Baccara
Diese Musik in meiner Werbung Sie sind zurück: BACCARA - das spanische Kultduo der Siebziger singt wieder. Mayte Mateos meldet sich mit neuer Partnerin und ganz viel Power zurück. "Als ich Cristina Sevilla in der spanischen Soundmix-Show im Fernsehen singen hörte, wußte ich: Das ist die Frau, mit der ich noch mal richtig durchstarten will," sagt Mayte, die BACCARA mit ihrer erotischen Stimme und Hits wie "Yes Sir, I Can Boogie" schon in den Siebzigern ganz nach oben katapultierte.Cristina hatte sich eigentlich vorgenommen, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Nachdem sie aber ihr Medizin-Studium begonnen hatte, entschied sie doch, sich ganz dem Singen zu verschreiben. Und das nun schon seit 17 Jahren.
Cristina ist sofort Feuer und Flamme, als Mayte Kontakt zu ihr aufnimmt. "Ich kenne sie schon so lange durch ihre Songs. Keine Minute habe ich gezögert, mit ihr in's Studio zu gehen," schwärmt sie.
Rückblick: Im Jahre 1977 wird BACCARA geboren. Mayte Mateos ist diplomierte Tanzlehrerin der "Königlich Spanischen Schule der Künste, Drama und Tanz" von Madrid. Vom spanischen Fernsehen wird sie ausgewählt, mehrere Jahre im Fernsehballett aufzutreten. Dort lernt sie Maria Mendiola kennen. Beide beschließen, dem TV-Ballett den Rücken zu kehren, um mit einem eigenen Showprogramm den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Irrtümlicherweise vermittelt man sie jedoch als erstes Engagement in einen Nachtclub. Dort singen und tanzen sie, was das Zeug hält. Nach einer Woche aber werden sie entlassen. "Zu elegant", findet der Besitzer. Doch Mayte und Maria geben nicht auf, glauben an sich und den Erfolg.
In einem 5-Sterne-Hotel auf der Urlaubsinsel Fuerteventura finden sie eine neue Wirkungsstätte. Sie sind mit ihrem inzwischen aufgepepptem Tanz- und Pop-Programm die absolute Attraktion. "Aber wir haben auch die klassischen Flamenco-Nummern dargeboten", erinnert sich Mayte, "denn 90 % der Gäste kamen aus Deutschland und wollten das sehen."
So auch ein Mitarbeiter der Hamburger Plattenfirma RCA (heute BMG Ariola Hamburg GmbH), der von der Show so fasziniert ist, daß er Mayte und Maria spontan nach Hamburg einlädt. Einen Monat später treffen die beiden zu Probe-Aufnahmen in der Hansestadt ein. Die RCA-Chefs sind von ihnen so begeistert, daß schon sechs Tage später "Yes Sir, I Can Boogie", ihre erste Single entsteht. Der Hit schlägt ein wie eine Bombe. Eine Fernsehanfrage jagt die nächste, keine acht Wochen später, im April 1977, führen BACCARA die deutschen Charts an.
Der weltweite Siegeszug beginnt. Ein Leben auf der Überholspur. Sie sammeln Auszeichnungen und Top-Chart-Positionen zwischen Hongkong und Helsinki wie andere Briefmarken. Alben werden aufgenommen, neue Hits stürmen die Hitparaden: "Sorry, I'm A Lady", "Darling", "The Devil Sent You To Laredo"; für Luxemburg starten sie 1978 mit dem Titel "Parlez-Vous Français" für den Grand Prix d'Eurovision.
1981 dann der Bruch. Die neue Hit-Single "Sleepy Time Toy" muß aus dem Handel genommen werden, weil Maria sich stimmlich unterrepräsentiert fühlt. Sie nimmt sich einen Anwalt und geht gegen die Plattenfirma vor. Sie will erreichen, daß der "Final Mix" geändert wird. "Das wunderte mich, denn ich war es, die BACCARA zum allergrößten Teil die Stimme gab. Und das war die ganzen Jahre schon so gewesen," kommentiert Mayte. Eine Chance auf eine Einigung mit der Plattenfirma gibt es nicht mehr. Das Vertrauen ist durch die Klage erschüttert. Weder RCA noch Mayte wollen unter diesen Umständen weiter mit ihr zusammenarbeiten. Es kommt zur Trennung.
RCA schließt mit Mayte einen Solo-Vertrag ab. Das Image von BACCARA war aber so gefestigt und stark, daß das Publikum nur ein BACCARA mit zwei Sängerinnen in schwarz und weiß gekleidet haben will.
Doch ihre Hits sind so beliebt, daß es auch in den Neunzigern nicht an europaweiten Auftrittsmöglichkeiten auf Galas mangelt. Die Auftritte bestreitet Mayte zwischenzeitlich mit einer anderen Partnerin, die jetzt für die Single die Backing Vocals übernimmt. "BACCARA war und ist mein Leben", sagt die Spanierin, "ich wollte einfach weitermachen."
Anfang 1999 beginnen die ersten Verhandlungen zwischen BMG und BACCARA, im April starten die ersten Studio-Aufnahmen in Hamburg.
"Das mit mir und Cristina ist der pure Wahnsinn. Wir ergänzen uns perfekt und sie nimmt ganz hervorragend die Stellung als Partnerin ein. Ihre kräftige Stimme unterstützt mich, als ob wir eine Einheit wären," schwärmt Mayte. BACCARA entwickelt jetzt einen Klang, der die Siebziger total in den Schatten stellt. Das neue Album ist für Anfang August geplant, der Produzent ist Thorsten Brötzmann, der auch schon für Modern Talking diverse Arrangements übernommen hat.
"Wir haben so viel Energie und können gar nicht abwarten, gemeinsam vor den Fernsehkameras zu stehen," sagt Cristina, die selbst lange Leadsängerin einiger spanischen Bands war. "Außerdem kann mir Mayte so viele Tips geben, weil sie das alles schon einmal erlebt hat. Für mich ist sie jetzt schon wie eine große Schwester," ergänzt sie strahlend. Beide sind drauf und dran, auch 1999 gemeinsam die internationalen Charts zu erobern!
Juli 1999

