Donovan
Diese Musik in meiner Werbung Alles begann mit einer Stimme, einer akustischen Gitarre und einem Lied ..............Drei Jahrzehnte später hatte Donovan 27 Alben aufgenommen: eines davon erhielt Platin, drei davon Gold, 12 singles waren in den Top 40, 10 davon in den Top 10's.
Über die Unterstützung durch viele große Musiker konnte er sich freuen: z.B. Jimmy Page, Ron Wood, Jeff Beck und Paul Mc Cartney.
Seine Songs wurden gecovert von mehr als 200 Künstlern einschließlich der Allman Brothers, Judy Collins, den Butthole Surfers, Joan Baez, The Blues Project, Eartha Kitt, Glenn Campbell und Lou Rawls...
Auch als Filmmusik fanden seine Songs Beifall in Bestsellern wie "Goodfellas", "To Die For" und dem neuesten Film: "Andy Warhol"...
Während seiner legendären Karriere hat Donovans unverwechselbare Stimme immer wieder einige der erfolg- und einflußreichsten Produzenten in Sachen Rockmusik angezogen: Mickie Most, Andrew Loog Oldham, Jerry Wexler, um nur einige zu nennen und seit neuestem: Rick Rubin. Gefragt, wie er auf die Idee kam, mit Donovan ein Album zu produzieren, antwortet Rick Rubin:
"Ich wollte immer mit Donovan arbeiten. Schon als kleiner Junge liebte ich seinen Mix aus Folk, Rock und Mystizismus."
Erfolge in allen Unternehmungen von Hip Hop zu Heavy Metal kann der junge Besitzer von American Recordings verbuchen. Nachdem Rick Rubin das hochgelobte Comeback-Album von Johnny Cash aufgenommen hatte, rief er einfach bei Donovan in Irland an und fragte ihn, ob er nicht ein neues Album machen wolle.
Donovan erzählt: "Als ich ihn fragte, was für eine Art von Album das werden solle, welche Erwartungen er habe, da sagte Rick, er habe keine Erwartungen. Er wolle etwas machen, was wir beide mögen - und vielleicht auch andere." Dann fügt Donovan hinzu: "Ich hielt es schlichtweg für wunderbar, so zu arbeiten."
Ohne den Druck eines Veröffentlichungstermins verbrachten die beiden erstmal ein paar Monate, um sich kennenzulernen. "Stimme und Gitarre war alles, was Rick anfangs von mir wollte", erzählt Donovan. "Er meinte, ich solle mir sozusagen meinen Nachlaß zu Lebzeiten mit neuen Ohren anhören. Da Rick auch ein leidenschaftlicher Bücherwurm ist, fanden wir uns beide bald auf literarischen Pfaden und ich kann nur sagen: Rick ist auch eine Art geistiger Ernährer."
In dieser animierten und entspannten Atmosphäre war es für die beiden ein Leichtes, die Essenz von Donovans Musik vom Staub der Jahre zu befreien und quasi neu zu entdecken. "Er wollte meine Anfänge", lächelt Donovan, "und ich ging mit ihm - ganz zurück."
Geboren wurde Donovan Phillip Leitch in Glasgow, Schottland. Als er 10 Jahre alt war, 1956, zog er mit seinen Eltern - er stammt aus einer klassischen Arbeiterfamilie - in das ländliche Hatfield im Norden von London. Dort begann der blutjunge Donovan seine Karriere als Tramp - ganz genau so, wie es Buddy Holly, Woody Guthrie und Jack Kerouac besangen und beschrieben. Und genau dort liegen die Wurzeln seines Gitarrenspiels, das er immer mehr zu entwickeln begann.
Als ein paar Musikmanager Donovan, diesen jungen Vagabunden, sahen, holten sie ihn sich sofort in's Studio für ein Demo. Diese Aufnahme beeindruckte die Produzenten einer Fernsehsendung für neue Musik ("Ready Steady Go") dermaßen, daß sie Donovan für drei aufeinanderfolgende Sendungen verpflichteten. Mit achtzehn Jahren, keine Platte auf dem Markt, wurde Donovan über Nacht bekannt.
Zunächst trug der junge Protestsänger Lieder von Jessie Fuller und Woody Guthrie vor. Unter ihrem Einfluß entstand das kluge und hintergründige Lied
"Catch The Wind". Der Song kletterte bis zur Nummer 23 der amerikanischen Charts, führte zu dem für Donovans Karriere so wichtigen Auftritt beim Newport Folk Festival 1965.
