktion von Faust 1951 engagierte. Das wiederum führte nicht nur zu einigen Filmrollen in Frankreich, sondern auch zu einem Angebot für eine Soloshow im New Yorker Club La Vie en Rose, der sie zwar nicht gerade zur Legende machte, aber zumindest die Verantwortlichen des Village Vanguard überzeugte. Dort klappte es: 25 Wochen lang trat sie vor erlesenem Publikum auf, unter ihnen der Broadway-Produzent Leonard Sillman, der sie für New Faces Of 1952 engagierte, was in dreierlei Hinsicht einen Wendepunkt markierte: Zum einen trat sie mit dem Song Monotonous als Sängerin mit ihrem unnachahmlichen Timbre in den Vordergrund, zum zweiten entwickelte sie dort ihr Image als verführerische Kosmopolitin mit geheimnisvollem Charme und zum dritten erhielt sie in ihrer Garderobe einen Besuch von Dave Kapp, der sie für RCA Records unter Vertrag nahm. Dieser Vertrag war bei RCA nicht ganz unumstritten, denn Kitt war als Sängerin kaum bekannt. Ihrer Meinung nach wurde deswegen auch der sicherlich ausgefallenste Titel ihres Repertoires als erste Single 1953 veröffentlicht, das türkische Uska Dara, noch dazu in Originalsprache, mit nur einigen wenigen englisch gesprochenen Textzeilen. Doch was kaum jemand erwartet hatte, geschah: Im Mai 1953 landete sie mit diesem "exotischen" Song in den amerikanischen Charts und konnte sich noch im selben Jahr auch mit den Hits C'est si bon und Santa Baby dort plazieren - alles Auskopplungen aus ihrem Debüt-Album RCA Victor Presents Eartha Kitt, das eigentlich nur eine Vertonung ihrer leicht lasziven Nachtclub-Auftritte war.

Nach einem weiteren Treffer mit I Want To Be Evil änderte sich die Atmosphäre bei ihren Arbeitgebern entscheidend: Für künftige Produktionen wurde sie mit einem weißen Rolls Royce abgeholt und der berühmte "rote Teppich" wurde ausgerollt. Das hatte seinen Grund: Mit ihren ersten Aufnahmen hatte sie sich einen unverwechselbaren Stil erarbeitet, der vor allem auf ihrem schnurrenden Gesang und ihrer beeindruckenden Persönlichkeit basierte und auf einem Repertoire, das ihre internationale Karriere widerspiegelte, denn sie brachte französische, englische und deutsche Kompositionen zusammen mit Klassikern der amerikanischen Pop-Tradition, denen sie allen ihren unverwechselbaren Stempel aufdrückte, wobei sie immer wieder die Frau darstellte, die auf der Suche nach dem richtigen Mann kein Tabu kannte.

Eartha Kitt produzierte Hits wie Under The Bridges Of Paris, der sich 1957 elf Wochen lang in den Top 10 der britischen Charts befand. Aber auch Angelitos Negros, das sie in spanisch intonierte oder aus dem Repertoire von Marlene Dietrich, Jonny, wenn du Geburtstag hast, den sie in deutsch sang. Auf diese Weise etablierte sie sich in einem Genre, das ihr mit Live-Auftritten ein beeindruckendes Einkommen garantierte - auch zu einer Zeit , als der Rock'n' Roll das amerikanische Showbusiness revolutionierte und die Chartpositionen besetzte. Neben ihren musikalischen Erfolgen, machte die Exzentrikerin auch in der Presse immer wieder von sich reden,- ob sie nun 1960 einen weißen Studenten heiratete oder 1968 in gewohnter Offenheit das amerikanische Engagement in Vietnam kritisierte.

Allerdings führte dies zunächst zu einem Boykott in ihrer amerikanischen Heimat, was kein wirkliches Problem für die Kosmopolitin war, die in sieben Sprachen zuhause ist und sich dadurch mehr nach Europa und dem Orient ausrichten konnte. Der Erfolg blieb ihr treu, übrigens auch als Autorin: Jedes ihrer autobiographischen Bücher - Thursday's Child, Alone With Me und Confessions Of A Sex Kitten - wurde in Amerika ein Bestseller und in den 70ern tauchte sie wieder am Broadway auf mit der in Timbuktu umbenannten Bearbeitung des alten Musicals Kismet. Sie konnte die ganze Welt "umarmen", in vielen Ländern auf Tourneen auftreten, überall Platten einspielen und so ihre triumphale Laufbahn abrunden.

Eartha Kitts Vielseitig wirkte sich noch Anfang der 80er Jahre aus, als sie von Musikern den neuen britischen Soulbands wie Bronski Beat als Idol genannt wurde. In diesen Jahren startete sie eine neue Hitserie mit Where Is My Man (1983) und I Love Men (1984), mit der sie in England in den Charts in den Top 30 landete und ein paar Jahre später mit Cha Cha Heels im Duett mit ihren Bewunderern Bronski Beat noch einen draufsetzte. Auch in Deutschland war sie mit diesen Pop-Songs sehr erfolgreich: 1983 stellte sie Where Is My Man in der renommierten deutschen TV-Sendung "Musikladen" vor. Daraufhin plazierte sich der Song mehrere Wochen im oberen Drittel der deutschen Hitparade. 1984 erreichte ihr Titel I Love Men Platz 26 in Deutschland und hielt sich 12 Wochen in der Bestenliste. 1989 krönte sie ihre Renaissance mit der Hauptrolle der Musical-Produktion Follies, deren zentraler Song I'm Still Here seitdem so etwas wie ihr Lebenslied geworden ist, denn nach wie vor tourt die über 70-jährige "Femme Fatale" durch die Welt ...


Text: Martin Reichold
(Dank an Regina Sommerfeld)