Bruce Hornsby and the Range

Diese Musik in meiner Werbung Musikalität auf hohem Niveau und exzellentes Songwriting: Spirit Trail ist ein Meilenstein in Bruce Hornsby’s Karriere. Es ist sein sechstes Album, mit bewegender Musik. Auf zwei CD’s mit einer Gesamtspieldauer von über 90 Minuten präsentiert der Grammy-Gewinner überzeugend seine Stärken: Pointierte, poetische Texte, kraftvoller souliger Gesang, filigran komponierte Songs und die pianistische Extraklasse, derer sich schon mehr als 70 Künstler bedient haben, darunter die Grateful Dead, Bob Dylan, Willie Nelson, Don Henley und Bonnie Raitt.

Zu gleichen Teilen funky und sehnsuchtsvoll, ist Spirit Trail mit dem Rhythmus New Orleans’ und cleveren Jazzgrooves durchsetzt. "Für mich ist es ein Album aus dem Süden", erklärt Bruce, "ganz bodenständig, mit Gospel, Folk und Blueselementen. Ich bin ein Kind des Südens und habe immer über diese Gegend geschrieben. Aber ich suche auch nach Möglichkeiten, möglichst viel Virtuosität in die Popmusik einzubringen. Spieltechnik und Gefühl auszubalancieren, das reizt mich. Auf dem Cover Artwork meines letzten Albums spielen Country und Western Legende Bill Monroe und Jazz Ikone Charlie Parker zusammen. So ein weites musikalisches Spektrum gefällt mir."

Bruce Hornsby hat das Album in seinem eigenen Studio zuhause in der Nähe von Williamsburg, Virginia produziert. Besonders auffällig ist das exzellente Pianospiel. "Als ich 40 wurde, dachte ich, jetzt kannst Du Dich entweder entspannt zurücklehnen oder das nächste Level ansteuern. Ich habe immer mal wieder die Tür zu einer erweiterten Spieltechnik einen Spalt weit geöffnet, dann aber wieder zugemacht und gedacht, nein, also das ist mir jetzt doch etwas zu schwierig. Nun bin ich aber wieder ans Klavier zurückgekehrt, mit dieser Tunnelvision, die ich als Student hatte: Ich muß da jetzt durch - und ich habe drei bis fünf Stunden täglich geübt." Und er fügt hinzu: "Das Musizieren mit den Grateful Dead hat mir auch immens weitergeholfen."
So ist das Klavierspiel auf Spirit Trail brillanter als Alles, was Bruce Hornsby je aufgenommen hat, die Songs, die er mit dieser Technik transportiert, sind gleichzeitig mit feineren Texturen unterlegt, reifer und zwingender in der Präsentation.

"Als ich anfing, waren Bob Dylan, Elton Johns Teamgefährte Bernie Taupin und Robbie Robertson von The Band meine wichtigsten Einflüsse", erinnert sich Bruce. "Aber auch ‘Southern Fiction’, Romane aus dem Süden, von William Styron oder Lee Smith. Meine Lieblingssongs sind immer noch Songs, in denen Geschichten erzählt werden. Vielleicht ist jeder neue Text eine Art Variante von "Our Town". Die Leute bei mir in der Nachbarschaft studieren immer ganz genau die Textbeilage, ob sie sich wieder entdecken. Und auf dem neuen Album sind eine ganze Menge von ihnen verewigt." Spirit Trail beschwört tatsächlich ein ganz besonderes Amerika, teilweise surreal, dunkel, aber auch sehr liebevoll gezeichnet. So werden einige spezielle Charaktere vorgestellt, ob es nun die Mystiker in "Preacher in the Ring, Pts. I & II" sind oder die bemühten Poseure in "Pete & Manny", die sich entfremdenden Freunde in "Line in the Dust" oder der zwiespältige Held in "Fortunate Son". Die Musik entwickelt sich vom spritzigen Funk bei "King of the Hill" und "Shadow Hand" über die Instrumentals "Song C" und "Song D" zu den komplexen Improvisationen bei "Variations on Swan Song and Song D" und bietet eine vielschichtige künstlerische Erfahrung, eine bemerkenswert umfassende Zustandsbeschreibung der menschlichen Seele.