Donovan rebellierte gegen die engstirnige politische Ausrichtung der Folkszene. Er selber hatte sich mit östlicher Philosophie, Meditation, radikaler Kunst, Jazz und dem befaßt, was wir heute "Weltmusik" nennen. Er fühlte sich berufen, buddhistische Lehren in den Pop/Rock einzubringen. "Mir wurde klar, daß es nicht möglich war, die Regierung oder irgendein System zu ändern, solange die Gesellschaft nicht begriffen hatte, daß der grundlegende Aspekt jeder Änderung ganz von innen kommen muß."
Aber konnte ein Künstler wirklich exotische und philosophische Gedanken auf Pop-Platten so integrieren, daß auch ein Massenpublikum es akzeptieren würde? Mickie Most war davon überzeugt. Er hatte gerade einige Hit-Singles mit den Animals und Herman's Hermits gemacht und war so beeindruckt von Donovans Folk/Pop - Verbindung, daß er für das nächste Album des Sängers als Produzent unterschrieb.
Am 30. Juli 1966 explodierte das einzigartige Stück "Sunshine Superman" (Donovan hatte es seiner Muse Linda Lawrence gewidmet) auf allen Radiostationen und signalisierte den Beginn einer höchstoriginellen Karriere.
"Damals dachten manche, ich wäre sozusagen als fertiger Künstler vom Himmel gefallen", erzählt Donovan mit einem Lachen. Als das Lied und das Album Platz 1 erreichten, wurde Donovan zum Phänomen.
Als nächstes verursachte der ebenfalls sehr populäre Song "Mellow Yellow" einen erheiternden Streit, weil manche fälschlicherweise dachten, das Lied fordere die Kids dazu auf, Bananenschalen zu rauchen, um high zu werden. Mit jeder neuen erfolgreichen Platte bewies Donovan seine stilistische Vielfältigkeit - es gab das fast fröhlich freche "Epistle To Dippy", den zen-inspirierten Calypso "There Is A Mountain", das psychedelisch-romantische "Wear Your Love Like Heaven", das getragene, fast pastorale "Jennifer Juniper" und die mythologisch inspirierte Mitsing-Hymne "Atlantis".
Nicht jeder applaudierte zu Donovans melodischem Optimismus: "Aber ich stand einfach auf und wollte mich durchsetzen", erzählt er, " und ich sagte genau das, was ich in diesem Moment fühlte. An sich ging ich allerdings davon aus, daß sie dabei längst schliefen."
Unter den Legionen von Donovans Fans war auch der damals ganz junge Rick Rubin. Er berichtet: "Sogar wenn er Singles herausbrachte, ließ sich Donovan nie vom Modediktat der Top 40 beeinflussen. Er hatte immer einen ganz unverwechselbaren Sound, eine unvergleichliche Vision. Und jedes Lied war völlig anders als das vorhergehende."
Donovan wurde - wie die Beatles, Dylan, The Dead - mehr als nur ein Mitglied der Rockaristokratie. Er wurde zur Leitfigur eines gesellschaftlichen Wandels. Mit dem Spitznamen "Prinz der Flower Power" versehen entdeckte Donovan für sich Maharashi Mahesh Yogi und ging - zusammen mit den Beatles - 1967 nach Indien in eine Art spiritueller Klausur. "Es war eine ganz erstaunliche Erfahrung, wirklich! Wir haben stundenlang meditiert, völlig neue Musik kennengelernt und John Lennon und Paul McCartney klassische Stilistiken der Folk-Gitarre gezeigt." Alles in allem verbrachte Donovan 6 Wochen mit den Beatles, was schließlich dazu führte, daß George Harrison sich später auf dem "Weißen Album" der Fab Fours ausdrücklich für Donovans musikalischen Einfluß auf die neue Produktion bedankte.
Nach England zurückgekehrt riß die Kette der Hits für Donovan nicht ab, eingeschlossen ein Song, den er in Indien geschrieben hatte (ursprünglich für Jimi Hendrix gedacht). Dieses Stück wurde zum Grundstein dessen, was er selber als "Folkmetal" beschrieb.
"Lalena", "Atlantis" und "Barubajagal" folgten. Die Leute begannen sich zu fragen, wie er diese Hochform seiner Kunst noch übertreffen wollte.
1970 hatte Donovan den Gipfel seiner Kreativität erklommen und verdiente große Summen. Aber um den geradezu räuberischen Steuern Großbritanniens für das nächste Jahr zu entgehen, folgte er einem guten Rat, den englischen Boden für 12 Monate zu verlassen.
Für dieses Jahr des Ausstiegs wurde eine anstrengende Weltournee gebucht; aber kurz nach ihrem Beginn hatte Donovan einen Nervenzusammenbruch, wie er es nennt: "Ich trat zwar auf, aber ich fühlte mich wie ein Zombie. Ich war gar nicht wirklich anwesend, war nicht mehr in meinem Körper."
Zuflucht suchend floh Donovan zurück in sein Landhaus in den englischen Wäldern, womit sich der "Steuertrick" natürlich sofort erledigt hatte. Seine Steuerberater und Manager waren sauer. Seine Familie und seine Freunde waren völlig verunsichert. Nach fünf Jahren des Ruhmes und Glückes war Donovans Karriere - sein ganzes Leben - nur noch ein Trümmerhaufen. Donovan meint dazu: "Ich habe das Einzige vermißt, das mir der Ruhm nicht geben konnte - meine Muse und die wahre Liebe, Linda."
Donovan hatte sich gerade mal fünf Tage zurückgezogen, da wurde er von einer jungen Frau besucht, die sich dafür interessierte, ein Haus auf dem Land zu mieten. Sie war Linda Lawrence und wußte überhaupt nicht, welches Landhaus sie da anschaute. Vier Jahre zuvor hatte sich das Paar verliebt, die Heirat war geplant, aber alles zerschlug sich durch Donovans Ruhm, seine Karriere.
Nun, 1970, hatten sie sich wieder gefunden. Sie heirateten sofort und zogen nach Irland, um eine Familie zu gründen. Inzwischen sind sie seit 25 Jahren glücklich verheiratet.
Donovan trat zwar in den 70er und 80er Jahren immer wieder mal auf, aber er fühlte nicht mehr den alten Ehrgeiz. Er wollte sich nicht selbst wiederholen, nachdem er so viel mehr erreicht, als er sich je erträumt hatte. So zog er sich auf der Höhe seines Ruhms zurück. Nachdem er so viel gegeben hatte, war es für ihn an der Zeit, sich nur auf sich selbst zu besinnen, herauszufinden, was in ihm war.
1990 zog es Donovan denn doch wieder magnetisch zu seiner Arbeit. Er fühlte, daß gewisse spirituelle Themen ihn ernsthaft beschäftigten. Er hielt Ausschau nach einem wahlverwandten Manager und einer Plattenfirma, die sein Comeback unterstützen würden. Kaum gedacht, schon geschehen: er erhielt einen Anruf von Rick Rubin, der ein Album mit ihm machen wollte.
"Und innerhalb eines Jahres waren ungefähr hundert Songs geschrieben", erzählt Donovan über die erste Phase der Zusammenarbeit der beiden. "Rick führte mich quasi zu mir selber zurück."
"Unsere erste Aufgabe war es, die Stimme des nun erwachsenen Donovan zu finden", erklärt Rick. "Und ich denke, daß wir genau da angekommen sind, wo Don die Essenz all seiner bisherigen Arbeiten wiederfinden konnte."
Es war mitten in der Arbeit dieses Projekts, als Donovan Rick einen neuen Song vorspielte, der ihnen beiden förmlich einen Stoß gab: "Unsere Augen begannen zu leuchten", erinnert sich Donovan. "Please Don't Bend" ist eine wunderschöne Ballade, ein Liebeslied mit einem durchgängig packenden Hook - Donovan, wie er leibt und lebt.
Nun bekam das Projekt eine Triebkraft, eine künstlerische Konzentration, die beide Männer mitriß.
"Be Mine" (mit Versen der griechischen Dichterin Sappho aus dem
7. Jahrhundert) und das entspannte "Lady of the Lamp" wurden aufgenommen, in denen die starken keltischen Wurzeln von Donovans Musik durchschimmern. "The Clear Browned One" handelt von Lohengrin und dem Heiligen Gral und wurde sofort eines der Lieblingsstücke des Produzenten. "Donovan war dieser Song irgendwie so aus der Luft zugeflogen, und ich liebe das Stück wirklich", erzählt Rick.
Das Lied "Everlasting Sea" befasst sich mit unserer Umwelt, ist aber auch zugleich ein Liebeslied, "Sleep" dagegen ein perfektes Wiegenlied. Das mit-leidlose "El Dorado" - basierend auf einer Novelle von Edgar Allan Poe -
erzählt von der spukhaften und halluzinativen Suche eines Ritters nach einer sagenhaften Stadt aus Gold. Und "High Your Love", vielleicht das exotischste Lied des Albums, besticht durch eine Melodie, die Rubin auf einer Cassette gefunden hatte, die von dem als Heiligen verehrten Indianer Sai Baba stammt.
Jede dieser Aufnahmen präsentiert Donovans einzigartige Stimme und sein Gitarrenspiel mit Melodien, die vibrieren, bezaubern und nicht mehr aus dem Ohre gehen. "Wir kamen zu der Erkenntnis", erklärt Rubin, " daß der sogenannte 'Troubadour-Stil' das ist, was Donovan immer schon ausmachte."