"Eigentlich war nur eine CD geplant," erklärt Bruce, "aber nachdem ich die erste CD fertig hatte, ging ich für zwei Monate auf Tour. Unterwegs schrieb ich weiter, oft auf so einem kleinen Casio - Synthesizer. Ich traf in dieser Zeit auch Mike Mangini, der mit Digable Planets und Mary J. Blige gearbeitet hat, denn ich wollte einmal eine andere Arbeitsweise probieren: Zwei Leute, die Musik mit Loops und Samples komponieren.
Als ich die zweite CD fertig hatte, fühlte es sich nicht richtig an, aus beiden eine Art ‘Best Of’ zusammenzustellen. Für mich sind zwei eigenständige Alben entstanden, auch wenn sie thematisch, von der Stimmung und vom ‘Spirit’, gut zusammenpassen. Ich habe schon immer Alben gemocht, die mehr sind als eine Songcollection.

Bruce Hornsby wuchs in Williamsburg auf, umgeben von Musik. "Mein Großvater mütterlicherseits war Theaterorganist und Musiklehrer. Und mein Vater spielte Saxophon in der Band seines Bruders." Auf dem familieneigenen Steinway Klavier fing Bruce an zu üben und gründete mit seinem älteren Bruder Bobby eine Grateful Dad Coverband namens Bobby High-Test & The Octane Kids. An Boston’s Berklee School of Music und an der Universität Miami studierte er weiter und Ende der 70er spielte er mit seinem Bruder Gigs im ganzen Süden und nahm unermüdlich Demos auf.
1980 zog Bruce mit seinem jüngeren Bruder John, einem begabten Texter, nach Los Angeles, um für den Twentieth Century Fox Musikverlag Songs zu schreiben. Fünf Jahre später machte sich die Lehrzeit bezahlt: Mit seiner neuen Band The Range wurde er von RCA unter Vertrag genommen. Der Titelsong des 86er Debutalbums, "The Way It Is", wurde ein Welthit und erreichte Platz eins der US-Singlecharts. Burce Hornsby gewann 1987 den Grammy als ‘Best New Artist’.

Das zweite Album ‘Scenes From The Southside’ und die Hits ‘Valley Rain’ und ‘Look Out Any Window’ erweiterten das musikalische Spektrum. 1990 schrieb er mit Don Henley zusammen ‘The End Of Innocence’ und gewann wiederum einen Grammy : Für eine Aufnahme von ‘Valley Rain’ diesmal mit der Nitty Gritty Dirt Band.

Mit seinem dritten Album ‘Scenes From The Southside’ schlug Bruce Hornsby einen radikaleren Weg ein: "Durch die Zusammenarbeit mit Wayne Shorter, Jerry Garcia und Bela Fleck brach wirklich die Hölle los", erinnert sich Bruce grinsend. Improvisierte Musik war auch auf dem Nachfolger ‘Harbor Lights’ noch stilbildend. Diese mehr vom Jazz beeinflußte Produktion entstand in Zusammenarbeit mit Pat Metheny, Branford Marsalis, Phil Collins und Bonnie Raitt. ‘Hot House’, 1995 veröffentlicht, begeisterte die Kritiker mit seiner Balance aus spannend-mutiger, dabei zugänglicher Musik.

Spirit Trail baut auf diese künstlerische Erfolgsgeschichte auf. Es ist voller ‘Soulmusik’ im ursprünglichen Wortsinn. Musik, die in der Hitze und den Reibungspunkten des täglichen Lebens entsteht, aber nach Höherem, nach den Sternen greift.

In "Sunflower Cat (Some Dour Cat) (Down With That)" singt Bruce Hornsby:
"In my dreams I can fly, fly high
Over the fields across the sky
Then I’m awake back on the ground
If you could take me back up there
I’m down, down with that."

8/98