Aber ganz genau so, wie er es auch früher schon gemacht hatte, kam Donovan mit einer sofort mitreißenden Up-Tempo-Nummer im Stil des Folk/Pop heraus.
Dieses Stück "The Way" hat eine höchsterstaunliche textliche Basis - das chinesische Buch von Lao Tze, genannt: das Tao. "Tao ist "The Way", erklärt Donovan", "der Weg ist eine buddhistische Philosophie über die Art und Weise, wie die Dinge funktionieren. Ich habe diesen Gedanken einfach eine Melodie gegeben."
Als die Basisspuren für die akustische Gitarre und den sehr intim wirkenden Gesang aufgenommen waren, hatte Rubin eine klare Vision, wie sich der Rest des Arrangements anhören sollte - sehr sparsam.
Er holte sich darauf den Keyboarder Benmont Tench und den Schlagzeuger Steve Ferrone von Tom Petty und den Heartbreakers, dazu den langjährigen Bassisten Donovans: Danny Thompson und außerdem Dave Navarro von den Red Hot Chili Peppers, Johny Polonsky. Die Mitglieder der Band Spain trugen zum subtilen, aber immer wirkungsvollen akustischen Hintergrund der Songs bei, der viele der aufgenommenen Lieder prägt.
Zum Beispiel bekam das Stück "The Evernow", das von der Meditation handelt, in der quasi die Zeit stillsteht, ein zurückhaltendes, aber ungemein eindringliches Cello-Arrangement. "Deep Peace", das auf einem irischen Text basiert, endet mit einem fast religiösen, ätherischen Orgelfinale. "Nirvana" wird gestützt von den Backing Vocals von Dave Navarro. Donovans eigene Mundharmonika akzentuiert "Give It All Up", während die überschäumende Up-Tempo-Nummer "The Way" vom gesamten Band-Arrangement getragen wird, erweitert durch Navarros fließendes Gitarrenspiel und Sitar-Motive.
Und das war es dann. Nach fast drei außergewöhnlichen Jahren harter Arbeit war ein Werk voller Liebe und Frieden fertig, das sich schlicht Sutras nannte.
"Ich hätte mit dem Resultat nicht glücklicher sein können", sagt Donovan. "Ich bekomme richtig Gänsehaut, wenn ich mir den Klang dieses Albums anhöre."
Anstatt seine eigene Vergangenheit wiederaufzubereiten, hat Donovan eine Sammlung von "Unplugged-Songs" geliefert, die das Werk eines Mannes sind, der einige Stürme im Leben durchzumachen hatte, aber an ihnen auch gereift ist ohne seinen Optimismus zu verlieren.
"Ich halte Sutras für ein sehr tiefes, spirituelles Album", erzählt Rubin. " Sehr
emotional und von Herzen kommend. Ich würde auch sagen, es ist ein erwachsenes Album in der bestmöglichen Weise."
Beim Hören des Albums Sutras kann man ahnen, was das Leben sein könnte - eine bessere Welt. Und während er der Musik lauscht, ist der Hörer eingetaucht in diese Welt, ganz und gar eingehüllt in einen Klang, der geheimnisvoll bleibt und zeitlos.
"Ich halte Sutras für einzigartig", fügt Rubin hinzu. "Es klingt nicht wie Donovans andere Platten, aber es hat all die Qualitäten, die seine Musik immer schon ausmachten. Wenn man also jemals ein Donovan-Fan war, wird man dieses Album sehr schätzen. Ich bin sehr stolz darauf."
"Immer, wenn ich gefragt wurde, wo ich denn die ganzen Jahre gewesen sei", erzählt Donovan, "war meine Antwort, daß ich niemals ein bloßer Entertainer war. Für mich mußte alles einen Sinn haben, und ich brauchte immer einen Anstoß. Und heute spüre ich, daß es wieder eine Akzeptanz gibt für akustische Musik mit einem Bewußtsein für die Belange unseres Planeten, unserer Umwelt. Dieses waren die wirklich wichtigen Dinge für mich, die ich von Anfang an in meinen Liedern ausdrücken wollte. Ich glaube, daß die Gesellschaft, wenn sie sich in einen dunklen und unguten, selbstzerstörerischen Zustand manövriert hat, Sehnsucht bekommt, diesen zu verlassen, sozusagen wieder dem Licht entgegen zu gehen. Ich hoffe wirklich, daß es so ist."
Mit Sutras macht sich Donovan erneut auf, all die Herzen zurückzuerobern, die das Bedürfnis nach einer Musik verspüren, die unserem Leben Sinn und Ausdruck gibt.

